Marktgemeinde Ottobeuren
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1821  1898: Sebastian Kneipp im Ottobeurer Wochenblatt


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Was erfuhren die Ottobeurer*innen durch ihre Lokalzeitung über Sebastian Kneipp? Eine Auswertung des Ottobeurer Wochenblatts der Jahre 1821 - 98 ergibt ein spannendes Bild: Zum einen staunte man über die hohen Gäste, zum anderen findet sich Spott, vielfach jedoch Bewunderung. Johann Fergg und Johann Nepomuk Braun bewarben Kneipps-Bücher, insb. „Meine Wasserkur“, beim Schustermeister Georg Mayer gab es Kneipp-Sandalen zu kaufen, Ludwig Wenzel (vom „Haus Ludwig“; heute Gerle) bot Pfarrer „Kneipp's Gesundheits-Kräuter-Magen-Liqueur“ an.
Nach Kneipps Tod am 17. Juni 1897 blieb davon nur noch Werbung für Kathreiners Malzkaffee und vom Kösel-Verlag Kempten, der eine weitgehende Monopolstellung für Kneipps Schriften innehatte. Das Wochenblatt berichtete nur noch ab und zu über hohe Gäste, die nach Wörishofen kamen und manchmal auch in Stephansried und Ottobeuren vorbeischauten. Bewunderung zeigte sich in einigen Artikeln, die die Kosten für die von Kneipp erbauten Häuser und seine Stiftungen zum Inhalt hatten. Nur wenige seiner vielen Vortragsreisen trafen auf ein mediales Echo.

1890 wurde die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass auch in Ottobeuren eine Kneipp'sche Wasserheilanstalt eröffnet würde. Darauf mussten die Ottobeurer allerdings bis 1954 warten.
Mit der Kneipp'schen Wasserheilanstalt von Johann Nepomuk Göggel am Kempter Tor in Memmingen – vermutlich in der „Engelsburg“ – wurde 1891 sogar in unmittelbarer Nähe eine solche Einrichtung eröffnet, das Mayenbad des Adolf Boneberger in Mindelheim war gar eine ersten Kneippkur-Anstalten überhaupt. Das Friedrichsbad in Immenstadt und das Jordanbad bei Biberach wurden von Kneipp persönlich eröffnet oder durch mehrmalige Besuche beehrt. In Memmingen hielt er drei Vorträge: am 24.06.1891, 25.11.1894 und 09.06.1895, die im Ottobeurer Wochenblatt jedoch nicht thematisiert wurden.

In Ottobeuren und Stephansried war Sebastian Kneipp regelmäßig zu Besuch, aber nur der Verwandtschaft wegen oder – zu Primizpredigten oder der Eröffnung der Lourdes-Grotte – in seiner Funktion als Pfarrer. Er hat in seiner Geburtsheimat nicht ein einziges Mal einen seiner Gesundheitsvorträge gehalten. Nach einer Idee von Kneipps späterem Biographen Dr. Alfred Baumgarten kam Sebastian Kneipp ab 1893 regelmäßig am oder um den Primiztag (24.8.) mit Kurgästen nach Stephansried. Die letzte größere Berichterstattung des Wochenblatts widmete sich der Einweihung des Kneippdenkmals in Stephansried am 03.09.1898.

Lesen Sie selbst, was man in Ottobeuren aus der Heimatzeitung alles über Kneipp erfahren konnte! (Einige frühe Besuche, z.B. anlässlich von Trauungen oder Beerdigungen) sind noch nicht erfasst.

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1821

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 23 vom 07.06.1821, S. 2
Geburts-, Sterb- und Trauung-Anzeigen. In der Pfarrey Ottobeuren.
Geboren: Den 17. Mai, Sebastian, Anton, d. V. [des Vaters]: Xaver Kneipp, Weber von Stephansried.
[Vergleich den Taufeintrag!]

1852

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 35 vom 26.08.1852, S. 1 - 3
Verzeichniß der Landwirthe und landwirthschaftlichen Dienstboten, welche bei dem am Sonntag, den 22ten August 1852 zu Ottobeuren abgehaltenen landwirthschaftlichen Distriktsfeste im Festbezirke Memmingen Preise erhalten haben.
Öffentliche Belobung mit Diplomen:
2. Theodor Benz von Schellenberg, 43 Jahre alt und 12 Jahre Dienstknecht bei Herrn Johann Natterer, Handelsmann und Oekonom in Ottobeuren.
5. Viktoria Kneip[p] von Stephansried, 32 Jahre alt und 10 Jahre Dienstmagd bei Herrn Johann Natterer in Ottobeuren.
[Die beiden haben am 22.06.1857 geheiratet; Sebastian Kneipp hat seine Schwester und Theodor Benz in der Abteikirche Ottobeuren getraut. Kennengelernt dürften sie sich durch die Anstellung beim selben Dienstherren.]

1854

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 49 vom 07.12.1854, S. 3
Geburts-, Sterb- und Trauungs-Anzeigen im Monat September.
Gestorben: Den 4., Franz Xaver Kneipp, Söldner und Weber von Stephansried, 56 Jahre alt, an der Brechruhr [= Cholera] –

1879

keine „Kneipp-Treffer“

1880

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 2 vom 08.01.1880, S. 2:
Geburts-, Trauungs- und Sterbe-Anzeige
in der Pfarrei Ottobeuren im Monat Dezember 1879).
Gestorbene: Am 20. Afra Kneipp, Spitalpfründnerin v. hier, 70 Jahre.

1881 - 84

keine „Kneipp-Treffer“

1885

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 39 vom 24.09.1885, S. 4:
In Wörishofen läßt Herr Pfarrer Kneipp vom 26. - 30. September durch zwei Ordens- und zwei Weltpriester ein Quatriduum [= ein Zeitraum von vier Tagen] halten. Täglich wird dreimal gepredigt.

1886

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 31 vom 05.08.1886, S. 3:
Ottobeuren, 2. Aug. Gestern Abends, Sonntag den 1. Aug., bewegte sich eine große Anzahl von Wagen von Ottobeuren nach Sontheim, man zählte sechzig, zumeist Zweispänner. In Mitte des Zuges fuhr der schön geschmückte Landauer des Klosters, gelenkt vom Baumeister des Klosters, in dem Hr. Bürgermeister Kimmerle, Kirchenpfleger Schropp und der Ortspfarrer saßen. Es galt den am 25. Juli in München geweihten Sohn Ottobeurens Hr. Michael Raich in ehrendster Weise abzuholen. Er ist ein Neffe des hochgelehrten langjährigen Sekretärs von Bischof v. Ketteler Hr. Dompräbendar Dr. Michael Raich in Mainz, der als Schriftsteller einen Namen hat weit über die Grenzen Deutschlands hinaus.
In Sontheim hatte sich viel Volk versammelt, als der Zug mit seinen eilf schmucken Reitern, lauter ehemalige Soldaten, angefahren kam. Der Herr Primiziant war ganz überrascht über diesen unerwarteten, großartigen Empfang schon bei seiner Ankunft in Sontheim. Es waren ihm seine Verwandten — die Mutter, eine geborene Prestele, haben sie im Dezember 1885 begraben — zum herzlichsten Willkomm zur Bahnstation entgegengeeilt, wo sie den sehnlichst Erwarteten gerührt auf dem Perron begrüßten. Ihnen hatte sich auch eine Deputation des neuen Gesellenvereins mit ihren grün-weißen Abzeichen angeschlossen. In Sontheim und Attenhausen bewunderten viele Zuschauer den schön geordneten langen Zug, ebenso bei den ersten Weilern der Pfarrei, wo die Filialisten der Gemeinde Guggenberg zwei schöne Bogen mit passenden Inschriften aufgestellt hatten. Der dritte schöne Triumphbogen stand am ersten Hause des Marktes, allwo die Blechmusik den geliebten Sohn Ottobeurens mit viel Volk erwartete.
Nun ging es durch die schön geschmückten, beflaggten Straßen zur Kirche, wo die große Orgel erklang und wo sich wie an einem Hochfeste Alt und Jung drängte. Nachdem der Musikchor das so schöne Magnifikat von P. Klarrer [Pater Theodor Klarer] gesungen, dankte der Hochgeehrte in ruhiger Weise, hell und verständlich und herzlich seinen „Landsleuten, den lieben Ottobeurern,“ zu denen sich nicht Wenige aus den umliegenden Ortschaften gesellt hatten. Den Schluß der in Ottobeuren noch nie dagewesenen Begrüßung eines Primizianten bildeten zwei Strophen von „Großer Gott.“ Es sind 23 Jahre her, daß ein Pfarrkind von Ottobeuren Primiz hielt, es war der schon 5 Jahre im Grabe ruhende Pfarrer von Türkenfeld Hr. J. G. Baur.
Außer dem schon genannten Dr. Raich leben nur noch zwei: die Herren Längst in Obergünzburg und Pfarrer Kneipp von Stephansried, jetzt in Wörishofen. Diese imposante Begrüßung, jedem unvergeßlich, der sie mitgemacht, läßt ahnen, wie die Primiz am 15. August sich gestalten wird. Unser Herr Primiziant wird am 10. August in der Kirche St. Lorenz in Kempten bei der Primiz des Herrn Bachschmid als Levite dienen. Dahier hat die Predigt für den 15. August ein am Rhein gern gehörter Prediger von Mainz übernommen, wo der Herr Primiziant einige Jahre seiner Jugendzeit hingebracht hat.

1887

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 2 vom 13.01.1887, S. 1:
Am Sonntag den 16. Januar hält der Josephs-Verein nachmittags ½ 4 Uhr eine Versammlung in der „Traube“, bei der Hr. Pfarrer Kneipp von Wörishofen reden wird. (Das Bundeslied mitnehmen.) Es ladet freundlich ein
Die Vorstandschaft.
[kein Nachbericht!]

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 36 vom 09.09.1887, S. 3:
Viele freuen sich im Kalender nicht bloß das Wetter und den Namenstag zu erfahren, sondern sich auch nützliche Lehren für das Leben geben zu lassen. Die Zahl der belehrenden Kalender ist nicht gering aber gerade der Josephs-Kalender und der Soldatenkalender (Soldatenfreund genannt) sind in dieser Beziehung sehr zu empfehlen und musterhaft. –  
Beide Kalender verdanken ihren Ruhm dem allbekannten Schriftsteller P. Hermann Koneberg, O.S.B., Pfarrer in Ottobeuren. – Je kränker seine Füße, die ihn seit Jahren quälen und seit 6 Wochen ans Schmerzenslager heften, desto frischer ist sein Geist und desto unermüdeter seine schriftstellerische Hand.
– „Der hat den Nagel auf den Kopf getroffen, singt Horatius, der das Angenehme dem Nützlichen zu vereinen versteht.“ Die Ausstattung des Josephskalenders ist brillant, denn es ist dem Autor gelungen einen jungen Akademiker zu gewinnen Hr. Busch, welcher die zwei großen Bilder des Kalenders zeichnete und entwarf. – Das erste dieser Bilder stellt den hl. Joseph mit dem Jesuskind, umgeben von den 4 Evangelisten dar: ferner den Papst als Segensspender und in lieblicher Umrahmung kommen zur Schau die Segnungen des Christenthums. – Das zweite Bild zeigt uns St. Joseph als Sterbpatron und ganz originell ist in der Uhr die Ungewißheit des Todes und in den einzelnen Bildern seine Gewalt und Neutralität dargestellt. Der junge Akademiker verdient alles Lob und beweist, daß er mit Recht die Preismedaillon an der Akademie erhielt. – „Etwas für alte Leute“ belehrt uns über die Kunst möglichst alt zu werden ohne dabei zuviel Recepte sich verschreiben zu lassen und Geld für Schweizerpillen auszugeben. – Der Aufsatz über die Vereine ist so recht aus dem Leben geschrieben und beweist wohin die Vereinssucht in unseren Tagen führt: trefflich ist die Bemerkung, daß durch Vereine nie das Wirthshausleben gefördert werden soll.
Die Wasserkur von Kneipp wird in einem kurzen Aufsatz berücksichtigt, dabei aber Niemand obligirt dieselbe an sich vollziehen zu lassen, sondern es wird ruhig und leidenschaftslos der Nutzen derselben erwähnt und das dießbezügliche Buch empfohlen. – Wem daher das Bier schmeckt, der fahre mäßig mit seiner Kur fort. –
Der Artikel über die Pferde und deren Behandlung muß den Bauern recht gut gefallen und es wäre sehr zu wünschen, daß sie darnach handelten. – Der jugendfrische Poet von Benningen Pfarrer Markmiller feiert in ernsten Versen den hl. Joseph als Sterbepatron, es ist als ob er fühle er brauche bald selbst diesen Tröster. – Doch all die schönen Erzählungen einzeln zu berühren ist mir nicht möglich, es seien nur noch erwähnt die vortreffliche poet. Behandlung der Monate von Hr. Kennerknecht. – Mögen die Familienväter diesen Josephskalender fleißig kaufen und auch nicht vergeßen ihren Söhnen den Soldatenkalender zu verschaffen, dessen Ausstattung nicht mindert brillant ist. –

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 37 vom 15.09.1887, S. 4:
Literarisches.
Im Verlage der B. Schmid'schen Verlagsbuchhandlung in Augsburg erschien soeben:
Der Hausfreund. Augsburger Schreibkalender. XIV. Jahrgang 1888. 8 Druckbogen mit reichem belehrenden und erheiternden Inhalt, vielen Illustrationen, einem Wandkalender auf Carton als Gratisbeilage und einem Preis-Rebus, wobei 50 Preise im Werthe von 400 Mark zur Verloosung kommen. Aus dem reichhaltigen Inhalte heben wir u. A. hervor:
Witterungbericht nach dem hundertjährigen Kalender. – Umfangreiches, nach offiziellen Angaben hergestelltes, sorgfältigst ergänztes und vermehrtes Verzeichnis der sämmtlichen Messen, Jahr-, Krämer- und Viehmärkte etc. von ganz Süddeutschland und fast allen norddeutschen Provinzen. – Gemeinnütziges: Etwas für alte Leute. – Moderne Vereinsmeierei. – Landwirthschaftliches. – Wozu die Taubheit verhelfen kann. – Die bayerischen Königsschlösser. – Die Brillantenbrosche. – Meine
Wasserkur von Beichtvater Kneipp. – Humoristisches und Unhaltendes. – Bauernregeln und Hausrecepte u. s. w.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 44 vom 03.11.1887, S. 2:
Unterzeichneter empfiehlt große und kleine Sulzbacher, sowie verschiedene andere Kalender.
Auch ist bei mir zum Verkauf: Kneipp's Wasser-Kur zur Heilung der Krankheiten.
Johann Nepomuk Braun.

1888

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 5 vom 03.02.1888, S. 3:
Gestorbene: Am 16. Joseph, Kind d. Alf. Raith v. h., 5 M. [Monate] — Am 20. Joh. Nep. Beckler, Privatier v. h., 67 J. — Am 24. Victoria Benz, Pfründnerin v. h., 68 J. — Am 31. Hedwig Göhl, Englisches Fräulein in Klosterwald, 46. J.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 6 vom 09.02.1888, S. 1:
Danksagung. Für die ehrende Theilnahme während der Krankheit, sowie für die zahlreiche Leichenbegleitung und Anwohnung des Trauergottesdienstes unserer lieben Schwester und Base Viktoria Benz, geb. Kneipp, Privatiers-Witwe in Ottobeuren, erstatten wir allen Verwandten und Bekannten, sowie hochw. Hrn. P. Godefried für die vielen Krankenbesuche den innigsten Dank und bitten der Dahingeschiedenen im Gebete zu gedenken.
Wörishofen und Guggenberg den 6. Febr. 1888.
Die trauernd Hinterbliebenen
[pdf 21]

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 23 vom 07.07.1888, S. 3:
In Wörishofen wurde unter Leitung des Hrn. Pfarrers Sebastian Kneipp eine neue Badanstalt von der neu eingerichteten, dem dortigen Kloster gehörigen Wasserleitung erbaut und am zweiten Pfingstfeiertage eingeweiht, bezw. eröffnet. Selbe wird zur Zeit von vielen Kurgästen verschiedener Nationalität weltlichen und geistlichen Standes benützt und ist der Fremdenverkehr dort sehr frequentirt. In der Klosterkirche sind täglich 15 - 18 hl. Messen.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 29 vom 19.07.1888, S. 3:
Wörishofen, 14. Juli. Fremdenverkehr. Außer 39 geistlichen Herren, sowie sehr vielen weltlichen Herren und Damen, meistens höheren Persönlichkeiten verschiedener Stände und Nationalitäten, ist auch gestern der Hochwürdigste Hr. Bischof aus Münster-Westphalen zur Wasserkur des Herrn Pfarrers Sebastian Kneipp hier eingetroffen und ist überhaupt der Fremden-Verkehr zur Benützung der Wasserkur sehr frequentirt, so daß alle Privatwohnungen besetzt sind.

1889

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 11 vom 14.03.1889, S. 3:
Heilanstalt. Aus Memmingen wird berichtet: Den Freunden der Wasserkur diene zur Nachricht, daß der in weiten Kreisen bekannte Pfarrer Kneipp von Wörishofen hierorts, am Kempter Thor, eine nach seinen Grundsätzen zu leitende Heilanstalt errichten will. Eine derartige Anstalt besteht bereits in München und wird von einem Arzte geleitet, eine zweite – das Jordanbad bei Biberach – soll in diesem Frühjahre zur Eröffnung gelangen. Bei dem großen Anhange, den das Kneipp'sche Heilverfahrern besitzt, dürfte für Memmingen ein nicht zu unterschätzender Fremdenzuzug in Aussicht stehen.
[Es war aber dann vermutlich erst zwei Jahre später so weit; vergleiche: Ottobeurer Wochenblatt Nr. 19 (auch in Nr. 20 und 21) vom 08.05.1891, S. 3: Die Kneipp'sche Wasserheilanstalt Memmingen ist vom 4. Mai des Jahres an eröffnet. Bei Alfred Baumgarten („Kneipp-Führer. Die Anstalten in Wort und Bild“, Münster, 1894, 188 S., wird Memmingen nicht erwähnt. Vielleicht war es das Gebäude in der Kempter Straße 42 [„Engelsburg“], in dem sich von 1951 bis Ende 2002 eine Jugendherberge mit 60 - 80 Betten befand? 2021: Jugendzentrum und Familien-Beratungsstelle der Stadt Memmingen.]

