25.07.1916 – „Allgäuer Kriegswallfahrt“ in Ottobeuren
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Unter Führung des Heimenkircher Kaplans Georg Pabst machte die „Allgäuer Kriegswallfahrt“ (nach 1914 und 1915) im Juli 1916 zum dritten Mal Station in Maria Steinbach und Ottobeuren. Wallfahrten gab es zu den verschiedensten Anlässen und waren stark besucht. Für Mitte Mai kündigte das Ottobeurer Tagblatt z.B. eine „Bauernwallfahrt“ nach Altötting an. Am 27. April 1916 schrieb das Blatt: „Nachdem die Landwirtschaft wiederum ein so vorzügliches Wetter für die Frühjahrssaat gehabt und sich gegenwärtig eines so ausgezeichneten Wachswetters erfreut, ist ein so offensichtlicher Ausdruck des Dankes gegen Gott, wie ihn eine imposante Wallfahrt darstellt, nichts anderes als eine Herzenspflicht.“
In der schweren Zeit des Ersten Weltkriegs gab es einen weiteren triftigen Grund, sich zu beteiligen: mit der Bitte um eine unversehrte Rückkehr der Soldaten. Das Ottobeurer Tagblatt beschrieb als Motivation der vierten Wallfahrt nach Maria Steinbach im Artikel vom 26.10.1916 („Eine imposante Kriegswallfahrt der Allgäuer“) „um endgültigen Sieg und dauernden Frieden für unser Vaterland zu erflehen“. Gegen 1300 Pilger hätten sich gemeldet; einige Hundert mussten abgewiesen werden.
Ein Besuch in Ottobeuren war im Oktober 1916 nicht vorgesehen, bei der dritten Kriegswallfahrtim Juli war Ottobeuren („die berühmte, altehrwürdige Wallfahrt Ottobeuren mit ihrer herrlichen Klosterkirche aufgesucht“) mit im Programm. Immerhin zwei Sonderzüge kamen am 5.7.1916 um 9.30 Uhr am Bahnhof an, die Pilger liefen durch die Bahnhofstraße in Richtung Basilika. Max Pfalner (*8.1.1867, †1.8.1931) nahm die Szene von seinem Haus aus auf (heute ist dort – im „Eirich-Haus“ – der „Zaunkönig“ untergebracht). Um 15 Uhr ging es dann wieder Richtung Bahnhof. Im Tagblatt (identisch mit dem Memminger Volksblatt) hieß es: „Zur Kirche geleitet wohnten die Pilger einer von Hochw. Herrn Pfarrer Pater Augustin [Krimm] gehaltenen inhaltsvollen Predigt sowie einem feierlichen Hochamte bei, besichtigten danach eingehend Kloster und Kirche und zogen gegen 3 Uhr in gewaltiger Prozession wieder zur Bahn, erfreut und befriedigt von all dem Schönen, was Ottobeuren geboten.“
Den Leiter der Pilgerzugs, Kaplan Georg Pabst (*19.03.1877 bei Kaufbeuren, 1904 wurde er zum Priester geweiht, 1906 kam er als Kaplan nach Heimenkirch) bezeichnete „Der Westallgäuer“ am 05.04.2019 als „Don Camillo von Heimenkirch“.
Hier nachfolgend die Fundstellen aus dem Ottobeurer Tagblatt zum Thema Wallfahrten in 1916 (sowie – eingestreut – ein Artikel über einen Opferstockdieb in Stephansried).
Auch zum Kapiteljahrtag (am 18.09.1916) gab es ab Kempten einen Sonderzug. In der Ankündigung hieß es: „Da es sich um eine Wallfahrt handelt, so wäre es recht schön, wenn wenigstens auf der Fahrt nach Ottobeuren in den Waggons laut gebetet würde.“
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Kriegs- und andere Wallfahrten im Jahr 1916
Ottobeurer Tagblatt (= Memminger Volksblatt)
Nr. 97, 27.04.1916
Augsburg, 27. April. Die Bauernwallfahrt nach Altötting findet statt am 13. und 14. Mai. „Nachdem die Landwirtschaft wiederum ein so vorzügliches Wetter für die Frühjahrssaat gehabt und sich gegenwärtig eines so ausgezeichneten Wachswetters erfreut, ist ein so offensichtlicher Ausdruck des Dankes gegen Gott, wie ihn eine imposante Wallfahrt darstellt, nichts anderes als eine Herzenspflicht.“
Nr. 113, 16.05.1916
Tussenhausen, 16. Mai. (Kriegswallfahrt nach dem hl. Berg Andechs)
Die mittelschwäbische Wallfahrt nach dem hl. Berge Andechs findet in diesem Jahre am 5. und 6. Juni statt. Zur Teilnahme an derselben wolle man sich bei seinem Pfarrvorstande bis längstens 25. Mai anmelden. Die Verkehrszeiten der Sonderzüge werden in den Tagesblättern und durch die Programme bekannt gegeben.
