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04.12.2022 – Makulaturen aus der Abtei Ottobeuren


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Die Redewendung, dass etwas „zur Makulatur geworden ist“ wird dann verwendet, wenn Dinge oder Entwicklungen vorhergehende Vorgänge oder Dokumente überflüssig, gar sinnlos machen. Bei Wikipedia heißt es zum Ursprung des Begriffs Makulatur:
„Insbesondere und ursprünglich wird im Druckwesen der Ausdruck Makulatur für Papierbögen verwendet, die beim Drucken – z.B. durch Druckfehler – verdorben wurden sowie anderweitig schad- oder fehlerhaft sind und somit nicht mehr zum Drucken benutzt werden können.“

In der Benediktinerabtei gibt es solche Makulaturen, sie wurden von den Schülerinnen und Schülern in einem eigenen Verzeichnis erfasst. Im Rahmen eines Praxis-Seminars am Rupert-Ness-Gymnasium (Titel: „Auf Schatzsuche“) entstand eine Seminararbeit. Im Rahmen des gesamten Seminars waren 10 Schüler*innen beteiligt: Luca Hallen, Adelina Gashi, Lina Nguyen, Mara Hallen, Giulia Royla, Lorena Negele, Emily Thoma, Theresa Schweier, Armando Big und Laura Endres (sowie als Lehrer Herr Erbertseder und seitens des Klosters Abt Johannes Schaber). In Kleingruppen wurden die verschiedensten Spezialbereiche abgearbeitet: Theresa Schweier und Emily Thoma beispielsweise haben die Bearbeitung / Beschreibung der Makulaturen übernommen; Luca Hallen, Adelina Gashi und Lina Nguyen zeichneten für die technische Bearbeitung der Makulaturen (Bearbeitung, Einscannen der Dateien etc.) verantwortlich.

Die Präsentation fand am 4.12.2022 statt – im Rahmen einer Ausstellung im Kloster. (Die parallel angedachte Neueröffnung des sanierten Klostermuseums war wegen verzögerter Bauarbeiten nicht möglich, der Termin verschiebt sich bis ins Jahr 2023.)

In unserer heutigen Überflussgesellschaft landet solch obsolet gewordenes Papier bestenfalls im Altpapier, im Mittelalter war Papier bzw. Papyrus oder Pergament viel zu wertvoll und wurde kurzerhand nochmals eingesetzt („second life“), insbesondere zur Verstärkung von Buchcovern. Aus heutiger Sicht ist dies deshalb spannend, weil uns solche Handschriften in eine Zeit zurückblicken lassen, aus der es sonst nur wenige Zeugnisse gibt. Der betreuende Geschichtslehrer, Heribert Erbertseder, informierte ergänzend, dass die Erforschung von Makulaturen seit etwa 10 Jahren „en vogue“ sei. Die ältestens Makulaturen reichen in Ottobeuren bis ins neune Jahrhundert zurück.
Zu jeder vollen Stunde führten Schülerinnen interessierte Besucher*innen in die „Bibliotheca Ottenburana“, wo sie den gesamten Buchbestand auf die Verwendung von Makulaturen untersucht hatten.

Abgebildet sind hier Texte, darüber hinaus außerdem zwei Notenblätter, eines davon zeigt sog. Neumen. Im Laufe der Erschließung holten sich die Nachwuchs-Historiker auch im virtuellen Museum den ein oder anderen Tipp im Umgang mit alten Dokumenten, vor allem beim Scannen.
Das vorliegende Ergebnis nimmt uns mit: auf eine Zeitreise ins Ottobeurer Mittelalter.

Den Schülern sowie Abt Johannes Schaber sei für die Zurverfügungstellung der Arbeit bzw. für die Genhmigung zur Veröffentlichung herzlich gedankt.
Die ersten beiden Abbildungen sind beschrieben, die anderen fünf zeigen exemplarisch die Vielfalt der im Kloster Ottobeuren vorhandenen Makulaturen.