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 20 vom 16.05.1889, S. 2:
Danksagung. Für die überaus innige und große Theilnahme bei dem schnellen Hinscheiden, sowie bei dem Leichenbegängnisse und Anwohnung des Trauergottesdienstes unserer geliebte, unvergeßlichen Tochter und Schwester, Jungfrau Barbara Kneipp, Söldnerstochter von Schlegelsberg, erstatten wir allen Betheiligten, namentlich den Herren Lehrern Dolpp von Erkheim, Küber von Daxberg und Frl. Lehrerin Hosemann von Schlegelsberg und der sämmtlichen Schuljugend der genannten Orte, besonders hochw. Hrn. Pfarrer Seb. Wirth von Erkheim für die trostvollen Worte am Grabe, sowie den verehrl. Chormusikern für den erhebenden Grabgesang den tiefgefühltesten Dank und empfehlen die zu früh Dahingeschiedene dem frommen Andenken.
Schlegelsberg, den 14. Mai 1889. Die tieftrauernden Eltern: Anton und Theresia Kneipp und die Geschwister.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 22 vom 31.05.1889, S. 2:
Wörishofen. Pfarrer Kneipp läßt durch seinen von ihm selbst in seine Kurmethode eingeführten Badearzt in Beyharting, Station Aibling, eine Heilanstalt errichten. Dieselbe soll in großem Stile angelegt werden und soll für Bayern die einzige Anstalt sein, in welcher streng nach Kneipp'scher Methode kuriert wird. Eröffnet wird sie schon am 1. Juni.
[Beyharting ist heute ein Ortsteil von Tuntenhausen im Landkreis Rosenheim. Bei Baumgarten („Kneipp-Führer. Die Anstalten in Wort und Bild“, Münster, 1894, 188 S., wird Beyharting nicht erwähnt.]

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 28 vom 11.07.1889, S. 2f.:
[Hier ging es eigentlich um das Patrozinium des hl. Alexander in Ottobeuren; darin aber ein Seitenhieb auf Kneipp.]
Das Alexanderfest in Ottobeuren. Kaum drei Wochen sind verflossen, daß S. Gnaden, der wochwürdigste Abt Dr. Eugen Gebele von St. Stephan in Augsburg in Ottobeuren seinen feierlichen Einzug gehalten und schon heute feierte der allbeliebte Abt einen neuen Triumph. Alles freute sich, daß Abt Eugen das Patrocinium durch seine Gegenwart verherrlichen werde und die Erwartung wurde nicht getäuscht. (… ) Um 7 ½ Uhr begann die Frühpredigt, welche der hochw. Hr. Pfarr-Vikar von Lachen hielt, Hr. [Martin] Sontheimer, welcher in gewühlter Sprache seine sinn- und geistreichen Gedanken zum Ausdrucke brachte und Alles Lob erntete, sodaß seine Schäflein fürchteten, bald eines so trefflichen Hirten beraubt zu werden.
Daran schloß sich das Frühamt, gehalten vom hochw. Domprediger von Trier, welcher mit 7 (sieben) anderen Kurgästen von Wörishofen zur Festfeier hieher geeilt war und mit seinem melodischen Gesange Alles erbaute. Bei diesem Anlaß kann ich die Bemerkung nicht unterlassen, daß die 8 hohen Gäste aus dem schwäbischen Schemteich zu Wörishofen sich recht freuten, einige Stunden dem wässerigen Martyrium der „Kneipp'schen Klinik“ entronnen zu sein und hier sichtlich sich erholten und wohler fühlten. 8 ½ Uhr begann die Festpredigt des hochw. Hrn. Pfarrers von Rettenbach, welcher mit weithin schallender Stimme und heiliger Begeisterung das Lob des hl. Alexander verkündete und mit begeisternden Worten zur Nachahmung aufforderte.
Kaum war die Predigt beendet, so begann die Prozession, welche Abt Eugenius mit den Insignien der Abtweihe hielt und dadurch seine Amtswürde zu voller Geltung brachte, denn (…) Abt Eugenius ist ein geborner Prälat. Ganz unparteiische Leute müssen wirklich gestehen, daß selten ein Abt so Würde und ungekünstelte Frömmigkeit in sich vereine wir der allbeliebte Abt Dr. Gebele.
Daran schloß sich das Pontificalamt, dessen Ceremonien der hochw. Hr. Pater Sigisbert meisterhaft leitete. Daß die Musik unter Leitung der Hrn. Chorregenten Vicari Ausgezeichnetes leistete, wird kein Kenner bestreiten. Die Torgen-Träger gefielen allgemein, was den Herren Raith und Maler Breher [ev. gemeint: Dreyer?] theilweise zu gute kommt, weil der erstere die Torgen verfertigt, letztere sie gemalt.
Nach Beendigung des Amtes wurde mit dem Alexander-Mantel das Volk gesegnet durch Auflegung desselben. Noch muß bemerkt werden, daß 28 heilige Messen gelesen wurden.
Mittags 12 Uhr begann die Tafel, an der 45 Gäste theilnahmen, daunter die Mehrzahl geistliche Herren und sämmtliche Bürgermeister – der von Haitzen abgerechnet – und Hr. Kirchenpfleger Schropp, sowie sämmtl. 5 H.H. Lehrer. Bei der Tafel toastirte zuerst der hochwürdigste Abt, auf sämmtl. Gäste in warmen und tiefempfundenen Worten, die Abt Eugen als wahren Vater und aufrichtigen Freund kennzeichneten, dann bracht Hr. Pfarr-Vikar Pater Hermann Koneberg, O.S.B. Ein Hoch aus auf den hochwürdigsten Abt, dessen Verdienste er in beredter und herzgewinnender Weise hervorhob.
Um 3 Uhr war Pontifical-Vesper, welche ebenfalls mit großer Präcision ausgeführt wurde und von sämmtl. Hochwürdigen Gästen besucht wurde, was bei Patrocinien Nachahmung verdient.
Dem hochwürdigsten Abte „Eugen“, welcher am Samstag sein Namensfest feiert, rufen wir aus vollem Herzen „Ad multos annos“ zu!

Wörishofen, 9. Juli. Hoher Besuch. Gestern wurde unser schön gelegener Kurort durch einen hohen Besuch freudig überrascht. Der Großherzog von Toskana kam mit seinem Sohne, Erzherzog Heinrich, um 11 Uhr Vormittags von Lindau hier an, zeichnete dann den wackeren Herrn Pfarrer Kneipp mit einem Besuche im Pfarrhofe aus, ließ sich durch diesen in die sehr gut restaurirte Pfarr- und in die Klosterkirche geleiten, verrichtete mit seinem Sohne in beiden Gotteshäusern kniend eine kurze Andacht und besichtigte die Bade-Anstalten. Der hohe Gast verabschiedete sich vom Herrn Pfarrer Kneipp mit Ausdrücken der aufrichtigsten Anerkennung für seine von reinster Nächstenliebe getragene, erfolgreiche Thätigkeit, indem er auch die Zweckmäßigkeit und Billigkeit seines vielbewährten Wasserheilverfahrens gebührend belobte.

[Allgemeinder Artikel über die Kinderfeste in Stephansried, Hofs und Ottobeuren]
Ottobeurer Wochenblatt Nr. 31 vom 01.08.1889, S. 3:
Unsere Kinderfeste. Nun sind die Kinderfest vorüber, und sie sind – Gott sei Dank – zur Freude von Jung und Alt gut vorüber gegangen.
Stephansried feierte im neuen, schönen Wirthshause, dort am 28. Juli. Hr. Schulinspektor J. N. Mayer kam mit Herrn Pfarrer Pater Koneberg von Klosterwald, wo am Vormittag die Prüfung gehalten worden war, zur großen Freude Aller auch zum Feste, ebenso Hr. Pfarrer Stadler von Attenhausen und mit dem Hrn. Katecheten Pater Godefried [Godefrid], Hr. Pater Wilhelm Obermayr und Stadtkaplan Hr. M. Raich von Pfaffenhofen; auch drei Herr Lehrer der Nachbarschaft waren gekommen. So lange es regnete, wurden Reden gehalten und gesungen, später im Freien gespielt.
Das Kinderfest in Hofs war vom Wetter sehr begünstigt. Bei 120 Kinder zogen im festlichen Zuge von Schulhause zum Straßwirth nach Eheim, die Knaben mit Fähnchen, die Mädchen in Schärpen. Der k. Lokal-Schulinspektor kam von Ottobeuren, der Katechet Hr. Pater Wilhelm Obermayr vom Jakobifest in Rettenbach, Bald entfaltete sich ein buntes, reges Leben. (…)
Das Kinderfest für die Schulgemeinde Ottobeuren war auf den 31. Juli anberaumt worden. Kinder und Erwachsene hatten Befürchtungen wegen des Wetters. Wir hängen in allem doch recht von Gott ab. Endlich kam der längst ersehnte Sonnenschein. Am Mittwoch früh war ein Amt von Hrn. Pfarrer Pater Koneberg gesungen zur Danksagung aller Gnaden für die Schulgemeinde Ottobeuren seit dem letzten Kinderfest. Mittags nach 1 Uhr zog die freudig erregte Kinderschaar mit Musik (die Knaben mit Fähnchen, die Mädchen mit Schärpen) durch den Markt zum Annakeller. Dort entfaltete sich bald buntes Leben und Treiben. Es wurden Spiele verschiedener Art aufgeführt und es fehlten die Toaste nicht.
Herr Pater Wilhelm Gmeinder toastirte auf den Papst und Prinzregenten, Herr Bürgermeister Kimmerle auf die Lehrkräfte, Herr Pfarrer Pater Koneberg brachte ein Hoch aus auf die Vorständer der Schulgemeinde Ottobeuren, auf Katecheten und Lehrer und Lehrerinnen und auf zwei Gäste, Herrn Pfarrer Mayer von Bedernau und Herrn Pfarrer [Martin] Sontheimer von Lachen. (…)
Das Fest war äußerst zahlreich besucht von allen Schichten der Bevölkerung, und auch die Herrn Beamten beehrten dasselbe. Es war ein herzliches, einträchtiges, würdiges Kinderfest und wird Kindern und Erwachsenen in frischer Erinnerung bleiben. Gott sei Dank dafür.        K. [Koneberg?]

[Beleg für die damaligen Arbeitsverhältnisse]
Ottobeurer Wochenblatt Nr. 33 vom 16.08.1889, S. 4:
In Württemberg haben sich einige der bedeutendsten Industriellen entschlossen, in allernächster Zeit die elfstündige Arbeitszeit einzuführen. Der „Staatsanzeiger für Württemberg“ bemerkt zu diesem Entschlusse: „Das durch die beiderseitigen Interesse gebotene gute Einvernehmen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, dessen wir im großen Ganzen in Württemberg uns bis jetzt stets erfreuten und auf das wir stolz sein durften, wird durch ein solches Entgegenkommen sicherlich eine gewichtige weitere Stütze erhalten.

[Zum Gesundheitszustand von Papst Leo XIII. – im Hinblick auf seine Behandlung durch Kneipp Februar / März 1894]
Ottobeurer Wochenblatt Nr. 35 vom 29.08.1889, S. 3f.:
Aus Rom, 19. ds. Monats, wird der [vom] „Pol. Corr.“ geschrieben:
Die sommerliche Ruhe, welche seit geraumer Zeit im ganzen Bereiche des Vatikans herrsscht, ist gestern anläßlich des Namensfestes des Heiligen Vaters durch das lebhaft bewegte Schauspiel der dem Papste dargebrachten Huldigungen in anregender Weise unterbrochen worden. (…) Unter den zur Beglückwünschung des Papstes erschienenen Persönlichkeiten herrschte allgemein eine freudige Erregung, hervorgerufen durch die Wahrnehmung, daß der Gesundheitszustand des Papstes, im Gegensatze zu den seit Kurzem im Umlauf befindlichen Gerüchten, ein befriedigender ist. Während manche Blätter zu erzählen wissen, daß der Heilige Vater ernstlich erkrankt und körperlich so herabgekommen sei, daß er nicht im Stande sei, zu gehen oder sich nur aufrecht zu erhalten, zeigte es sich, daß der Papst fähig war, eine lange Reihe von Personen zu empfangen und in einem mehr als einstündigem Gespräche in ihrer Gesellschaft zu verweilen.  Es kann versichert werden, daß der Papst sich wohl befindet.
In der vergangenen Woche fühlte er sich allerdings in Folge der drückenden Hitze etwas geschwächt; dies kann aber nicht Wunder nehmen, wenn man bedenkt, daß der Papst im Alter von 79 Jahren steht, stets dieselben Gemächer bewohnt und immer auf den gleichen Spaziergang in den Gärten des Vatikans angewiesen ist, wo man gegenwärtig wohl schattige Plätze, aber keine frische heilsame Luft finden kann.
Der Versuch, des Papstes, während der heißen Stunden des Tages im Casina Pius IX. Aufenthalt zu nehmen, mußte gerade wegen hygienischer Rücksichten nach einigen Tagen wieder aufgegeben werden. Nicht nur, daß er in den Räumlichkeiten des Casinos von der Hitze noch mehr zu leiden hatte als in seinen gewöhnlichen Wohnräumlichkeiten, drohte in Anbetracht der tiefen Lage des Casinos auch die Gefahr, daß der Heilige Vater von der Malaria ergriffen werden könnte.
Gegenwärtig befindt sich Papst Leo XIII. wieder ziemlich wohl, er erfüllt mit Regelmäßigkeit die Pflichten seinen erhabenen Amtes, nur die täglichen Empfänge der Cardinalpräfekten und der Sekretäre der Congregationen sind jetzt von etwas kürzerer Dauer als sonst.

[Vergleiche Kneipps Vortrag in Wörishofen über die gesundheitlichen Vorteile des Radfahrens am 14.05.1891.]
Ottobeurer Wochenblatt Nr. 46 vom 14.11.1889, S. 4:
Ist das Radfahren gesund? Der geheime Sanitätsrath Professor von Nußbaum in München veröffentlichte über dieses Thema in der [Zeitschrift] „Gartenlaube“ eine höchst interessante Betrachtung, welche wir namentlich Eltern, die ja vielfach befürchten, die Bewegung beim Radfahren sei heranwachsenden Söhnen schädlich, zur Lektüre empfehlen möchten. Professor Nußbaum tritt für den Radsport warm ein und nicht nur der Jugend emphielt er ihn, wenn er mit Maß betrieben wird, sondern allen Leuten, Herren und Damen, welche an Verdauungs-Beschwerden, Hämorrhoiden, Kreuzschmerz oder schlechtem Athem leiden, eine schmale Brust oder nur wenig verschiedene Ein- und Ausathmungsmaße haben, auch solchen, die in Folge von Fettbildung einen beengten Blutlauf und eine beeinträchtigte Herzbewegung zeigen; endlich bezeichnete er das Radfahren für das große Heer der nervösen Qualen als äußerst lobenswerthes Heilmittel.

In Europa grassierte eine heftige Grippewelle. Das Ottobeurer Wochenblatt berichtete in Nr. 50 (12.12.1889, S. 4) über die Lage in St. Petersburg („Eine erschreckend zunehmende Epidemie („Influenza“) ergriff die Armee; die Militärhospitäler sind überfüllt, die Fabriken und Werkstätten schließen. Ganze Stadtviertel sind verlassen. Insgesammt liegen 160.000 Menschen krank.“), in Nr. 51 (19.12.1889, S. 4) heißt es in einem Überblick:
Die Influenza ist jetzt auch in München aufgetreten. Offizieller Bericht über den Stand der Influenza, Mittwoch, 18. Dez.: im Garnisonslazarett 107 Kranke, in dem städtischen Krankenhause rechts der Isar –, links der Isar 7.
Influenza. Nach Professor Leydens Angaben ist mehr als der dritte Theil der Bevölkerung Berlins erkrankt. Ganz Europa ist momentan „verschnupft“. Professor [Ernst von] Leyden weist besonders darauf hin, daß die Erkrankung sehr oft mit einer tiefgehenden Gemüthsdepression verbunden sei; die Patienten haben so recht das Gefühl einer intensiven Allgemeinerkrankung, wie es bei gewöhnlichen Erkältungen kaum oder doch selten in dem Grade Platz greife. Daher beanspruche auch der moralische Theil der Therapie eine besondere Sorgfalt seitens des Arztes. –
In Gnesen und Halle tritt die Krankheit besonders unter dem Militär auf und mußte sogar der Wachtdienst eingeschränkt werden. – In Wien mußten die medizinischen Vorlesungen größtentheils eingestellt werden. Besonders stark tritt die Krankheit in der Alser-Kaserne auf. – In Paris greift die Krankheit immer mehr um sich. Die Frau Präsidentin Carnot und die Frauen sämmtlicher Minister sind influenzakrank. – In Venedig, Verona und Antwerpen nimmt die Krankheit riesige Dimensionen an. In Madrid sind die jungen zwei Schwestern des Königs und vier Minister erkrankt. In Belgrad erkrankten plötzlich 26 Skupschtina-Abgeordnete und 40 Besucher der Reserve-Offiziersschule. – Aus Petersburg wird gemeldet: Die Influenza ist im Abnehmen, dagegen treten Bauchtyphus und Diphteritis auf. – Von bayerischen Orten wird berichtet: In Dachau sind einige ganz leichte Fälle vorgekommen. Wir die „Augsburger Neuesten Nachrichten“ melden, sind auch in Augsburg mehrere Fälle konstatirt, so sind in der sechsköpfigen Familie eines Rechtsanwalts 5 Personen gleichzeitig erkrankt. In Bamberg liegen bis jetzt etwa 30 Soldaten des Ulanenregiments im Lazareth. In Regensburg sind 10 Personen, hierunter mehrere höhere Bahnbeamte, an der Influenza erkrankt.
Und in Nr. 52 vom 27.12.1889 wird auf Seite 4 noch ergänzt:
Nürnberg, 21. Dez. Die Influenza gassiert stark unter den Pferden hier und in der Umgegend, in vielen Fällen bösartig.
Aus Wien wird gemeldet: Die Influenza nimmt stetig zu; auch unter den Postbeamten ist die Zahl der Erkrankten so groß, daß der Dienst sehr erschwert ist. Ebenso wird bei der Pferdebahn und den Eisenbahnen mit Mühe der Verkehr aufrecht erhalten. Aus Paris: Die Influenza grassiert schrecklich, das ganze Geschäfts- und Gesellschaftsleben der Festwoche ist zerrüttet. Von 492 Schülern des Polytechnikums sind 400 krank. Angeblich sind hier 600.000 Influenzakranke.