Nr. 157, 11.07.1916, S. 3
Dritte Kriegswallfahrt nach Maria Steinbach und Ottobeuren vom 24. bis 28. Juli 1916. Hochw. Kaplan Probst [Pabst] von Heimenkirch veranstaltet in der vorgenannten Tagen seine 3. Kriegswallfahrt nach diesen beiden Gnadenorten. Der Sonderzug geht von Röthenbach über Hergatz, Wangen, Kißlegg, Leutkirch, Lautrach. Von hier aus zu Fuß (20 Minuten) nach dem Gnadenort, dort selbst feierliche Pilgergottesdienste mit nächtlicher Anbetung. Am Tage der Rückfahrt (25. Juli) wird die berühmte, altehrwürdige Wallfahrt Ottobeuren mit ihrer herrlichen Klosterkirche aufgesucht.
Nr. 165, 20.07.1916, S. 3f.
Lautrach, 18. Juli. (Wallfahrt.)
Am 24. (Montag) kommen zum drittenmal die Allgäuer nach Maria-Steinbach. So groß war wiederum der Andrang zu diesem beliebten Pilgerzug, daß mehrere Hundert Teilnehmer nicht mehr angenommen werden konnten. Am 24. nachmittags 3 Uhr ist erste Predigt; abends um halb 9 Uhr zweite Predigt. Am andern Tag verlassen die Pilger dieses Jahr ziemlich früh den Gnadenort, um noch die altehrwürdige Wallfahrt Ottobeuren zu besuchen, wo um 10 Uhr vormittags feierliches Hochamt mit Predigt ist. — Dieses Jahr bringen die Allgäuer ein herrliches Votivgeschenk mit: Eine große Urkunde über die erste Wallfahrt im Kriegsjahr 1914 in kunstvoller Filligranarbeit umrahmt, im Kloster der Cisterzienserinnen in Waldsassen (Oberpfalz) verfertigt. Es dürfte angezeigt sein, daß die Pilger der Umgebung von Steinbach nicht gerade den 24. als Beichttag dortselbst wählen, damit an diesem Tage das Gedränge an den Beichtstühlen in Steinbach nicht zu groß ist.
Nr. 171, Donnerstag, 27.07.1916, S. 3
Ottobeuren. Die „Allgäuer Kriegswallfahrt“. Am Montag und Dienstag fand die dritte Allgäuer Kriegswallfahrt mit dem Wallfahrtsziel Maria Steinbach und Ottobeuren statt. Unter der bewährten Leitung des als Pilgerführer rühmlichst bekannten H. H. Kaplanes [Georg] Pabst von Heimenkirch traf der ungemein stark frequentierte Pilgerzug am Montag nachmittag von Steinbach ein, um zunächst den begeisterten Worten eines der tüchtigsten Kanzelredners aus dem Kapuzinerorden zu lauschen und dann eine nächtliche Anbetung vor dem Allerheiligsten zu halten. Nach der erhebenden Feier der Generalkommunion am Dienstag in der Frühe wurde die Pilgerreise nach Ottobeuren fortgesetzt. Gegen halb 10 Uhr trafen die zwei Züge hier in Ottobeuren ein. Zur Kirche geleitet wohnten die Pilger einer von Hochw. Herrn Pfarrer Pater Augustin [Krimm] gehaltenen inhaltsvollen Predigt sowie einem feierlichen Hochamte bei, besichtigten danach eingehend Kloster und Kirche und zogen gegen 3 Uhr in gewaltiger Prozession wieder zur Bahn, erfreut und befriedigt von all dem Schönen, was Ottobeuren geboten.
Quelle Der Westallgäuer, 05.04.2019 („Der Don Camillo von Heimenkirch“): Georg Pabst, *19.03.1877 bei Kaufbeuren, 1904 wurde er zum Priester geweiht, 1906 kam er als Kaplan nach Heimenkirch
Nr. 172, 28.07.1916, S. 3 (kleine Annonce)
Katholischer Arbeiterverein Memmingen
Sonntag, den 30. Juli: Kriegswallfahrt der Angehörigen nach Maria Steinbach. Zusammenkunft früh ½ 5 Uhr beim Kemptertor. Um zahlreiche Beteiligung wird ersucht. Die Vorstandschaft.