Sebastian Kneipp nimmt – zitiert aus dem „Bayerischen Kurier“ – im Ottobeurer Wochenblatt Nr. 52 vom 27.12.1889 auf Seite S. 3 zur Influenza-Epidemie Stellung:
Über die Influenza schreibt Herr Pfarrer S. Kneipp von Wörishofen im „Bayer. Kurier“ Folgendes: „In neuerer Zeit kann man fast in allen Blättern von einer neuen Krankheit lesen, wie sie bezeichnet wird: Man gibt ihr den Namen „Influenza“. So viel von dieser Krankheit und ihrer Verbreitung geschrieben wird, konnte man doch nie von einem Mittel lesen, das diese Krankheit sicher und schnell entfernt. Man hält dafür, daß die Krankheit aus der Luft komme und dann ist es mit dieser wie mit vielen, die ihre Ursache in der Luft haben.
Ich halte diese Krankheit so ziemlich, wie die unter dem Volke allgemein bekannte „Grippe“.  Sie entsteht am allerleichtesten und schnellsten durch einen raschen Wechsel der Temperatur: Kälte und Wärme; und weil wir im Zeitalter der Verweichlichung sind, so vermag der rasche Wechsel der Natur auch leicht in eine Anzahl von Naturen einzudringen. Die Kälte der Atmosphäre kommt in einen Zweikampf mit der Naturwärme, der besonders bei künstlicher Kopf- und Halsbekleidung um so leichter zu Ungunsten der letzteren ausfällt und eine Entzündung im Halse bewirkt, die sich über Brust, Kopf und zuletzt den ganzen Körper ausdehnt.
Die Zeichen dieser Krankheit will ich – um es klar hinzustellen – durch ein Beispiel anführen: Es kommt zu mir ein Knecht und erzählt: Gestern Abends war ich so gesund und kräftig und fühlte keine Spur von Unwohlsein. Heute bin ich wie halbgelähmt, so daß ich nicht mehr zu gehen vermag; mir zittern die Füße. Ich habe ein solches Kopfweh, daß ich ganz schwindlig bin. Im Halse habe ich ein Stechen und Brennen, daß ich nicht zu schlucken vermag.
Diesem so schnell mit Influenza Überfallenen gab ich den Rath: Gehen Sie ungesäumt [unverzüglich, sofort] ins Bett, waschen Sie mit ganz kaltem Wasser den hals, die Brust und den ganzen obern Körper und binden Sie dann ein leinenes, trockenes Handtuch um den Hals und decken Sie sich ordentlich zu, aber nicht zu lästig. So zehnmal in 10 Stunden. Dann soll der ganze Körper mit kaltem Wasser so rasch wie möglich gewaschen werden.
Auf diese Waschung kam ein solcher Schweiß über den ganzen Körper, daß der Kranke wie gebadet im Bette lag, und mit diesem Schweiße sind auch die letzten Reste der Krankheit verschwunden, die Bauernkräfte sind wieder da. Vielleicht könnte mancher sagen: Wie haben diese einfachen Anwendungen bei dieser Krankheit gewirkt? So höre, Leser: Die Kälte hat die Herrschaft bekommen im Halse und bewirkte eine Entzündung; kaum war diese entstanden, so strömte diesem Feuer das Blut zu, es kam zuviel Blut in den Kopf und Hals, die Extremitäten wurden kalt und blutarm. Durch die Waschungen wurden die Poren der Haut geöffnet, auf derselben bildete sich eine neue Wärme, besonders durch den trockenen Wickel des Handtuches. So trat eine Ausströmung aus dem Halse und Kopfe und so wurde innerhalb der bezeichneten Stunden transfugal alles ausgeleitet. Das trockene Handtuch zog an, das Wasser löste auf und so wurde alles ausgeleitet, was sich eingenistet hatte. Nach innen bekam der Knecht alle Stunden einen Löffel voll Wasser, der auch im Innern auflöste und ausleitete. Was das Wasser und Wickeln mit dem Tuch am Oberkörper, das bewirkt die Ganzwaschung am ganzen Körper: Alle Poren werden geöffnet, die Wärme wurde durch die Waschungen vermehrt. Das warme Bett leitete so alle in der Natur krankhaft gewordenen Säfte aus und so war es möglich, in 18 Stunden dieses unwillkommenen Gastes sich zu entledigen.“

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1890

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 17 vom 24.04.1890, S. 3:
München, 21. April. Herr Pfarrer Kneipp von Wörishofen hat sich auf Andrängen seiner zahlreichen Anhänger entschlossen, morgen hier noch einen Vortrag über das Thema: „So sollt ihr leben!“ zu halten. Als Versammlungsort ist der große Saal des Münchener Kindel-Kellers bestimmt worden, da selbst die großen Räume der Centralsäle sich das vorigemal als unzureichend erwiesen und Hunderte wegen Platzmangel wieder umkehren mußten.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 18 vom 01.05.1890, S. 3:
Hochw. Herr Pfarrer Kneipp von Wörishofen hielt am 29. April Abends im Münchner Kindl-Keller einen zweiten Vortrag über sein Naturheilverfahren, für das sich ein ganz ungewöhnliches Interesse des Publikums kundgab. Seine zahlreichen Anhänger in- und außerhalb Münchens beabsichtigen, zum bevorstehenden 69. Geburtstage des Herrn Pfarrers ihm eine kunstvoll ausgestattete Adresse zu überreichen und zu deren feierlichen Übergabe am Donnerstag den 15. Mai (Christi Himmelfahrt) Früh 6 Uhr 20 Minuten einen Extrazug nach Wörishofen zu veranstalten. Auch die Betheiligung an dieser Kundgebung verspricht eine sehr lebhafte zu werden und finden die Theilnehmer-Karten starken Absatz. Damit aber das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden werde, hat der Verschönerungsverein von Türkheim die sämmtlichen Festtheilnehmer zu einem großen Kellerfeste eingeladen, das am Nachmittag des 15. Mai auf dem herrlich gelegenen Kronenkeller stattfindet. Rückfahrt am nämlichen Abend mittelst Separatzuges.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 21 vom 22.05.1890, S. 4:  
Wörishofen, 18. Mai. Der Extrazug, den die Münchener Verehrer des Herrn Pfarrer Kneipp zu seinem 69. Geburtsfeste geplant hatten, wurde von ihm in seiner Einfachheit entschieden abgelehnt, deßhalb fand sich nur eine Deputation hier ein, die ihm eine künstlerisch ausgestattete Adresse überreichten. Von Seite der nach seiner Methode heilenden Ärzten war ihm eine prachtvolle silberne Tabaksdose überreicht worden. Die Kurgäste ihrerseits veranstalteten dem Herrn Pfarrer Abends einen feierlichen Fackelzug, der sich bei der großen Anzahl der Theilnehmer imposant ausnahm. Möge Herr Pfarrer Kneipp noch lange „kneipen“ lassen können.


27.05.1890, Ottobeuren (Festpredigt bei der Lourdes-Feier)
Ottobeurer Wochenblatt Nr. 21 vom 22.05.1890, S. 3:
Lourdes-Feier. Auch in diesem Jahr werden die beiden Lourdesfeste feierlich begangen: das erste am Pfingstdienstag 27. Mai, das zweite am Feste Kreuz-Erhöhung den 14. Sept. – Am Pfingstdienstag wird der berühmte Wasser-Doktor der hochw. Herr Pfarrer Sebastian Kneipp von Wörishofen, wie ich aus zuverläßiger Quelle vernahm, die Festpredigt halten.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 22 vom 29.05.1890, S. 3:
Lourdes Feier bei der Lourdes Grotte in Marienheim bei Ottobeuren.
Schon am Vorabend kamen viele Pilger, welche in den Gasthäusern sehr gute Aufnahme und Bedienung fanden. Am Festtag selbst waren die eifrigen Waller schon 4 ¼ Uhr früh bei den Beichtstühlen, eine wahre Freude für die Patres des Priorates. Allmählig rückten auch die neuen Pilger an, und zwar mit Rücksicht auf die äußerst ungünstige Witterung sehr viele, denn ein anwesender Weltpriester sagte: „Wenn bei diesem sehr schlechten Wetter so viel Pilger zusammen kamen, dann würden bei günstiger Witterung wenigstens noch so viel gekommen sein.“
–  Das Frühamt celebrirte Dr. honoris medicinse Hochw. Hr. Pfarrer Sebastian Kneipp von Wörishofen. Um 8 ½ Uhr hielt der „weltberühmte und allbeliebte“ Wassermann die Festpredigt über die „Barmherzigkeit Mariens“, die allgemein ansprach, erbaute und rührte, er bewährte da seinen Ruf als Missionär; dann folgte das Hochamt, welches ein Domherr aus Brünn in Mähren hielt: die Prozession nach der Grotte und die Predigt daselbst mußte wegen des heftigen Regens unterbleiben, was Hrn. Kneipp sehr unlieb war und auch die Pilger bedauerten es sehr. Übrigens fanden sich bis Nachmittag 3 Uhr ganze Schaaren von Pilger ein. Unter den geistlichen Gästen war auch ein Domherr von Wien, ein Priester aus St. Gallen und ein Hauskaplan einer adeligen Familie aus Mähren.
–  Der Regen war allerdings sehr unangenehm, allein es scheint, daß der Himmel dem berühmten Hydropathen von Wörishofen eine Ovation bereiten wollte und darum St. Peter einen allgemeinen „Oberguß“ für alle Pilger ordinirte. Übrigens feierte Herr Kneipp auch hier Triumphe, denn Viele wollten ihn sprechen aber er zog sich zurück, weil er schon um 1 Uhr Nachmittag zu seinen Patienten zurückkehren mußte, doch einer Patientin scheint durch ihn bedeutende Erleichterung geworden zu sein.
In Mehrerau hat derselbe jüngst eine Primizpredigt gehalten und wurde bei diesem Anlaß von zahlreichen Leidenden aus Bregenz und Umgebung consultirt. Von da begab er sich nach Andelsbuch im Bregenzerwald, wo er eine „Kneipp-Anstalt“ auf Bitten des Arztes und Bürgermeisters [Jodok Fink (1853 - 1929), Landwirt und Bürgermeister von Andelsbuch von 1888 - 1897] eröffnete und einen zweistündigen Vortrag hielt. Möchte auch Ottobeuren bald ein Wasser-Kurort werden, es wäre auch ein materieller Vortheil für den Markt und in den Nebengebäuden, die an die Hofmühle grenzen, fände sich sicher Raum.
–  Die Lourdes-Feier betreffend muß ich noch erwähnen, daß dem Gründer der Grotte P. Hermann Koneberg O.S.B. sicher das Herz im Leibe gelacht, wenn er gesehen, daß sein Werk unter dem neuen Pfarrherrn nicht nur nicht im Niedergang begriffen, sondern immer noch mehr gedeiht.
–  Die Gewitterschäden mahnen die Gemeinden, ihren Vorfahren zu folgen und wieder Wallfahrtszüge nach Maria Eldern und Lourdes in Ottobeuren zu machen.

[Bei Alfred Baumgarten („Kneipp-Führer. Die Anstalten in Wort und Bild“, Münster, 1894, 188 S.) wird Andelsbuch nicht erwähnt.]

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 24 vom 12.06.1890, S. 1: Bei Unterzeichnetem ist fortwährend das Buch: „Meine Wasserkur“ von Hrn. Pfarrer Kneipp zu haben. Johann Fergg, Buchbinder. (Auch Nr. 25 und 29: Das Buch: „Meine Wasserkur" von Pfarrer Kneipp ist in neuer Auflage erschienen und empfehle dasselbe aufs beste.)

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 26 vom 26.06.1890, S. 1:
Unterzeichneter empfiehlt das Gebetbuch: „Unsere liebe Frau von Lourdes“ von Dr. Hofele, in feinem und grobem Druck, sowie eine große Auswahl von schönen Gebetbüchern, besonders zur Firmung geeignet, zu sehr billigen Preisen, ebenso Kneipp's Wasserkur. Johann Nepomuk Braun, Buchbinder. (Auch Nr. 28)

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 33 vom 14.08.1890, S. 3:
Bekanntlich hält Herr Pfarrer Kneipp in Wörishofen jeden Nachmittag an seinem Pfarrhause Vorträge an die versammelten dortigen Kurgäste. In einem solchen Vortrage betonte der hochw. Herr, daß Nudeln in Sauerkraut gekocht, ein vorzügliches, gesundheitsförderndes Mittel sei und siehe da am andern Tag aßen bereits alle Kurgäste Nudeln mit Sauerkraut, so daß der ganze Krautvorrath so ziemlich aufgezehrt wurde.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 36 vom 04.09.1890, S. 3:
Reise-Erinnerungen aus Vorarlberg.
(…) Auf dem Wege nach Andelsbuch begegnete ich einem Ehepaar, das ein 12jähr. gelähmtes Mädchen auf einem Karren zog. Die Karrer machten Rast und ich fand Zeit zu fragen wohin? woher? Die guten Leutchen sagten mir, daß sie aus dem „Kneippianeum“ in Andelsbuch kommen und Genesung für ihr Kind hofften, dann sprach der Mann in gehobener Stimmung: Vater Kneipp hat hier eine Anstalt im Mai eröffnet, welche unter Leitung des H. Dr. König steht und so gedeiht, daß bereits 100 Kurgäste hier sind und im Wasser sowie im Gras ihr Heil suchen. Wenn die gegenwärtige Witterung andauert, können die Herren und Damen bald auch barfuß im Schnee spazieren. —
Die Fremden haben hier eine treffliche Aufnahme sowie in Nachbarorten, daher wäre zu wünschen, daß der Überschuß der Patienten von Wörishofen, wo um 400 - 500 zu viel sind, nach Andelsbuch im Bregenzerwald in Vorarlberg wanderte. Dr. Königs Hotel ist vortrefflich und er selbst ein weithin beliebter und berühmter Arzt.— Dazu das gesunde Klima und die herrliche Lage; also auf nach Andelsbuch!
Von hier begab ich mich über die „Lorenni“ nach Alberschwende, der Höhepunkt gewährt eine herrliche Aussicht über den ganzen Wald einerseits und heraus auf den Bodensee anderseits. Hier harrte der Karawane der Postwagen mit zwei schönen ungar. Braunen, die uns wie im Flug nach Dornbirn brachten dessen Kirche Platners Pinsel so herrlich geschmückt, der Rektor der Kirche d. h. Pfarrherr war leider ins Kneippianeum nach Andelsbuch verreist, angelockt durch den Ruf der Wunderkuren. Die Pfarrei hat 10.000 Seelen, daher ein Glück, daß seit 10 Jahren die Lignorianer daselbst ein schönes Kloster haben. – Nun pfiff die Lokomotive zum Aufbruch nach Götzis, dessen domähnliche und kunstreich gemalte Kirche alle Fremden bewunderen, der Pfarrer ein Neffe des berühmten Bischofs Rudigier v. Linz ist ein sehr intelligenter, eifriger und gastfreundlicher Herr.
Des Abends langten wir in Rankweil an, dessen Wallfahrtskirche mitten im Ort auf einem hohen Felskegel steht und (…)

Exkurs zur Homepage von Andelsbuch:
Kneipp-Wassertretanlage Andelsbuch
Unterhalb des Fußballplatzes befindet sich die Kneipp-Wassertretanlage die viele Möglichkeiten zum Erleben des Elementes Wasser beinhaltet. Kneippen ist die natürlichste Form von Wellness, gewissermaßen „Ur-Wellness“. Das bedeutet, sich Zeit nehmen, abschalten, die Lebensweise erneuern.
Kneippen ist kreislauffördernd, aktiviert und stärkt das Immunsystem, harmonisiert und festigt das vegetative Nervensystem und hat eine ausgleichende Wirkung auf die Atmung, den Herzschlag, Kreislauf, Blutdruck, Stoffwechsel, Wärmehaushalt, die Verdauung und das Nerven- und Hormonsystem. Eiskaltes, reines Quellwasser lässt nach Anleitung der „Kneipp'schen Lehren“ die Lebensgeister wieder auferstehen.
Information: Daniela Berlinger („Kneipp-aktiv-Club“), Meisten 18, 6866 Andelsbuch, 0043(0)664/73052161

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 37 vom 11.09.1890, S. 3:
Reise-Erinnerungen aus Vorarlberg. (Fortsetzung.)
Noch muß ich erwähnen, daß am Vorabend meiner Abreise eine begeisterte Anhängerin und Vertheidigerin des Vaters Kneipp eintraf, nämlich die Abtissin Margaretha- des Cisterzienserinnen-Stiftes Wurmbach im Kanton St. Gallen, von der mir schon früher gesagt wurde, daß sie eine ebenso geistreiche als fromme Nonne sei. Die hohe Frau machte auf alle den Eindruck einer recht liebevollen und herablassenden Mutter, die ein recht intelligentes Augenpaar besitzt. Dieselbe kam direct vom schwäbischen Bathsaida d. h. Wörishofen und redete so überzeugungsfest von der „Kneippkur“, daß selbst dem wasserscheuen Korrespondenten der Wasserglauben dämmern wollte. Sie kam in Begleitung einer anderen kranken Klosterfrau ihres Stiftes, Letztere schien die Wirkung noch nicht so gefühlt zu haben weßhalb ich ihr rieth die Kur zu Haus nicht zu stark zu betreiben, damit ihre Leiden nicht zu früh beendet werden. — Daselbst befand sich auch ein kranker Professor aus Mehrerau, welcher eine Luftkur machte, Hr. P. M. Mathis, ein recht lieber Herr, dessen Kenntnisse in der schönen Literatur mich sehr freuten, möge seine gebrochene Kraft sich wieder stärken bei der sorgfältigen Pflege der braven Nonnen. — Nun gings nach Vorarlberg zurück. In Gossau bewunderte ich die im Bau begriffene gothische Kinder-Kapelle, die (…)

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 38 vom 18.09.1890, S. 5 (Beilage):
Reise-Erinnerungen aus Vorarlberg. (Schluß.)
(…)  Am Abend ging ich wieder nach Immenstadt zurück und beendete nun meine Ferien. Auch hier hat Dr. Uhreck eine Kneippanstalt eröffnet, in dem stattlichen Neubau finden viele Patienten Raum. (…) [gemeint ist das am 24.05.1891 in Anwesenheit von Sebastian Kneipp eröffnete Friedrichsbad; 1921 wurde das Bad an die Stadt Immenstadt verkauft; hier ein Foto vom 01.03.2021]

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 43 vom 23.10.1890, S. 2:
Danksagung.
Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme, welche uns beim plötzlichen Dahinscheiden, beim Leichenbegängnisse und Trauergottesdienste des Hochwürdigen Herrn Pater Wilhelm Gmeinder, Kapitularen des Cisterzienser-Stiftes Mehrerau und mehrjährigen Hilfspriesters dahier von nah und fern zukamen, sowie für die reiche Spende an Kränzen sprechen den herzlichsten Dank aus, den hochwürdigen geistlichen Mitbrüdern, den Ttl. Honoratioren, der hochlöbl. Gemeindeverwaltung, den Herrn Lehrern und Frauen Lehrerin, den Musikern und Sängern und allen Teilnehmern und bitten, des teuren Verstorbenen im Gebete zu gedenken.
Ottobeuren, den 22. Oktober 1890.
Abt und Convent von Mehrerau,
Prior und Convent von Ottobeuren.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 43 vom 23.10.1890, S. 1:
In einem Gedicht auf der Coverseite schreibt „Marcus Molitor“ am Ende:
Gott Dank! Nun ruht er selig in Edens Au; O Wilhelm, guter! fern zwar von Mehrerau
Ruht hier Dein Leib; doch Ottobeuren – Bleibt nun des Pfandes, eingedenk des theuren.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 43 vom 23.10.1890, S. 3f:
Ottobeuren. Keinen Festbericht bringt diesmal das Wochenblatt, wie deren viele schon gekommen aus der Feder des Hochwürdigen Herrn Pater Wilhelm von der Mehrerau. Wer hätte beim letzten Lourdesfeste geahnt, daß der, welcher mit so großer Begeisterung dasselbe mitgemacht, so sehr sich gefreut über die große Schaar der Teilnehmer, diesmal zum letzten male die Feder ergreifen sollte, um über die Feier eines Festes Bericht zu erstatten? Ja wer hätte denn gedacht, daß der „große Wilhelm“, der am Eldernfeste, am [Samstag, den] 12. Okt. auf unserer Kanzel noch mit dem Feuer heiliger Begeisterung vom Vertrauen auf Maria gepredigt, ja am Donnerstag Morgens [17.10.1889] noch mit seinem bekannten Eifer in den Beichtstuhl geeilt, ja fröhlich noch von Klosterwald heimgekehlt, vergnügt noch beim Abendtisch gewesen war, am Freitag morgens [18.10.1889] von der Sense des unerbittlichen Todes getroffen nicht mehr unter den Lebenden weile?
Gar schnell war vom Kloster die erschütternde Trauerkunde hinausgeeilt unter das Volk; und wie viele wollten es nicht glauben, daß P. Wilhelm gestorben sei! Um ½ 9 Uhr verkündete die Hosannaglocke diese Trauerbotschaft und es verflossen viele Thränen um den teuren, vielgeliebten Priester. Die Leiche des Dahingeschiedenen war in der Benediktuskapelle ausgestellt und immer kamen Andächtige, am Sonntag in großer Anzahl, um zu beten am Sarge des wie im Schlummer ruhenden lieben, guten Wilhelm. Zum Leichenbegängnisse hatte sich eine große Volksmenge eingefunden, trotz des sehr stürmischen Regenwetters.
O, wie traurig klangen die Töne der Musik, als die teure Hülle des Verstorbenen hinausgetragen wurde durch die Gänge und Thore des Klosters. Dem Sarge folgten die Hochw. Herrn P. P. Prioren von Augsburg und Ottobeuren, P. Ambros von Mehrerau; der andere Cisterzienser, P. Augustin, war erkrankt und konnte am Leichenbegängnisse nicht teilnehmen, der Convent des hiesigen Klosters, die Herrn Beamten, die Hochlöbliche Gemeindeverwaltung, eine große Anzahl Leidtragender, auch manche aus der Nachbarschaft, vorausgingen die Schulkinder mit den Herrn Lehrern und Frau Lehrerinnen. Der Herr Officiator, der Hochwürdige Pfarrvikar Pater Godefrid [Pfarrvikar und königlicher Schulinspektor in Ottobeuren seit dem 14.11.1889; vgl. Ottobeurer Wochenblatt Nr. 47 vom 21.11.1889, S.3] gab, selbst sichtlich ergriffen, in bewegten Worten dem tiefen Schmerze Ausdruck über den so plötzlichen Verlust des eifrigen Mitarbeiters im Weinberge des Herrn, des unermüdlichen Beichtvaters, dem es die größte Wonne war, den Beichtstuhl von einer großen Menge Beichtkindern belagert zu sehen, des feurigen Kanzelredners, des großen Kinderfreundes, des echten Volksfreundes, der für jeden ein liebes Wort hatte, der ihm begegnete, der so gerne zu den Männern redete im Josephsverein.

Pater Wilhelm war geboren am 30. April 1833 in dem benachbarten Wallfahrtsorte Steinbach und „scheint als besonderes Taufgeschenk eine recht große Liebe und Begeisterung für die Gottesmutter Maria empfangen zu haben“. Daher seine Begeisterung in den Predigten an Marienfesten, seine Liebe zur Lourdesgrotte, seine Begeisterung für die Eldernmuttergottes, nannte er ja unsere Kirche oft den „Elderndom“, daher sein unermüdlicher Eifer im Rosenkranzgebet. Wie glühend verehrte er das heiligste Herz Jesu, wie oft führte er es im Munde, er hielt keine Predigt, ohne dasselbe zu nennen. Der Gedächtnißtag der seligen Maria Margaretha Alacoquewar [war] sein Sterbetag. Am 18. Okt. 1857 legte P. Wilhelm in der Mehrerau die Klostergelübde ab – seinen Profeßtag konnte er heuer nicht mehr feiern – und wurde am 25. Juli 1858 zum Priester geweiht. Er wirkte in seinem Kloster als Professor der dortigen Realschule und der Kloster-Cleriker, als Custos der Kirche, Seelsorgspriester vom Orte Vorkloster bei der Mehrerau, dann aushilfsweise auch als Beichtvater in Frauenklöstern, als Prediger in benachbarten Orten Tyrols, der Schweiz und Bayerns, vielen Geistlichen wird er von den Exercitien als Beichtvater noch bekannt sein. Seit Februar 1884 ist er hier als Hilfspriester thätig gewesen; für ihn war die Arbeit gleichsam Bedürfnis, er that auch gerne alles, was man von ihm verlangte, obwohl seine Gesundheitsverhältnisse, die in früheren Jahren schon manchmal viel zu wünschen übrig ließen, nicht immer die besten waren. Er hat so manches der hiesigen Pfarrkinder zur letzten Ruhe eingesegnet, auch die letzte Beerdigung des Eldernmeßners noch vorgenommen.
Vor kurzer Zeit waren 2 Mitglieder des hiesigen Klosters, der ehrwürdige Fr. Ulrich, der viele Jahre Portner bei St. Stephan in Augsburg gewesen, [und] der Hochwürdige Herr P. Gregor, dem nach 20-jähriger Geisteskrankheit die Stunde der Erlösung geschlagen, zu Grabe getragen worden; der Dritte, der der Grabstätte der Benediktiner in so rascher Aufeinanderfolge übergeben werden mußte, sollte der Cisterzienser P. Wilhelm sein, fern vom heimatlichen Kloster sollte er hier seine Ruhestätte finden. Pater Wilhelm hat in der letzten Zeit öfter den Wunsch ausgesprochen, wieder heimkehren zu können in sein liebes Kloster am Bodensee in die Mehrerau; es ist aber der Wunsch in Erfüllung gegangen, den er in einem Gedichte über das Priorat Ottobeuren im Jahre 1884, ehe er hieher kam, niederlegte, wo er sagte:

Maria Eldern hör' ich preisen
Als aller Pilger Heil und Hort,
Von weiter Ferne Kranke reisen
Zu diesem frommen Gnadenort.
Maria mög' es gnädig leiten
Dem Sänger zu der Seele Heil,
Den Ort der Ruh' ihm hier bereiten
Als seiner Seele Gottesweil'.
Im lieben Schwaben will ich sterben,
Wo Sang und Freud die Herzen hebt,
Will dort den Himmel sicher erben,
Wo Glauben alle neu belebt.

Ja hier im Schwaben, bei uns, beim Eldernorte hat er seine Ruhestätte gefunden. Die Thränen, die ihm nachgeweint wurden, waren Thränen der aufrichtigsten Liebe, die Besucher des Gottesackers werden gerne beten an seinem Grabe, Gott schenke dem teuren Arbeiter in seinem Weinberge den reichsten Lohn.
R. J. P.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 43 vom 23.10.1890, S. 4:
Wörishofen, 19. Okt. 3 barmherzige Schwestern aus Kroatien wohnen seit Kurzem den Sprechstunden des hochw. Herrn Pfarrers Kneipp in Wörishofen bei, um das System Kneipp zu lernen und es zu Hause einzuführen. Von Wien werden Schwestern des heil. Vincenz in Wörishofen erwartet, welche denselben Zweck verfolgen. Ebenso haben die Patres von Steyl in Holland einige Brüder hieher geschickt, damit sie die Kur anwenden lernen. Herr Pfarrer Kneipp erhält täglich durchschnittlich 200 Briefe, die er natürlich zu beantworten gar nicht im Stande ist.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 47 vom 20.11.1890, S. 1:
Johann Fergg, Buchbinder, Ottobeuren empfiehlt eine große Auswahl Kinderspielwaaren von 10-Pfennig-Artikeln an bis zu den feinsten Spielen nebst Wiegenpferden und Puppeu Chaisen. (…) Zugleich bringe in Erinnerung, daß ich neben Kneippskalender noch viele andere vorräthig halte. Einem gütigen Besuche sieht entgegen. Der Obige.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 47 vom 20.11.1890, S. 4:
Literarisches.
Zu den populärsten und berühmtesten Männern der Gegenwart gehört unzweifelhaft der schlichte schwäbische Pfarrherr Seb. Kneipp in Wörishofen, dessen berühmte und gepriesene, durch ihre staunenswerthen Erfolge ausgezeichnete „Wasserkur“ sich in kurzer Zeit Hunderttausende von begeisterten Anhängern erworben und der durch sein einfaches Heilverfahren eine förmliche Revolution auf dem Gebiete der modernen Heilkunde herbeigeführt hat. Trotz des enormen Zudranges von Hilfesuchenden aus aller Herren Länder, die seit ein paar Jahren vertrauensvoll zu „Vater Kneipp“ pilgern, hat nun der unermüdliche Priestergreis doch noch die Zeit erübrigt, auch dießmal wiederum, dem ungestümen Drängen seiner Freunde und Verehrer nachgebend, ein neues Werkchen, betitelt: „Illustrirter Wörishofener Kneipp-Kalender für das Jahr 1891“ (Verlag der Jos. Kösel'schen Buchhandlung in Kempten (Bayern), 9½ Bog. Eleg. broch. 50 Pf.) herauszugeben, das in Form eines Kalender-Jahrbuches über neugewonnene Erfahrungen und Beobachtungen, über neue aussergewöhnliche Resultate aus seiner allerjüngsten Praxis, über Verschiedenes, was mit seiner Heilmethode und seinen Vorschriften zusammenhängt, Bericht abstattet. Zum Schlüsse folgen geschäftliche Ankündigungen, unter welchen sich eine hübsche Anzahl ernster und launiger Anekdoten, Gedichte etc. eingereiht finden, welche auf Herrn Pfarrer Kneipp und dessen Methode Bezug haben.
Die Ausstattung des Kalenders ist eine vorzügliche, und der Preis von 50 4 kann daher bei dem außerordentlich reichen Inhalte und den zahlreichen Illustrationen nur als ein sehr mäßiger bezeichnet werden. Als Titelbild schmückt den Kalender eine Autotypie, „Pfarrer Kneipp den Kurgästen in Wörishofen öffentlich Vortrag haltend,“ außerdem enthält der Kalender noch eine Reihe von neuen bisher noch nirgends veröffentlichten Bildern aus Wörishofen und Umgebung nach vorzüglichen Photographien. Der Kneipp-Kalender wird, deß sind wir überzeugt, bei den Hunderttausenden von Anhängern der Kneipp'schen Methode als willkommener Freund begrüßt werden, und wie schon diese kurze Inhalts-Skizze zeigt, verdient er die günstigste Aufnahme auch in vollem Maße. Möge es dem edlen Menschenfreunde gegönnt sein, diesem ersten Jahrgange, der sich gleich so günstig einführt, noch zahlreiche andere nachfolgen lassen zu können!

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 50 vom 11.12.1890, S. 2:
Pfarrer Kneipp's Gesundheit - Kräuter - Magen - Liqueur enthält alle von Sr. Hochwürden empfohlenen Kräuter und Wurzeln etc. Derselbe regelt in unglaublich kurzer Zeit die Funktionen des Magens, führt normale Verdauung und gesunde Blutbildung herbei, erregt den Appetit, bewirkt regelmäßigen Stuhlgang und ist sonst ein ausgezeichneter, wohlschmeckender Tafelliqueur.
Allein ächt zu haben in Ottobeuren bei Herrn Ludwig Wenzel, Kaufmann. (Auch in Nr. 51; auch 1891 Nr. 1)

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1891

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 2 vom 08.01.1891, S. 4:
In Wörishofen hat sich ein Central-Kneipp-Verein gebildet, welcher sich 1) die wissenschaftliche Begründung und die möglichste Verbreitung eines vernünftigen, gottgewollten, christlichen Lebensweise und 2) eine naturgemäße – auf gründlicher Forschung beruhende Heilmethode [zur Aufgabe] gemacht hat. Zugleich wurde ein Organ des Vereins „Die Kneippblätter“ gegründet, welche bei Ludwig Auer in Donauwörth erscheinen. Ehrenpräsident des Vereins ist Herr Pfarrer Sebastian Kneipp in Wörishofen.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 5 vom 29.01.1891, S. 4:
Berlin, 18. Jan. Unter der Unmasse von Telegrammen etc., welche zum 80. Geburtsfeste Windthorst's [am 17.01.1891] von allen Seiten einliefen, befinden sich auch einzelne humoristische. Aus diesen möge eines seine Stelle finden, des Absenders wegen. Es lautet: Wörishofen, 17. Jan. Der Wassermann Kneipp und seine geistlichen Wasserfreunde senden der kleinen Excellenz, welche so Manchem den Kopf gewaschen, zum 80. Geburtstage ein freudiges ad multos annos!

[Zum Hintergrund und besseren Verständnis dieser Meldung siehe Wikipedia
Ludwig Windthorst war Mitglied und Gründer vieler katholischer Vereine, Vorsitzender der katholischen Zentrumspartei, laut Lothar Gall „wohl bedeutendsten parlamentarischen Führer des politischen Katholizismus im 19. Jahrhundert“ und erklärter Gegner Bismarcks. Kneipp wollte sich und seine Lehre aus der Politik heraushalten; mit diesem Geburtstagsgruß zeigt sich jedoch ein deutliches politisches Statement!]

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 11 (auch: Nr. 14) vom 12.03.1891, S. 5:
Nur unter Garantie & der Landwirth. Controls sowie höchster Keimfähigkeit und Reinheit empfehle ich nachstehende Forst- und Landwirth. Saamen:

– Steyrischen schwersten Rothkleesaamen, in 4 Tagen 97% keimfähig und ohne harte Körner. (…)
Die Kneipp'schen Arzneipflanzensaamen (zur Anpflanzung) (…)

sämmtlicher Futterhilfsstoffe. (Mais, Maisgries, Leinkuchen, Lein-, Mais-, Reis-, Reps-, Weizen- und Gerstenfuttermehle) etc. etc.
Zu den billigsten Preisen bei sorgsamster Bedienung geneigter Abnahme. Achtungsvollst
Die Saamenhandlung, das Seilerwaaren und Landesproduktengeschäft von Georg Müller – zum Rehleseiler – Kaufbeuren.

[Einer von vielen Belegen für die Vermarktung von Kneipp-Produkten.]