Nr. 179, 05.08.1916, S. 3
Stephansried, 4. Aug. Letzten Donnerstag konnte in unserem so friedlichen Kirchlein ein Opferstockmarder am hellichten Tage auf frischer Tat ertappt werden, wie er gerade daran war, mit Leimruten sein sauberes Handwerk auszuüben. Die Gendarmerie Ottobeuren wurde sofort verständigt und der freche Gauner, der eine ansehnliche Summe gestohlenes Bargeld bei sich führte, bis zum Eintreffen der Gendairmerie durch den dahier aufgestellten Wachtposten, festgehalten.
— Der schon bejahrte Opferstockdieb führte eine Anzahl Leimruten in verschiedenen Längen bei sich, welche er in seinem Regenschirme versteckt hielt.
Nr. 204, 05.09.1916, S. 3
Ottobeuren
Kapiteljahrtag. Anläßlich des Kapiteljahrtages in Ottobeuren am Montag, den 18. Septbr., wird ein Sonderzug von Kempten nach Ottobeuren und zurück in folgendem Fahrplan durchgeführt:
4.00 ab Kempten an 7.16
4.16 Heising 6.58
4.27 Dietmannsried 6.48
4.37 Reicholzried 6.40
4.48 Grönenbach 6.24
5.01 Woringen 6.04
6.26 Memmingen 5.16
6.33 Eisenburg 5.09
5.38 Schwaighausen 5.04
5.48 Ungerhausen 4.54
5.55 Westerheim 4.47
6.07 Hawangen 4.36
6.16 an Ottobeuren ab 4.28
Da es sich um eine Wallfahrt handelt, so wäre es recht schön, wenn wenigstens auf der Fahrt nach Ottobeuren in den Waggons laut gebetet würde.
Nr. 248, 26.10.1916, S. 3
Maria Steinbach. 25. Okt. („Eine imposante Kriegswallfahrt der Allgäuer“.)
Vox populi vox Dei! Die Stimme des Volkes ist Gottes Stimme. Wenn dies Sprichwort je seine Gültigkeit hat, so gilt dies von den Pilgerfahrten unseres katholischen Volkes in dieser harten, schweren Zeit, „um endgültigen Sieg und dauernden Frieden für unser Vaterland zu erflehen“. War das eine Andacht, war das eine Begeisterung anläßlich der vierten Kriegswallfahrt aus dem bayerischen und württembergischen Allgäu nach Maria Steinbach; wahrlich eine Buß- und Bittwallfahrt, wie sie unsere Kirche seit Jahrhunderten immer in schweren Zeiten kennt, wahre Gnaden-, wahre Missionstage.
Gegen 1300 Pilger haben sich gemeldet; einige Hundert mußten noch, wie uns der Pilgerführer berichtet, abgewiesen werden. Drei Ordenspriester und sechs Weltpriester begleiteten den Pilgerzug. Die herrlichen Predigten der gottbegnadeten Redenr, die feierliche Lichterprozession in dunkler Abendstunde dürften den frommen Pilgern zeitlebens in Erinnerung bleiben. Worauf sich aber die Pilger am meisten freuten, das war die nächtliche Anbetung, die Seine Gnaden, der hochwürdigste Diözesanbischof Maximilian von Lingg, abermals huldvollst gewährten, wofür aber auch die Pilger in innigstem Gebete Seiner dankbarst gedachten. Man muß diese „heilige Nacht“ selbst mitgemacht haben, man muß unser braves, katholisches Volk während einer ganzen Nacht beten und singen gehört haben, dann versteht man, was man hundertmal hören konnte: Das waren die glücklichsten, schönsten Stunden meines Lebens! Eine wahre Ehrenwache des göttlichen Herzens Jesu! So schwer fiel den lieben Pilgern der Abschied von dieser herrlichen Gnadenstätte, daß sich fast aller Augen feuchteten bei der ergreifenden Abschiedsansprache des H. H. Pfarrers und Wallfahrtsdirektors Vollmar von Steinbach. — Auf Wiedersehen nächstes Jahr!
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Hier geht's zur Kriegswallfahrt von Immenstadt nach Ottobeuren im September 1917.
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Repros (vom Glasnegativ), Abschriften und Zusammenstellung: Helmut Scharpf, 04/2026