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 17 vom 23.04.1891, S. 4:
1400 Kranke haben für den Monat Mai bereits ihre Aufnahme bei Pfarrer Kneipp in Wörishofen nachgesucht. Zur Zeit befinden sich etwa 600 Kranke in Wörishofen.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 19 (auch in Nr. 20 und 21) vom 08.05.1891, S. 3:
Die Kneipp'sche Wasserheilanstalt Memmingen ist vom 4. Mai des Jahres an eröffnet. Die Leitung dieser Anstalt hat der Badearzt von Wörishofen, Herr Dr. Kleinschrott, [Dr. med. Franz Kleinschrod*] übernommen und wird derselbe jeden Dienstag von mittags 12 - 2 Uhr in der Wasserheilanstalt hier (Frühlingsgarten) Sprechstunden erteilen.
Die verordneten Güsse und Bäder werden genau nach Vorschrift und jeden Tag verabreicht, und zwar: kalte Güsse und Bäder vormittags 8 - 12 Uhr und nachmittags 2 - 4 Uhr, warme Bäder vormittags 10 - 12 Uhr und abends 6 - 8 Uhr. Die Wasserheilanstalt ist bequem, schön und für alle vorkommenden Güsse und Vollbäder eingerichtet, auch mit einem großen Garten versehen. Für billige Zimmer, kalte und warme Speisen, sowie prompte Bedienung ist bestens gesorgt. Für Fremde ist in Memmingen, welches nur 4 Stationen von Wörishofen entfernt liegt, Gelegenheit geboten, jeden Tag bequem nach Wörishofen und zurück kommen, um event. mit Hochw. Herrn Pfarrer Kneipp selbst sprechen zu können. Zu gütigem Besuche ladet ein
Memmingen, den 30. April 1891. Der Besitzer: Johann Nepomuk Göggel.

[*Ab 17.06.1888 kam Dr. med. Franz Kleinschrod in Kneipps Sprechstunden und verkehrt dort bis August 1889. Ab Oktober 1889 übernahm er – lt. Antonie Mayer – bis 1.8.1891 „die Führung der ärztlichen Verhältnisse“. Dann verließ Kleinschrod (*1860, †1934) Wörishofen, um in Jouy-aux-Arches bei Metz eine eigene Anstalt zu leiten.
[Der Hinweis auf die Möglichkeit, „bequem“, sprich: mit der Bahn nach Wörishofen zu kommen ist sicherlich auch ein Beispiel dafür, warum Ottobeuren hier schlechtere Karten hatte, da die Bahnlinie nach Ungerhausen erst im Oktober 1900 eröffnet wurde. Eine Fahrt mit der Kutsche bot sich für einen Besuch in Wörishofen kaum an.]

Im Internet finden sich keine Hinweise auf die Memminger „Wasserheilanstalt“.
Exkurs: Vgl. Pressemitteilung der Stadt Memmingen vom 07.06.2013 zur Eröffnung einer Wassertretstelle in Steinheim:
Im Beisein von Gerhard Neukamm, Referent des Stadtrats für Steinheim, des Bürgerausschusses Steinheim und Vertretern der Stadtverwaltung hat Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger bei schönstem Sonnenschein die neue Wassertretanlage am Weidenbach in Steinheim direkt beim Radweg Richtung Heimertingen eröffnet.
„Ich freue mich, dass wir mit dieser Anlage bereits die fünfte Kneipp-Anlage in Memmingen eröffnen können“, sagte Holzinger. Dies sei ein weiterer Beitrag zur Gesundheitsregion Memmingen und Unterallgäu. Er dankte Gartenamtsleiter Rudolf Schnug und seinem Team für den Bau der schönen Wassertretanlage. Inmitten von Wiesen und Weiden idyllisch am Weidenbach gelegen, biete die neue Anlage allen Bürgerinnen und Bürgern die Gelegenheit, etwas für ihre Gesundheit zu tun. Radler und Spaziergänger können sich im kühlen Nass erfrischen, außerdem laden zwei Holzbänke zum Verweilen ein.
Im Namen des gesamten Bürgerausschusses Steinheim dankte dessen Vorsitzender Ralf Hempfer der Stadt für die gute Zusammenarbeit. „Es ist toll, was das Gartenamt innerhalb kürzester Zeit möglich gemacht hat.“ Die Auswahl eines geeigneten Ortes für die Wassertretanlage sei gemeinsam erfolgt. Hempfer lobte die anschließend „schnelle Umsetzung“ und freute sich über das gelungene Ergebnis. „Ich wünsche der Kneipp-Anlage viele Gäste aus nah und fern, die die Kraft des Wassers für ihre Gesundheit nutzen möchten“, sagte Hempfer und erinnerte an eine alte Weisheit des Pfarrers Sebastian Kneipp: „Vorbeugen ist besser als heilen.“

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 20 vom 14.05.1891, S. 3:
Memmingen, 12. Mai. (Kneipp'sche Wasserkuranstalt Memmingen.) An der heutigen Sprechstunde des Herrn Dr. Kleinschrott [korrekt: Dr. med. Franz Kleinschrod] von Wörishofen betheiligten sich 42 Personen, meist von auswärts; vergangenen Dienstag 35. Es wird nöthig werden, daß Herr Dr. Kleinschrott den vollen Dienstag Nachmittag hier verweilt.

Wörishofen, 8. Mai. Herr Pfarrer Kneipp begeht am 17. Mai seinen 70. Geburtstag. Für diesen Tag werden große Festlichkeiten vorbereitet. Von den zahlreichen Kneipp-Vereinen werden Extrazüge hierher arrangirt. Von Seite der hiesigen Dorfgemeinde werden große Überraschungen für den Jubilar beabsichtigt und die meisten Dörfer des Bezirks wollen den Tag festlich begehen.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 22 vom 19.05.1891, S. 3:
München. Kneipp'sche Kur-Anstalt „Neu-Wörishofen“. Für Anhänger der Kneipp'schen Kaltwasser-Kur dürste es erfreulich sein, zu erfahren, daß in wenigen Tagen in der Augustenstraße „Stadt Sedan“ eine allen Anforderungen der Neuzeit entsprechende Kneipp'sche Bade-Anstalt, welche direkt unter Aufsicht des Naturarztes Herrn Dr. List steht, eröffnet wird. Dieselbe enthält außer den zur Aufnahme von Wörishofener Rekonvaleszenten bestimmten Fremdenzimmern zahlreiche Räumlichkeiten zur Verabreichung von Güssen, Dampfbädern, Wicklungen, Wannen-, Voll- und Halbbädern, Ankleidezimmern, Bassins etc. etc., außerdem bietet sich hier Gelegenheit zum Barfußgehen.
Bis jetzt werden dortselbst im Durchschnitt täglich an etwa 120 - 150 Kneippianer kalte Güsse verabreicht, ein Beweis, wie viele Anhänger diese Methode auch in München zählt.

Kneipp-Wiese. Um auch Städtern, die sich nach Kneipp'scher Methode abhärten und gegen Gicht und Rheumatismus stählen wollen, das Barfußgehen im nassen Grase zu ermöglichen, hat ein Herr Alfons Steinhauser in München unternommen, eine 10 Tagwerk große Wiese zum Barfußgehen im nassen Grase 5 Minuten östlich von Stadelheim, 20 Minuten vom nahen Fichtenwalde in herrlicher, hoher Lage zu eröffnen. Der Eintrittspreis wird ein sehr geringer sein und Unbemittelten wird freie Benutzung gestattet. Die Wiese soll in Zukunft den Namen „Kneippwiese“ tragen.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 39 vom 24.09.1891, S. 4:
Zwei interessante Krankheitsfälle erregen in Wörishofen zur Zeit die allgemeine Aufmerksamkeit von Ärzten und Laien: zwei Fälle von totaler Blindheit nämlich, die (ohne Operation) bereits so weit gehoben sind, daß die beiden Patienten schon ganz kleine Gegenstände wieder unterscheiden können. Herr Pfarrer Kneipp bemerkte hierüber in der jüngst stattgefundenen Generalversammlung des Kneippvereins, daß diese beiden Erfolge, selbst wenn sie ganz vereinzelt wären, allein schon alle die Mühen und Plagen, die er tagtäglich zu tragen habe, reichlich aufwiegen; „denn seinen leidenden Mitmenschen dienen zu können, sei der einzige Zweck seiner Thätigkeit.“

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 46 vom 12.11.1891, S. 3:
Ottobeuren, 9. Novbr. Schön stieg die Sonne herauf und warm, als wäre es nicht Spätherbst, sondern Frühling, sie brachte einen schönen Tag, ein Fest für Stephansried. Der weltberühmte „Wohlthäter der Menschheit“, Herr Pfarrer Kneipp, hat sich ein Denkmal gesetzt, so edel, weil religiös, wie es nicht schöner geschehen konnte. Die Ortskirche, wo er soviel gebetet, ministriert, die Litanei beim Rosenkranz vorgelesen und Gott besonders um die Gnade angefleht hatte, an dem Altare als Priester zu opfern, hat der hochw. Herr durchaus restaurieren lassen nach dem Plane des bewährten Kenners, Herrn Direktors Dr. Andreas Schmid in München.
Das schlichte Dörflein war geziert mit Triumphbögen, die Häuser prangten in Fahnenschmuck, grünen Gewinden und Kränzen. Ein herrlicher Himmel blaute nieder und warme Luft wehte, als Herr Pfarrer Kneipp mit werthen Festgästen aus Wörishofen, voran Ihre Hoheiten Herzog Paul von Mecklenburg mit Gemahlin Marie, geb. Prinzessin v. Windischgrätz, welche das Kloster Ottobeuren mit ihrem hohen Besuche beehrt hatten, und der Geistlichkeit Ottobeurens in seiner Heimath im Hause seiner Verwandten eintraf, begrüßt von der Schuljugend mit einem schönen Gedichte in schwäbischer Mundart. Um ½ 9 Uhr bewegte sich der Festzug unter Vorantritt der Blechmusik und Böllerschüssen zur Kirche; vom Thurme riefen zwei Glocken zur Feier, denn Herr Pfarrer Kneipp hatte zur einen kleinern Glocke die zweite größere geschenkt. Zahlreiche Festtheilnehmer hatten sich eingefunden. Es war gar rührend, als Herr Pfarrer zum erstenmale an den von ihm geschenkten Altar trat und das Hochamt celebrierte, es war unwillkührlich eine Erinnerung an sein erstes hl. Meßopfer: ergreifend waren seine Worte von der Liebe zur Heimath und zu den Verwandten. Nach dem Amte, das verherrlicht ward durch schönen Gesang von gut geschulten Musikkräften, folgte eine stille hl. Messe, hierauf eine zweite ernste, auf den Kreuzweg sich beziehende Ansprache des Herrn Pfarrers Kneipp, der die Benediktion des neuen, schönen Kreuzweges vornahm. Recht eindringliche Worte waren es, da er aufforderte, Rosenkranz und Meßopfer fleißig zu zu besuchen und den Kreuzweg andächtig zu betrachten. Feierliches Te Deum schloß die schöne kirchliche Feier, welcher die Hoheiten von Mecklenburg bis zum Ende beigewohnt hatten, es war ½ 12 Uhr.
In seinem Namen und der Filiale Stephansried dankte Hochw. Herr Pfarrer Pater Gottfried [Pfarr-Vikar Godefrid Behr, †03.03.1897] O.S.B. von Ottobeuren dem Herrn Pfarrer Kneipp für das schöne Geschenk, das dieser seiner Heimath in der so glücklich restaurierten Kirche gegeben und das kräftige, dankbare Hoch widerhallte 3mal vom nahen Walde. Ein guter Tische vereinigte alle in Freude um den edlen Gutthäter und es war recht erfreulich zu sehen, wie Jugendfreunde, Verwandte, solche, bei welchen der Herr Pfarrer Kneipp einst im Dienste gestanden, Einwohner von Stephansried, Kurgäste und Verehrer sich herbeidrängten, um ihm zu danken und ihre Freude auszudrücken.
Der große Wohlthäter findet von Seiten seiner Patienten eine Verehrung und Aufmerksamkeit, die diesen zu aller Ehre gereicht und die er in seiner Demuth und Bescheidenheit gar nicht sucht. Mit einem Gedichte im schwäbischen Dialekte von Herrn P. Wilhelm [Gmeinder] O.S.B. schloß der festliche Theil des Tages. Mit größtem Interesse besuchte man die Stätte, wo die Wiege des Herrn Pfarrers Kneipp gestanden und lauschte den theils heitern theils herzlichen Erzählungen aus seiner Jugendzeit. Mond und Abendstern leuchteten vom Himmel, als die Wagen den Herrn Pfarrer mit seinen liebgewonnenen Gästen entführten, den Engel des Herrn läutete die geschenkte Glocke. Ein schöner Festtag war es gewesen, den ein Priester seiner Heimath bereitet, Gott zur Ehre, den Seelen zum Heile, Allen zur Freude. —
Ad multos annos!

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 47 vom 19.11.1891, S. 4:
(Conversion.) Ende vorigen Monats hat in Wörishofen ein 25-jähriger protestantischer Curgast und gewesener Buchhalter aus Stuttgart in Gegenwart des hochw. Herrn Bischofs von Straßburg das apostolische Glaubensbekenntniß in feierlicher Weise abgelegt. Herr Pfarrer Kneipp, welcher dem jungen Manne den Unterricht in der katholischen Religion ertheilte, hielt bei dieser Gelegenheit eine tiefergreifende Ansprache.
Der junge Mann war vor Jahresfrist in Folge Schlagflusses fast ganz gelähmt und kam, auf zwei Krücken mühsam gehend, nach Wörishofen, um Heilung zu suchen, welche er auch wirklich fand: er ist heute fast vollkommen hergestellt. Nächste Veranlassung zu seinem Entschlüsse, in den Schooß der katholischen Kirche zurückzukehren, war eine Predigt des hochw. Herrn Pfarrers Kneipp über das „Ave Maria.“ Demnächst reist der junge Mann von Wörishofen ab, um in ein Kloster Bayerns als Laienbruder einzutreten. (R. M.)

dito, S. 3:
In Wörishofen halten sich gegenwärtig viele Franzosen, meist jüngere Leute auf. Die Zahl der Kurgäste ist ungefähr 700.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 51 vom 17.12.1891, S. 4:
(Klauenseuche.) (Von Seb. Kneipp.) Wie unter der Menschheit recht viele Krankheiten herrschen und manche recht viele Menschenleben zerstören, so gibt es auch unter den Thieren viele verschiedene Krankheiten, die oft zur wahren Pest werden. Eine unter den Hausthieren zumeist vorkommende Krankheit ist die Klauenseuche. Hat ein Landwirth in seinen Stall diese fürchterliche Krankheit bekommen, so wird sie bald von einem Stücke, zum anderen übergehen. Die armen Thiere müssen recht viel leiden und manche fallen dieser Seuche zum Opfer. Kommen die Thiere auch genesen davon, so geht es doch recht lange her und für den Hausvater ist oft ein halber Jahresnutzen oder gar ein ganzer verloren. Man sucht auf alle mögliche Weise diese Krankheit zu heilen, doch geht es nicht leicht und es sind keine Mittel bekannt, die ganz verlässig find und wodurch eine Heilung erzielt werden könnte, so daß viele, die diese Krankheit im Stalle haben, sich mit einer guten Pflege begnügen und keine Medikamente gebrauchen. Diese Krankheit ist so ansteckend, daß, wenn fie einmal in einen Stall eingedrungen ist, nicht leicht ein einziges Stück verschont bleibt. Es gibt aber doch ein Heilmittel, welches sicher heilt und noch mehr vor weiterer Ansteckung schützt, wenn diese in Ställen auftritt. Und dieses Mittel ist einzig das Wasser.
Erkrankt einmal ein Stück Vieh an der Klauenseuche, so soll es sogleich von den anderen abgesondert werden und man soll alles aufbieten, daß diese Krankheit nicht weiter verbreitet wird. Nun, die Frage, wie soll das kranke Stück behandelt werden und wie sollen die Gesunden davor bewahrt werden? Bekanntlich bekommen die Thiere Blattern im Rachen, auf der Zunge und in den Klauen, so daß sie weder fressen noch gehen können. Weil sie nicht fressen können, soll man ihnen soviel Getränke geben, daß sie in einem guten Zustande erhalten bleiben (eingebrühte Kleie, Mehl, Tröber u.s.w.) An das Getränk kann man etwas gesottenen Leinsamen geben, welcher kühlend nach Innen wirkt. Zur Heilung aber ist es nothwendig, daß das ganze Thier mit kaltem Wasser gewaschen wird. Es kann auch etwas Essig daran gemischt werden und die Wirkung ist noch kräftiger. Man nimmt dann eine Bürste, taucht sie ins Wasser und bürstet damit das ganze Stück Vieh ab, macht aber recht schnell, daß man in 4 - 5 Minuten ganz fertig ist. Wenn 2 Personen, jede auf einer Seite, die Waschung vor sich nehmen, dann geht es ziemlich rasch, in 3 - 4 Minuten kann so ein Stück gewaschen sein.

Ist dies geschehen, so wird es mit einer Decke zugedeckt, es wird dann rasch ganz heiß, dünstet stark aus oder schwitzt auch sehr stark. Und wenn dann so vom ganzen Stück Vieh ausgeleitet und durchs kalte Wasser die Hitze gedämpft wird, läßt das Fieber nach, die Blattern entwickeln sich rasch, nehmen einen kurzen Verlauf und so wird in Bälde das Vieh von dieser qualvollen Krankheit befreit. Die Waschung kann an einem Tage zwei auch dreimal vorgenommen werden, je nachdem die Hitze nachläßt oder stärker wird. Ist aber einmal ein Stück krank, so soll man Sorge tragen, daß nicht auch die anderen angesteckt werden. Dies geschieht am besten durch Waschungen und diese werden in den meisten Fällen ausreichen.
Wenn also die Klauenseuche in einem Stalle wirklich ausgebrochen ist, so säume man nicht, jedes Stück Vieh täglich einmal ganz zu waschen, kräftig zu bürsten, und mit Decken zuzudecken. Natürlich gehört auch eine trockene Streu dazu, damit die Thiere bald trocken werden. Die Gesunden bleiben bei ihrem früheren Futter.

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1892

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 1 vom 07.01.1892, S. 3:
Herr Pfarrer Kneipp in Wörishofen hat eine solch große Zahl Weihnachtsgeschenke erhalten, daß dieselben ein ziemlich großes Vermögen repräsentiren. Namentlich aus England, Amerika und Frankreich haben dankbare Verehrer, die durch sein Heilverfahren die ersehnte Genesung fanden, ohne daß sie jemals den Herrn Pfarrer persönlich kennen gelernt oder zum Kurgebrauch in Wörishofen sich befunden haben, kostbare Geschenke mit Dankschreiben dem Herrn Pfarrer übersendet; sogar von China liefen solche Geschenke ein, die einfach mit der Adresse versehen waren: „Pfarrer Kneipp, Bayern.“

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 2 vom 14.01.1892, S. 3, Dementi:
Herr Pfarrer Kneipp theilt dem „M. Fremdenbl.“ mit, daß die Nachricht, er habe zu Weihnachten so und so viele Geschenke aus aller Herren Länder erhalten, so gut wie vollständig erfunden ist.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 3 vom 21.01.1892, S. 3, Gegendarstellung:
Erklärung.
Während den letzten Tagen konnte man in den meisten Zeitungen lesen, daß mir Unterzeichnetem aus mehreren Ländern und selbst von den höchsten Ständen recht viele werthvolle Geschenke auf Weihnachten und Neujahr zugesandt worden seien, so daß ich dadurch recht reich oder gar zum Millionär geworden sei. Es ist mir ganz unbegreiflich, daß es Jemanden gibt der so etwas schreiben kann, da doch kein Wort wahr ist. Zwei einzige Weihnachtsgeschenke sind mir zugekommen, und ich habe selbst diese nicht erwartet; es liegt dieß gar nicht in meinem Charakter. Ich habe, was ich brauche, und bin dabei vollständig zufrieden. Die mir in Folge dieser verlogenen Nachricht täglich zukommenden Bitt- und Bettelbriefe sind mehr als genug.
Doch kann ich bei dieser Gelegenheit nicht umgehen, das Weihnachtsgeschenk zu erwähnen, welches in dem neueröffneten Kinderasyl ist. Seit ungefähr 3 - 4 Wochen sind ca. dreißig bis vierzig Kinder zu mir gekommen, von denen zwei stockblind, zwei halbblind sind, einige haben lahme Füße, so daß sie weder stehen noch gehen können, andere gehen an der Krücke, kurz gesagt nur solche, die als Unheilbare erklärt wurden, weil sie nirgend Hilfe fanden. Dazu kommt ferner, daß die Meisten sehr arm sind und deßhalb ich dieselben größtentheils verhalten soll, und solch armselige, hilflose Kinder gibt es recht viele.
Diese armen Kreaturen halte ich für Geschenke Gottes, welche auch unsterbliche Seelen haben und nicht schuld sind, daß sie so arm und unglücklich sind. Auch sie suchen Hilfe, und können auch Hilfe finden, durch Werke der Barmherzigkeit. Für diese Geschöpfe könnte ich freilich Geschenke brauchen, dann wollte ich gerne das Meinige dazu beitragen und das Möglichste thun, damit auch diese gesund werden, was bei den Meisten derselben zu erwarten ist.
Zu solch' freiwilligen Beiträgen für diese armen Unglücklichen, denen man helfen kann, lade ich nicht bloß ein, sondern bitte sogar für sie. Aber ich wiederhole, nicht meinetwegen, sondern nur für die Armen. Freundliche Beiträge, bitte ich, an mich persönlich zu adressiren, und sage ich im Voraus für jede Gabe ein herzliches: „Vergelte es der liebe Gott viel tausend Mal!
Seb. Kneipp, Pfarrer, Wörishofen, Bayern.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 14 vom 07.04.1892, S. 3f.:
Ottobeuren. Hohe Kurgäste aus Wörishofen beehrten Ottobeuren in diesen Tagen mit ihrem Besuche: Prinzessin Anna Neriman, Tochter des persischen Gesandten in Wien mit Hochihrer Mutter, ihrer Tante und deren Töchter aus Persien, ihren Nichten, unter Begleitung der Nichte des Herrn Pfarrers Kneipp und Verwandten. Die hohen Herrschaften hatten auf der Post Quartier genommen, besichtigten eingehend unsere Kirche mit ihren Sehenswürdigkeiten, das Kloster, das Museum, machten auch einen Besuch in Stephansried, dem Heimatsdörfchen des Herrn Pfarrers Kneipp mit dem lieblichen, wie bekannt von ihm restaurierten Kirchlein; sie nahmen auch kurzen Aufenthalt in Klosterwald. –  
Die Prinzessin Anna ist in Konstantinopel geboren und erhielt ihre Ausbildung in Paris. Sie spricht mehrere Sprachen, auch gut deutsch. Ihre Eltern sind aus vornehmem Geschlechte im Kaukasus, ihre Familie ist gut katholisch und zählt unter ihren Ahnen auch Märtyrer. Die hohen Herrschaften waren sichtlich erfreut über das viele Schöne, das sie hier gesehen hatten. Ihr leutseliger, herablassender Verkehr mit allen, die das Glück hatten, in ihre Nähe zu kommen, machte einen recht wohlthuenden Eindruck. –
Ottobeuren hat von Wörishofen schon manche Besuche, darunter auch sehr vornehme erhalten, für die Bewohner des Marktes und des Klosters eine große Ehre. Aber auch das Dörflein Stephansried im einsamen Thale, das durch Herrn Pfarrer Kneipp schon so berühmt geworden, hat nun zum 2. Male das Glück und die Ehre gehabt, hohe Gäste in seiner Mitte zu sehen, im November [1891] nach glücklich vollendeter Restauration des Kirchleins und bei Einweihung des Kreuzweges Ihre Hoheiten den Herzog und die Herzogin von Mecklenburg, und jetzt die hohe Prinzessin des persischen Gesandten mit ihrer Mutter und ihren Verwandten. Möge Ottobeuren und dem Kloster (und auch Stephansried) noch öfter die Freude und Ehre solch hoher Besuche zu Teil werden.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 16 vom 21.04.1892, S. 3:
(Die Wanderversammlung des „Vereins schwäbischer Käser“ in Türkheim) am Ostermontag wurde von Herrn Chorregent Wiedemann eröffnet. Der Vereinsvorstand, Herr Bezirksthierarzt Steuert von Memmingen, gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Betheiligung von nah und fern eine so große geworden sei; er dürfe hierin wohl ein gutes Vorzeichen erblicken, bei Beginn seiner Thätigkeit als Vorstand schon einem so erfreulichen Interesse an den Vereinsbestrebungen im Unterland zu begegnen. Hierauf entwarf er ein Bild der gegenwärtigen Lage der Milchwirthschaft und bezeichnete kurz und treffend die einzelnen Punkte, in welchen wir Stellung nehmen müssen zur Verbesserung und zur Hebung unserer milchwirthschaftlichen Verhältnisse.
Daran schloß sich ein Vortrag des Herrn Dr. Herz von Memmingen: „Was der Pfarrer Kneipp über die Milchwirthschaft sagt, und was er nicht sagt.“ In seinem Büchlein: „Fritz, der eifrige Viehzüchter“ stellt Kneipp folgende Sätze auf: „Daß beim Melken die größten Fehler begangen werden und die beste Milchkuh durch Vernachlässigung beim Melken zur mindesten werden kann, daran ist kein Zweifel. Wie viele hundert Kühe haben kleine und große Verknöcherungen im Euter, die meistens vom nachlässigen Melken herkommen; Hilfe gibt es dann gewöhnlich keine mehr.“ „Ist das Futter schlecht, d. h. verdorben, so ist häufig die Milch säuerlich, schleimig, setzt wenig Rahm an und gerinnt bald.“ „Wer gute und viele Butter will, muß entsprechende Geschirre haben und sie sehr reinlich halten.“ „Kommt die Milch nach dem Melken längere Zeit nicht in die Geschirre, so ist das ein Fehler, weil es weniger Rahm gibt.“ „Die Milchgefäße müssen aufs Reinlichste gehalten werden; denn sind die Gefäße durchsäuert, dann geht die Säure auch bald auf die Milch über.“ „Zu einer guten Milchpflege gehört auch ein entsprechendes Lokal, welches vor allem nicht zu feucht sein soll. Die Wärme sei, wo möglich eine gleichmäßige; die beste Temperatur ist die von 12 - 13 Grad.“
Der Herr Vortragende ging näher auf diese Punkte ein, und erläuterte dieselben. Außerdem wies er nachdrücklich darauf hin, daß Pfarrer Kneipp – obwohl er ein so großer Verehrer des Wassers sei – mit keiner Silbe erwähne, daß unsere Milch zu stark sei und daß man sie deshalb etwa mit Wasser verdünnen oder abrahmen müsse. Das Wasser sei für die Milchwirthschaft nur da zum Tränken des Viehes, zur gründlichen Reinhaltung aller Geschirre und Gegenstände, die mit der Milch in irgendwelcher Beziehung stehen, und zum Abkühlen der Milch und des Rahmes. Es gebe indeß auch noch eine andere Art von Wasserdoktoren, welche das Wasser wieder aus der Milch heraus und die Fälscher zur sicheren Festnahme bringen. –
Herr Kämmerer Knappich von Türkheim sprach Namens der Versammlung in warmen Worten den Dank für die beiden Vorträge aus und den Wunsch, dieselben möchten bei den Theilnehmern auch die verdiente, nachhaltige gute Nutzanwendung und Wirkung hinterlassen. Die nächste Wanderversammlung des „Vereins schwäbischer Käser“ findet am Sonntag den 24. April, Nachmittags ½ 3 Uhr in Rettenbach statt.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 16 vom 21.04.1892, S. 4:
München. (Ein Kaffeehaus mit Kneipp-Kaffee.) Die vegetarianische Speisehalle „Thalysia“ in der Schommerstraße wird nunmehr in das sehr geräumige und hübsch ausgestattete Paterre-Lokal verlegt und damit der Ausschank von Kneipp'schen Malz-Kaffee zu 10 Pfennig die Tasse verbunden.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 18 vom 05.05.1892, S. 2 (und 19, S. 1 sowie 20, S.2):
Kneipp’sche Wasserheil-Anstalt in Memmingen. Die ganze Einrichtung nach dem neuesten Kneipp'schen System. Jeden Dienstag und Samstag Sprechstunde vom hochw. Hrn. Pfarrer selbst bestens empfohlenen Badearzt. Logie sowie ganze Verpflegung äußerst billigst berechnet. Empfiehlt J. N. Göggel, Besitzer.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 20 vom 19.05.1892, S. 3:
Wörishofen, 17. Mai. Die gestern aus Anlaß des 71. Geburtsfestes S. Hochwürden Hr. Pfarrers Kneipp stattgehabte Feier, nahm unter überaus großer Antheilnahme (sind doch allein an 1400 Kurgäste anwesend) einen überaus glänzenden Verlauf. An die imposante Lampionsovation reihte sich eine Festfeier im Hotel Urban, bei welcher der Kneippverein dem Herrn Pfarrer als Beitrag zum Baue des Kinderhospizes eine Anweisung im Betrage von 8000 Mk. übergab.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 24 vom 17.06.1892, S. 4:
Wörishofen, 12. Juni. In dem Befinden des durch einen Fall zu Schaden gekommenen Hochw. Herrn Pfarrers Kneipp geht es gottlob wieder bester, sodaß derselbe seit Montag wieder seine Sprechstunden aufnimmt. Den zahlreichen Freunden des Herrn Pfarrers, vor allem aber der großen Schaar der Hilfesuchenden wird diese Nachricht hochwillkommen sein.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 35 vom 01.09.1892, S. 2f.:
Wörishofen, 29. Aug. Letzten Mittwoch feierte Herr Pfarrer Kneipp sein 40-jähriges Priesterjubiläum, weshalb alle anwesenden geistlichen Kurgäste den festlichen Anlaß benützten, um dem Jubilar ihre Glückwünsche darzubringen. Abt Rozmanith von Zalavar richtete eine sinnige Ansprache an den edlen Menschenfreund und schloß mit einem kräftigen Hoch aus denselben. Hierauf antwortete Herr Pfarrer Kneipp mit folgenden ergreifenden Worten: Es beschäftigt mich heute recht ernst der Gedanke:
1. Was hast Du für eine Verantwortung für die 40 Jahre?
2. Hast Du gethan, was Du thun solltest?
Hast Du die Gnade benützt oder bist Du an ihr vorübergegangen, wie der Priester und Levit im Evangelium? Uns Priester suchen am meisten auf die Räuber der Seelen, sowie man im Kriege am meisten auf den Feldherrn lossteuert. Nun sind vierzig Jahre vorüber, was habe ich noch vor mir? Alle Tage wird die Verantwortung wachsen und die Kräfte werden schwächer. Habe ich während dieser Zeit etwas geleistet, so rechne ich es einzig und allein der Gnade Gottes zu. Es kam mir der Gedanke, ein Haus zu bauen, wo die Priester zusammenkommen und Sorge tragen können für ihre Gesundheit. Denn wir müssen daran arbeiten, nicht bloß uns zukommen zu lassen, was uns nöthig ist, sondern wir müssen zur Selbsthilfe auch Nächstenliebe haben, die sich an die Gottesliebe anschließt. Es hat letzthin der hochw. Bischof gesagt, daß die Studierenden jämmerlich in die Theologie kommen. Es war in den Fünfziger Jahren besser. Damals hat man von der Nervosität nichts gewußt. Aber ich bin der festen Überzeugung, daß diese Krankheit auch hinausgebracht werden kann unter der studierenden Jugend. Wie dieses Haus für Priester (nämlich das Sebastianeum), so soll das andere (im Bau begriffene Kinderasyl) der Jugend geweiht sein. So ist es in meinem Testamente bestimmt, das ich gestern bereits übergeben habe. Ich habe dieses Kinderasyl gebaut, weil ich der Überzeugung bin, daß die Taubstummen, die Blinden in den jetzigen Anstalten nicht geheilt, sondern nur genährt werden, obwohl Viele von ihnen gerettet werden können. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und bitte Sie um ein Memento in der hl. Messe, damit ich das Werk fortsetzen kann, zu dem mich Gott der Herr bestimmt und bitte, daß Sie mir gut sind. –
Nachmittags fand eine photographische Aufnahme aller Priester mit dem geliebten Herrn Pfarrer zum Andenken an den Festtag statt.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 51 vom 22.12.1892, S. 4:
München, 20. Dez. Herr Pfarrer Kneipp wurde heute nach der ihm gewährten Audienz von Sr. Kgl. Hoheit dem Prinz-Regenten zur Tafel gezogen.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 52 vom 29.12.1892, S. 3:
[Montag, 26.12.] Das Fest des hl. Stephanus brachte für Stephansried das Patrocinium. Es war ein Fest im vollsten Sinne des Wortes. Herr Pfarrer Kneipp hatte die Güte, in seiner Heimathskirche die Feier zu halten durch eine sehr herzliche Predigt. Treue Anhänglichkeit an seinen Geburtsort zeichnet sein edles Herz aus. Der weltberühmte Wohlthäter durch seine Wasserkur konnte nicht kommen, ohne der Kirche ein kostbares Geschenk zu machen; hatte er im vorigen Jahre dieselbe durchaus restaurirt, zwei Meßgewänder geschenkt und sonstige Wünsche erfüllt, so brachte er diesesmal einen neuen, schön gearbeiteten Kelch mit und celebrirte zuerst damit die Frühmesse. Liebe Gäste hatte er in seiner Begleitung und der Hochw. Dominikanerpater Bernhard aus Berlin hielt das Hochamt, unter welchem Herr Lehrer Lipp auf das freundlichste unterstützt von Gesangeskräften aus dem Kloster Wald eine echt kirchliche Messe sehr gut zur Aufführung brachte. Ein barmherziger Bruder war Cäremoniar. Allen sei herzlichst gedankt. Nachmittag fuhren die theuern Gäste zur Besichtigung des schönen Klosters und Gotteshauses Ottobeuren.
Leider verließen die Herrn uns schon am Abende, es waren so schöne, herzerfreuende Stunden gewesen.

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1893

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 4 vom 26.01.1893, S. 4:
Wörishofen, 23. Jan. Aus Anlaß des Namensfestes Seiner Hochwürden Herrn Sebastian Kneipp veranstalteten die zur Zeit hier weilenden Kurgäste, sowie die hiesige Einwohnerschaft Freitag den 20. d. eine hübsche Festfeier. Eingeleitet wurde dieselbe durch ein feierliches Hochamt: nach demselben fand Festzug zum Kinder-Asyl statt, an welchem sich vorauf die Schuljugend, dann der Kneippvereins-Ausschuß, die Gemeinde- und Kirchenverwaltung, sowie die Kurgäste betheiligten. Im Kinder-Asyl fand allgemeine Gratulation statt und schloß sich Mittags ein solennes Festessen im „Gasthof zum Rößle“ an.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 15 vom 13.04.1893, S. 1 (ähnlich auch Nr. 20, S. 1):
Ottobeuren. Georg Mayer, Schuhmacher empfiehlt sein Lager in fertigen Schuhwaaren zu höchst billigen Preisen als:
Arbeitsstiefel Rindleder, stark genagelt von 8 Mark an
Herrenstutzen Kalbleder von 6 Mark an
Damen-Zugstiefel in Kalbleder hochfein von 7 Mark an
„ „ - „ aus Marokkoleder von 5 Mark an
Damen Morgenschuhe mit Zug von 3 Mark an
Halbschuhe zum Schnieren aus Leder von 4,50 Mark an
„ „ aus Zeug von 4 Mark an
Straminschuhe in verschied. Gattungen von 2 Mark an
Kinderschuhe gelb u. schwarzes Leder von 2 Mark an
Schnürstiefel mit Hacken starkes Leder von 3,50 Mark an
Bemerke, daß in Kurzem eine große Partie Sandalen eintrifft, ganz nach Vorschrift des Pfarrer Kneipp gearbeitet. Gefälliger Abnahme sieht entgegen Der Obige.

Dito S. 2:
Für die liebevolle Theilnahme während der kurzen Krankheit, bei dem Leichenbegängniß und beim Trauergottesdienste unseres innigstgeliebten Sohnes und Bruders – Jüngling Joseph Gmeinder, Drechselrssohn von Eldern – sagen wir allen Betheiligten, besonders der Hochw. Geistlichkeit für die Krankenbesuche und Hochw. Hrn. P. Wilhelm für die tröstende Grabrede den herzlichsten Dank und empfehlen den so früh Dahingeschiedenen dem frommen Andenken.
Eldern, den 10. April 1893. Die tieftrauernden Eltern: Mathias und Martha Gmeinder und die Geschwister.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 16 vom 20.04.1893, S. 4:
(Pfarrer Kneipp) hat am 13. ds. in Berlin in der Philharmonie seinen zweiten Vortrag gehalten, mit welchem er sich vom dortigen Publikum verabschiedete. Als der dem Vortrage folgende rauschende Beifall verstummt war, brachte der Vorsitzende des Kneipp-Vereins, Juwelier Große, ein Hoch auf den Pfarrer aus und überreichte ihm auf blausammtenem Kissen einen silbernen Lorbeerkranz. Gerührt dankte der Geehrte. Die Versammlung brach in erneute Hochrufe aus.
Ein großer Theil des Publikums geleitete ihn unter lautem Jubel nach dem Anhalter Bahnhof und wartete dort bis zur Abfahrt des Zuges.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 17 vom 27.04.1893, S. 3:
Wörishofen, 23. April. Herrn Pfarrer Kneipp wurde jüngst in einer medizinischen Zeitschrift Profitmacherei besonders mit seinem Malzkaffee vorgeworfen, dagegen schreibt man nun der „A. Abdzt.“ u. A.:
„Fügen wir dazu, was Hr. Pfarrer Kneipp an Geldunterstützungen, an freiem Essen u.s.w. gibt und in den letzten Jahren gegeben hat, so kann man rechnen, daß derselbe weit über 400,000 Mk. für wohlthätige Zwecke ausgegeben hat, daß er zur Unterstützung seiner Anstalten und zur Ausübung sonstiger Wohlthätigkeit dieses Jahr etwa 50 – 60.000 ausgeben wird. –  
Für sich selbst verbraucht der Hr. Pfarrer noch nicht ¼ seines Pfarrgehalts. Hoffen wir, daß dem guten Herrn noch recht viele Tantiemen und Unterstützungen zufließen werden, denn alles Geld, was Herr Pfarrer Kneipp erwarb und noch erwerben wird, ist – Herr Pfarrer mag mir diese Indiskretion verzeihen –, schon längst testamentarisch lediglich für Unterhaltung seiner Anstalten und zu wohltätigen Zwecken bestimmt.“

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 21 vom 25.05.1893, S. 3:
Ottobeuren. (Pfingsten.) Unser Markt hatte das Glück, am Pfingstmontag [22.05.1893] den Herrn Pfarrer Kneipp wieder in seiner Mitte zu haben. Der Hochw. Herr war von einer Parforce-Reise, wie es seine Art ist, heimgekehrt, hatte Sprechstunden gehalten für seine Patienten, in der Seelsorge gearbeitet mit Beichthören, Predigen und dann war er hieher geeilt, um nachmittags einen höchst lehrreichen Vortrag im Mütter-Verein zu halten. Seele und Leib, körperliche und geistige Gesundheit der Eltern und Kinder bilden den edlen Zweck seiner Bemühungen. Ut sit mens sana in corpore sano (gesunder Geist im gesunden Körper), diesen Spruch der alten Lateiner setzt der Pfarrer-Doktor durch. 1½  Stunden hatte der Vortrag gedauert und der gewandte Redner hätte noch so viel zu sagen gewußt. Abends 7 Uhr hielt er die Maipredigt und beim Abendtisch gefragt, ob er jetzt nicht müde sei, mußte er hell auflachen und sprach:
„Das gibt's nicht, daß ich müde werde, ich bin erst 72 Jahre alt, da wird man noch nicht müde, jetzt ist es mir erst recht wohl“, so scherzte der verehrte Herr. Die gute Wirkung der Wasserkur sieht man am Wasserdoktor selbst, er wandelt als lebendige Empfehlung seines Systems umher.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 22 vom 02.06.1893, S. 3:
Ottobeuren, 1. Juni. Unser Kloster hatte die letzten Tage einen hohen Besuch. Von Wörishofen war Se. Gnaden der Hochwürdigste Herr Johannes Audo, Weihbischof der Patriarchaldiöcese Babylon (Chaldäa, Mesopotamien) hieher gekommen. Der Hochwürdigste Herr ist 36 Jahre alt und 6 Jahre Bischof, er wurde mit 30 Jahren consekrirt (das geringste Alter, das zur Bischofsweihe kirchlich zulässig ist). Er ist geboren in Ninive; 14 Jahre studirte er in Rom an der Propaganda (Collegium für die Verbreitung des Christenthums) und so spricht der Hochwürdigste Herr nicht bloß seine Muttersprache, das Syro-Chaldäische, sondern auch das Lateinische fließend, das Italienische und Französische wie seine Heimathsprache, dazu türkisch, arabisch, hebräisch. Auch das Deutsche hat er schon mit schönem Erfolge in Wörishofen begonnen. Ein Bruder ist Erzbischof, ein anderer Prälat (im Morgenland soviel wie Canoniker, Domherr).

Die Feier der hl. Messe ist natürlich Opfer und Consekration wie bei unserm lateinischen Ritus, nur die Ceremonien sind ganz verschieden, es ist der syrische Gottesdienst in der altsyrischen Sprache. Der hl. Stuhl hat aus Ehrfurcht diesem Lande wie auch den griechischen Katholiken ihren uraltangestammten Gottesdienst gelassen und so ist die Rückkehr zur katholischen Kirche wesentlich erleichtert.
In seiner Diözese, die zur Türkei gehört, ist der Muhammedanismus in der Mehrzahl. Nestorianer wohnen auch dort, d. h. solche Christen, welche nach dem Jrrlehrer Nestorius glauben, in Jesus seien zwei Personen wie auch zwei Naturen sind, anstatt wie die katholische Kirche lehrt, daß in Jesus zwei Naturen zu einer Person vereinigt sind; dazu Monophysiten oder Eutychianer d. h. solche Christen, welche mit dem Jrrlehrer Eutyches lehren, es sei in Jesus nur eine einzige Natur, wie auch nur eine Person. Weil diese beiden Irrlehren sonst lehren wie die katholische Kirche, setzt es manche Disputationen zwischen den Confessionen ab und haben die Katholiken oft schweren Standpunkt.
Bei allen Auseinandersetzungen spitzt sich's zuletzt zu auf den Primat Rom's, d. h. die Anerkennung oder Verwerfung des Papstes. Die Katholiken sind geduldet vom Muhammedanismus, müssen deshalb in Reden über Muhammed sehr vorsichtig sein, um nicht in Verdacht zu kommen und wegen einer schnellen Äußerung oder selbst bloßen Unterlassung einer Titulatur des Muhammed auf's strengste bestraft zu werden, sogar mit Verbannung. Die Christen dürfen in der Türkei keine Militärdienste leisten, außer sie würden Muhammedaner, dafür bezahlen sie Militärsteuer.
Die Schulverhältnisse sind beklagenswerth, nur wenige können lesen und noch weniger haben schreiben gelernt; alle Bemühungen des Hochwürdigsten Herrn waren vergeblich, weil keine Schulpflicht besteht. Die Christen sind arm, das bischöfliche Palais ist ein einstöckiges, enges Haus. Begreiflich deshalb, wenn der Hochwürdigste Herr sich nicht genug wundern konnte über unsere Wohnungs-, Schul-, Kirchen- und Landwirthschafts-Verhältnisse, als er Alles eingehend besichtigte unter der kundigen Führung des H.H. P. Wilhelm, besonders über das großartige Kloster und seine Kirche.
Es ist ein altehrwürdiger Landesstrich Mesopotamien d. h. das Land zwischen Euphrat und Tigris, wo nach alter Tradition das Paradies gewesen, wo einst die gewaltigen Städte und Reiche Babylon und Ninive geblüht (da in unserm Norden nur Urwälder waren und keine Nachricht erzählen kann von Bewohnern hierorts), wo Abraham gewohnt und von wo er nach Palästina geführt worden – das Paradies verschwunden, Babylon und Ninive zerstört, unter dem Schutte begraben und nun wieder sozusagen exhumirt, die Gelehrten buchstabiren an den Keilschriften, was sie wohl erzählen von verschwundener Pracht; eine ganze Kulturperiode steigt aus dem Grabe empor, möchte das Christenthum seinen ganzen Segen darüber ausgießen, mit der katholischen Kirche kann es, soweit es noch möglich ist, wieder ein Paradies werden. Almosen der abendländischen Brüder mögen das Werk fördern.
In Begleitung des Hochwürdigsten Herrn befand sich ein amerikanischer Priester, der in der Rheinpfalz geboren schon als Kind mit seinen Eltern nach Amerika kam; anstrengende Seelsorge nach amerikanischen Verhältnissen machen ihm die Kur in Wörishofen nothwendig. So erzählen bald alle 5 Erdtheile vom Pfarrer-Doktor Kneipp, vom Wasserdoktor in Wörishofen. Sphinxen, Pyramiden und Obelisken dürften dort im Orient bald sein Bild tragen und Kneipp-Kafee empfehlen.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 28 vom 13.07.1893, S. 4:
Wörishofen, 10. Juli. Vergangenen Sonntag Nachts gegen 10 Uhr brannte das zwischen dem Sebastianeum und dem Spediteur Tröber'schen Anwesen gelegene Haus, in welchem sich auch die Redaktion der Kneippblätter befindet, vollständig nieder, und konnte außer dem Vieh nichts gerettet werden. Den anstrengenden Bemühungen der Feuerwehr, die rasch am Platze war und ihr Bestes that, ist es zu danken, daß das Feuer auf seinen Herd beschränkt blieb. Allgemein wird ruchlose Brandstiftung angenommen. (Ein der That verdächtiger junger Mensch wurde festgenommen.)

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 35 vom 31.08.1893, S. 3:
Ottobeuren, 24. Aug. „Was rennt das Volk, was wälzt sich dort die langen Gassen brausend fort?“ Dies Dichterwort fiel uns ein, als heute um die Mittagsstunde Wagen auf Wagen sich folgten, um über 400 Kurgäste von Wörishofen hieher zu bringen. Zuvor hatte ein Extrazug dieselben nach Sontheim geführt, in Stephansried celebrirte H. H. Pfarrer Kneipp in der schön restaurirten Kirche die hl. Messe (vor 41 Jahren war er zum Priester ordinirt worden), hielt eine passende Ansprache und wurde ein ländliches Frühstück genommen. Das Mittagsmahl war auf der „Post“ und dann wurde die schöne Kirche, das imposante Kloster, das reiche Museum besichtigt.
Wohin der H. H. Pfarrer sich begab, folgte die Schaar wie ein riesiger Bienenschwarm. Alles war in Sandalen, möglichst bequemer Kleidung und man konnte sehen, wie man sich der möglichsten Ungezwungenheit, frei von den beengenden Fesseln der Etiquette und Mode, freute. Schon recht früh, ½ 4 Uhr, erfolgte die Abfahrt. Alles war geschehen zu Ehren des H.H. Pfarrers Kneipp, es war sein Triumphzug. Die, wie die Blätter nicht vergaßen nachzudrucken, sonst so stillen Straßen von Ottobeuren waren wieder still geworden, jedoch nicht stiller als anderweitig.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 44 vom 02.11.1893, S. 3:
Ottobeuren, 1. Nov. Eine für die ganze Pfarrei und speziell für den Weiler Stephansried höchst ehrende und freudige Nachricht haben uns die Blätter gemeldet, nemlich [nämlich] S. Heiligkeit der Pabst [Papst] haben huldvollst sich gewürdigt, den H. H. Pfarrer Kneipp zu Seinem „geheimen Kammerherrn“ zu ernennen. Jedermann wird mit dem so von dem Oberhaupte der Katholiken geehrten Hochw. Herrn sich freuen über diese Anerkennung, die ihm geworden. Denn Verdienste um die Kirche hat H. Pfarrer Kneipp, selbstverständlich als Priester, davon soll nicht gesprochen werden und zieht Niemand in Zweifel, aber auch durch die Wasserkur. Wie viele Priester besuchen alljährlich Wörishofen, um von Leiden geheilt zu werden, die sie in aufreibender Seelsorge sich zugezogen haben? Sie gehen geheilt fort, setzen die Kur weiter und bleiben so dem Dienste der Kirche erhalten; sonst wären sie diesem entzogen. Unter diesen Priestern glänzen die höchsten Würdenträger: Cardinäle, Patriarchen, Erzbischöfe, Bischöfe, Äbte, Prälaten. Es sind geistliche Herrn aus aller Herren Länder, Wörishofen ist der internationalste Fleck Erde, Herr Pfarrer versöhnt allen Klassen- und Rassenhaß.
Das Ernennungsdekret ist datirt vom 17. Okt. 1893. Durch dasselbe erhält der neucreirte Kammerherr Seiner Heiligkeit den Titel Monsignore (sprich: Monsiniore), ist zugleich Comes Palatinus, Ritter vom goldenen Sporn und hl. Sylvester und Mitglied der vornehmen Familie (nobile) Sr. Heiligkeit. Sein Cäremonialkleid ist ein violetter Talar (ohne Schleppe), violettes Cingulum aus Seide, Collar, ebensolche Strümpfe, Hut mit violettseidener Quaste und der große Mantel. Sein Privatanzug ist schwarzer Talar mit Einfassung, Knöpfen und Knopflöchern von violetter Seide, Cingulum von violetter Seide und das übrige wie oben. In dem Schreiben aus Rom ist auch angegeben, welche Funktionen der geheime Kammerherr (cubicularius intimus adlectus ad numerum) im Vatikan zu leisten hat, wozu freilich Monsignore Sebastiano Kneipp wenig wird kommen können. Als Ablegatus Apostolicus hat der geheime Kammerherr an die neucreirten Cardinäle das rothe Barett zu überbringen.
Der hl. Vater weiß also auch von der Kneipp-Kur in Wörishofen und wünscht den guten Fortgang derselben. Die Freunde und Pfleger der Wasserkur sind hocherfreut und wir alle gratuliren dem Hochwürdigen, verehrten Herrn zu dieser Würde. Wer hätte je geahnt, daß der arme Weberssohn, der kränkliche Student, der spätere Beichtvater und Pfarrer solche Ehrung erfahren würde? Wer hätte vermuthet, daß aus dem unbekannten, abgelegenen Stephansried ein Monsignore hervorgehen würde? Ehre dem hl. Vater und Glückwunsch dem geheimen Kammerherrn Sr. Heiligkeit.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 50 vom 14.12.1893, S. 4:
Die tückische Influenza tritt wieder an manchen Orten theilweise recht schlimm auf. Demgegenüber ist es von großem Interesse, zu hören, welche Erfolge die Kneipp'sche Wasserbehandlung dieser Epidemie gegenüber erzielt. In dem so eben in Köln erschienenen sehr beachtenswerthen Buche „Für und gegen Kneipp“ schreibt Dr. med. Alfred Baumgarten, Ober-Badearzt und Leiter der Wörishofener Heilanstalten, auf Seite 115 über Fieber-Krankheiten und Influenza Folgendes:
„Bei fieberhaften Krankheiten sind die Anwendungen mit viel größerer Vorsicht auszusuchen und im Ganzen viel mildere angezeigt. Waschungen, Ganz- oder Theil-Waschungen, sind bei diesen Zuständen das erste, was man gebraucht, um den Kranken zu erfrischen und den fieberhaften Zustand herabzustimmen. Wenn man nach der Kneipp'schen Vorschrift einen Influenza-Kranken stündlich mit einer kalten Ganzwaschung behandelt, – rasch in der Anwendung, recht kalt das Wasser, nicht abgetrocknet und sorgfältig zugedeckt – man wird staunen über den wunderbaren Erfolg, den diese lächerlich einfache Anwendung auf den Zustand des Patienten ausübt. Und wenn ich dagegen an das Elend denke, das ich und Andere bei den Influenza-Epidemien, die ich mitgemacht habe, durch mein Antipyrin, Antifebrin und schließlich Calomel-Verordnungen, dabei recht viel starken Wein und Alcoolica, ausgestanden haben, dann weiß ich ganz genau, wie ich mich selbst bei der nächsten Influenza-Epidemie behandeln werde.“

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1894

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 2 vom 11.01.1894, S. 3:
München, 4. Januar. Dem Pfarrer Seb. Kneipp in Wörishofen, B. A. Mindelheim, wurde die Bewilligung zur Führung des Titels eines päpstl. Geheimkämmerers ertheilt.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 7 vom 15.02.1894, S. 2:
Wörishofen. Am 14. Februar hat Herr Prälat Kneipp die Reise nach Rom angetreten, um Sr. Heiligkeit dem Papste für die verliehene Auszeichnung zu danken.
Aus Wörishofen wird berichtet: Die Nachfolge des Pfarrers und päpstlichen Hausprälaten Kneipp in Ausübung seiner Thätigkeit als Wasserheilkundiger gewissermaßen als „Kneipparzt“ hat Wörishofen und Umgebung seit langem beunruhigt. Herr Pfarrer Kneipp ist zwar noch sehr rüstig, aber doch bald schon 73 Jahre alt. Nun ist als Nachfolger Kneipp's Pater Bonifaz Reile vom Orden der barmherzigen Brüder designirt. Reile ist seit mehr als zwei Jahren in Kneipp's Umgebung. Das neuerbaute und eröffnete Kurhaus steht in Verwaltung der barmherzigen Brüder, lieber Mangel an Kurgästen hat auch in diesem Winter Wörishofen nicht zu klagen.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 9 vom 01.03.1894, S. 3f.:
Kaufbeuren, 26. Febr. Dem „Kaufb. Tagbl." wird aus Rom geschrieben: Hr. Prälat Kneipp war schon dreimal bei Sr. Heiligkeit dem Papste, der ihn, seine Gemeinde und sein Wirken segnete. Zu dem am 3. März stattfindenden Krönungsfeste wurde er speziell von Sr. Heiligkeit eingeladen, so daß der Herr Prälat kaum vor dem 6. März wird abreisen können, da er betr. der Kneippkur, die Se. Heiligkeit fortsetzen will, noch verschiedene Anordnungen zu treffen hat. Auch die Reisebegleiter Kneipp's, darunter die Herren Badebesitzer Geromüller [korrekt: Ludwig Geromiller] und Kreutzer [korrekt: Fidel Kreuzer], sind der Ehre einer Audienz beim hl. Vater theilhaftig geworden. Dieselbe fand im kleinen Thronsaale des Vatikans statt, und gab bei dieser Gelegenheit Se. Heiligkeit wiederholt der Freude über die Erfolge und das Wirken Kneipp's lebhaften Ausdruck. Herr Prälat Kneipp, der außer Sr. Eminenz Cardinal Monako noch mehrere Cardinäle behandelt, war letzten Mittwoch beim österreichischen Botschafter zum Diner geladen, woselbst er einen Vortrag für Montag zusagte. Mehrere Fürsten, Grafen und die Spitzen der Geistlichkeit bezeugen dem Herrn Prälaten ihre besonderen Sympathien.
Die Gründung eines eigenen Kneippvereins in der ewigen Stadt ist im besten Zuge. Dem vorläufigen Comite präsidiren ein Graf, ein hoher Geistlicher und eine Gräfin. Am Dienstag hält Kneipp einen Vortrag im Interesse und zu Gunsten des vorhabenden Vereines. So hält denn die Wörishofener Wasserkur ihren Einzug auch in der berühmtesten Stadt der und der Christenheit!

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 11 vom 15.03.1894, S. 3:
Wörishofen, 11. März. Am 7. ds., Abends 8 Uhr, traf Pfarrer Kneipp von seiner Romreise wieder hier ein; eine zahllose Menschenmenge begleitete ihn durch das Dorf. Schon im Laufe des Nachmittags waren 12 Bürgerssöhne [unter Anführung durch Augustin Scharpf vom „Geberlebauernhof“] nach der Station Buchloe geritten, wo Kneipp, laut Telegramm, um 6 Uhr eintreffen mußte. Von dort aus begleiteten dieselben die Chaise Kneipp's hierher. Nachdem Kneipp an der Klosterpforte abgestiegen war, hielt er eine Ansprache, in welcher er unter Anderem sagte: „Von meiner Reise kann ich an dieser Stätte nicht erzählen, ich werde es aber morgen thun, wie es mir der heilige Vater selbst aufgetragen Sonntags noch machte ich einen Besuch bei ihm, der eine Stunde dauerte und er legte mir besonders ans Herz, für die Meinen zu leben. Es drängte mich wieder, zu Euch zurückzukehren. Heute noch sollte ich einen anderen Besuch machen, aber wenn man mir auch 1000 Mark auf den Tisch gelegt hätte, ich würde meine Abreise um keine Stunde verzögert haben.“

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 17 vom 26.04.1894, S. 3:
Wörishofen, 20. April. Der Radfahrerverein Wörishofen veranstaltet Sonntag und Montag den 13. und 14. Mai sein Stiftungsfest mit Bannerweihe. Gleichzeitig wird das erste schwäbische Unionsfest pro 1894, gegeben vom Radfahrerverein und Consulat Wörishofen, u. v. Hauptconsulat Schwaben der A.R.-U. [„Allgemeine Radfahrer-Union“] in Bad Wörishofen abgehalten. Das sehr reichhaltige Programm weist u.a. für den zweiten Tag Nachmittags 4 ¼ Uhr einen Vortrag Sr. Hochwürden Herrn Prälaten Kneipp über den gesundheitlichen Werth des Radfahrens auf.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 25 vom 21.06.1894, S. 6, Werbung (auch in Nr. 28, 29, 31 und 37):
Verlag der Jos. Kösel'schen Buchhandlung in Kempten. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- u. Auslandes.
Pflanzen-Atlas zu Seb. Kneipp’s Schriften.
Ausgabe I in eins. Lichtdruck. In 6 Lieferungen à 60 Pfg. oder compl. brach. Mk. 3.60, in Ganzleinwand gebunden Mk. 5.20.
Ausgabe II in Farbenlichtdruck. In 8 Lieferungen à 1 Mk. oder compl. broch. Mk. 8.—, in Ganzleinwand gebd. Mk. 10.—
Ausgabe III schwarz in Holzschnitt. Preis broch. 80 Pf., in Ganzleinwand gebd. Mk. 1.20.
Für Jeden, der sich selbst an der Hand der Kneipp'schen Bücher eine kleine Hausapotheke suchen und zusammenstellen will, ist dieser „Pflanzen-Atlas“ unentbehrlich. Ein ausführlicher Prospekt über denselben mit Probe-Abbildungen aller drei Ausgaben ist gratis und franko durch jede Buchhandlung oder direkt von der Verlagshandlung erhältlich.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 32 vom 09.08.1894, S. 2f.:
Ottobeuren, 5. August. Die schon früher angekündete Primizfeier des H. H. Joseph Mägerle, ehemals Zögling des hiesigen Instituts, fand heute bei günstigstem Wetter statt. Früh morgens 5 Uhr verkündete die Hosanna das freudige Ereigniß und ein schönes Morgenständchen Klang hinaus in den thaufrischen Morgen. Viele Auswärtige hatten sich gesammelt, da um ½ 9 Uhr der H. H. Primiziant feierlich abgeholt wurde. Im großen Refektorium trug ein Zögling ein Gedicht vor, die Schuljugend eröffnete den schönen Zug. Der Hochwürdige Herr Pfarrer von Wörishofen, Monsignore Kneipp geleitete den H. H. Primizianten: die Prälatenkleidung steht ihm so malerisch schön. Er hatte hohe Gäste mitgebracht, einen Domherrn von Salzburg, einen Universitätsprofessor von Wien, einen Domvikar und Domprediger von Trier, den Sekretär Sr. Eminenz des Cardinals von Prag, einen Lazaristenmönch aus Ungarn. Die Stelle des bei den Ottobeurern allgemein in gutem Andenken stehenden Pfarrers von Arnach, welcher wegen Krankheit verhindert war, zu der Primizfeier zu kommen, vertrat Herr Pfarrer von Röthenbach bei Wolfegg. – Herr Prälat Kneipp hielt mit bewunderungswürdig kräftiger Stimme die Festpredigt über das Thema: „Der neugeweihte Priester hat Freude und spendet Freude,“ er war tief ergriffen, da er der verstorbenen Eltern des Primizianten gedachte und der Sorgen unter welcher derselbe seine Studienzeit zurücklegen mußte. Der Hr. Primiziant sang sicher, kräftig, klangvoll sein Hochamt. Das Mittagsmahl in dem sie ihr schön geschmückten Saale der Post vereinigte die Gäste und schöne, sinnige Lieder erquickten Geist und Herz. Obwohl der H. H. Primiziant nur wenig bekannt gewesen, waren doch recht schöne Präsente ihm überreicht worden : so recht ein Beweis, wie die Gläubigen den Priester ehren und in ihm ihren wahren Wohlthäter und Segenspender erblicken. Der Abend entführte nur zu früh Herren Prälaten Kneipp mit seinen liebenswerthen Gästen.
https://www.ottobeuren-macht-geschichte.de/items/show/347

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 51 vom 20.12.1894, S. 3:
Wörishofen, 16. Dez. Am letzten Montag ist Se. k. k. Hoh. Erzherzog Joseph von Österreich wieder von hier abgereist. Der hohe Herr begab sich von hier aus nach Regensburg zu seiner Tochter, der Fürstin Thurn und Taxis. Sein hiesiger Aufenthalt dauerte ungefähr 5 Wochen; die Wasserkur ist demselben außerordentlich gut bekommen. Der hohe Herr erwarb sich dahier durch sein freundliches und herablassendes Wesen allgemeine Sympathie.
Sein Absteigequartier war das Dominikanerinnenkloster hier. Für die neue sehr schöne Hauskapelle der barmherzigen Brüder im Curhause stiftete derselbe einen hübschen Kronleuchter. Außerdem zeigte sich der hohe Herr auch als ein großer Wohlthäter der Armen. Herr Prälat Kneipp sagte im gestrigen Vortrage im Haggemüller'schen Saale von ihm, daß „er ein Mann sei, der das Herz am rechten Flecke habe.“ –  
Gegenwärtig befinden sich hier noch circa 400 bis 500 Curgäste aus allen Ständen, Hoch und Nieder, Arm und Reich; alle möglichen Arten von Kranken kann man sehen. Alles will Hilfe bei Herrn Prälat Kneipp finden. Die Witterung ist gegenwärtig auch immer ganz günstig.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 52 vom 27.12.1894, S. 6:
Pfarrer Kneipp's Speisezettel für Kinder. Das „Linzer Volksblatt" schreibt: Vor einigen Wochen richtete eine österreichische Erzherzogin an Herrn Pfarrer Kneipp das Ersuchen um Zusammenstellung eines Speisezettels für ihre Kinder. Daraufhin verfaßte Pfarrer Kneipp wörtlich folgenden Speisezettel:
Zum Frühstück: Malz in Milch gekocht mit Chokolade, oder „Kraftsuppe“ (aus schwarzem Brot bereitet). Abends: Kraftsuppe oder eine andere kräftige Suppe; Reis-, Gries-, Sagosuppe sind auch gut. –  
Mittags: Nur dicke Suppe, Gemüse, wenig Fleisch, womöglich nur Rindfleisch mit wenig Salz und Gewürz. Mehlspeise von Naturmehl. –
Während des Tages: Am Morgen ein Stück Kraftbrot und einen Apfel ( mit der Schale zu essen) nachmittags ein Kraftbrot und ein Gläschen Zuckerwasser 6 bis 8 Löffel voll. —
Zu vermeiden ist: viel Gewürz, stark Gesalzenes und stark Gesäuertes. Milch nur in kleinen Portionen mit Schwarzbrot, bei Durst ist gestockte Milch zu empfehlen. Wein und Bier gar nicht. Zum Trunk „Gott Vaters Getränk" (das heißt Wasser.) „Lebens-Süßigkeiten" sollen die Kinder nicht kennen lernen, Kaffee und Thee sind für Kinder doppelt Gift.

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1895

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 3 vom 17.01.1895, S. 2:
Wörishofen, 13. Jan. Die Feier des Namensfestes des hochw. Herrn Prälaten Seb. Kneipp findet Samstag den 19. Januar in solenner Weise statt. Nachmittags um 3 Uhr; Versammlung im Wandelsaale des Kurhauses, und daselbst Festakt, wozu alle Kneipp-Vereins-Mitglieder, alle P. T. Kurgäste und alle Einwohner von Wörishofen zu zahlreichem Erscheinen eingeladen werden. Sonntag den 20. Januar Vormittag ½ 9 Uhr öffentlicher Festgottesdienst mit Te Deum.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 8 vom 21.02.1895, S. 6 (auch in Nr. 12, 17 und 23):
Betreff: Kathreiners Kneipp-Malz-Kaffee.
Eine Täuschung desPublikums!
An Stelle unseres Kneipp-Malzkaffees wird den Consumenten häufig minderwerthige Waare verabfolgt. Diese gelangt entweder lose oder in einer der unserigen ähnlichen Packung in den Handel. – Der durch deutsches Reichspatent gesetzlich geschützte Kathreiner's Kneipp-Malzkaffe, welcher nach einem einzig und allein uns zustehenden Rechte mit Kaffeegeschmack versehen ist, wird niemals offen ausgewogen verkauft, sondern nur in 1/1  und ½  Pfd.-Packeten, welche mit Plombe verschlossen sind und als Schutzmarke: „das Bild des Herrn Prälaten Kneipp“ und den Namen „Kathreiner" tragen. Wir sehen uns zu dieser Erklärung genöthigt, um einer Verwechslung und falschen Beurtheilung unseres Fabrikates vorzubeugen und bitten daher beim Einkauf stets auf unsere oben näher bezeichnete „Schutzmarke“ und den Namen „Kathreiner“ achten zu wollen.
Kathreiners Malzkaffe-Fabriken.

Pdf 65: Dekorative Kathreiner-Werbung – ggf. nehmen! (vgl. pdf 146)
Ottobeurer Wochenblatt Nr. 11 vom 14.03.1895, S. 5:
Urtheile über Kathreiner’s Kneipp-Malzkaffee
Dr. M. Mannsfeld, Director der Untersuchungsanstalt für Nahrungs- und Genußmittel in Wien:
„... Es muß auch hervorgehoben werden, daß das Aussehen dieses Malz-Kaffees ein sehr appetitliches ist, und daß vermöge der Beschaffenheit des ganzen Kornes eine Verfälschung nur schwer möglich ist. Im Vergleiche mit anderen Surrogaten gebührt „Kathreiner's Kneipp-Malz-Kaffee“ jedenfalls der erste Platz und hat derselbe insbesondere den Vorzug, daß darin eine Summe wirklicher Nährstoffe enthalten ist, welche anderen Zusatzmitteln, insbesondere der Cichorie, fehlen etc.“
Prof. Dr. Hofmann, Hygienisches Institut der Universität Leipzig:
,,... Unter allen diesen (Kaffee-)Ersatz-Mitteln nimmt der Malz-Kaffee von Kathreiner weitaus die erste Stelle ein, da ihm entsprechend dem patentirten und höchst rationellen Verfahren Eigenschaften innewohnen, welche andere Kaffee-Surrogate niemals erlangen können. —
Der Malz-Kaffee ist leicht transportfähig und kennzeichnet schon durch seine äußere Beschaffenheit auch dem kaufenden Publikum die völlige Reinheit und Gleichmäßigkeit des Produktes. Hierdurch erlangt der Kathreiner'sche Malzkaffee einen Gebrauchswerth, wie er keinem Surrogate eigen ist. Es gibt kein Kaffee-Surrogat, welches entsprechend seinen Rohmaterialien und seiner Herstellungsweise mit diesem Malzkaffee sich messen könnte etc.“

Pdf 100: Dekorative Malzkaffee-Werbung – ggf. nehmen (vgl. pdf 112, 115, 138, 174, 211, 247, 289)!
Ottobeurer Wochenblatt Nr. 17 vom 25.04.1895, S. 2:
Wörishofer Malzkaffee von Forster & Bäuerle Memmingen
ist vom Kneippverein empfohlen, hat Aroma und Geschmack des Bohnenkaffee nach eigenem, neuem Verfahren imprägnirt.
Zu haben bei:
Julius Beck, Apotheker.
Franz Sales Epple, Bäcker u. Spezereihandlung.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 18 vom 02.04.1895, S. 3:
Wörishofen, 26. April. Wie wir hören, hat sich ein Comitè gebildet, welches sich den schönen Zweck gesetzt hat, ein Denkmal an der Geburtsstätte des Hochw. Herrn Prälaten Kneipp zu errichten. Damit Reich und Arm sich an der Erfüllung des schönen Gedankens betheiligen kann, sollen Sammellisten ausgelegt werden und alle Namen der Spender sollen in einer Adresse feierlich bei Enthüllung des Denkmals am Bartholomäitage, 24. August ds. Js., in Stephansried dem Herrn Prälaten überreicht werden.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 19 vom 09.05.1895, S. 3:
Wörishofen. Im Anschluße an unsere Notiz vom 26. April sehen wir uns heute in die Lage versetzt, mitzutheilen, daß der Plan zum Denkstein in Stephansried vereitelt wurde. Herr Prälat Kneipp, der selbst bekanntlich keine Zeitungen liest, hat auf seiner Reise von Fremden diese Nachricht erfahren.
Selbstverständlich sträubt sich sein bescheidener Sinn dagegen und er hat sich die Ausführung des Projektes bereits verbeten.
— Das Comite hat auf diesen Wunsch den schönen Gedanken aufgegeben. Die Begeisterung der Kurgäste für diese Idee, als sie in Abwesenheit des Herrn Prälaten bekannt gegeben wurde, war eine so allgemeine, daß diese den Comitemitgliedern immer eine angenehme Erinnerung bleiben wird.

dito: Ottobeurer Wochenblatt Nr. 19 vom 09.05.1895, S. 5:
Eine Sparkasse ist Kathreiner’s Kneipp-Malzkaffee für jede Familie, die ihn trinkt. Beweis:
Gebrannter Bohnenkaffee kostet im Detail per Pfd. Mk. 1.50 bis 2.20. Kathreiner’s Kneipp-Malz-Kaffee per Pfd. höchstens 45 Pfg.
Kathreiner’s Kneipp-Malz-Kaffee zur Hälfte mit Bohnen-Kaffee gemischt, richtig zubereitet, schmeckt besser und ist gesünder, wie Bohnenkaffee allein.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 20 vom 16.05.1895, S. 3:
Wörishofen, 8. Mai. Eine vegetarianische Restauration nebst „Kneipp-Caffee“ wird demnächst hier eröffnet. Herr Eduard Bauer, Besitzer der „Thalysia“ in München, ist der Errichter derselben. Herr Bauer hat die Parterre-Räumlichkeiten der Vorderfront der neuerbauten Villa der Baronin Kleber, auf dem Kreuzer'schen Promenadeplatze, gemiethet und zu diesem Zwecke eingerichtet.

dito: Wörishofen, 13. Mai. Am 16. Mai wird Seb. Kneipp's Geburtstag wie alle Jahre wieder durch Festzug, Ovation, Festreden, Konzerte, Illumination, Feuerwerk etc. etc. gefeiert. Hiezu hat Pyrotechniker Heinr. Burg's Nachfolger in München den Auftrag erhalten, ein größeres Feuerwerk zu liefern, das großartig zu werden verspricht.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 28 vom 11.07.1895, S. 3:
Wörishofen, 6. Juli. Heute fand die Beisetzung der Leiche der am 4. ds. verstorbenen wohlehrwürdigen Frau Priorin des hiesigen Dominikanerinnenklosters Maria Augustina Müller unter zahlreicher Betheiligung von Leidtragenden aus allen Ständen von Nah und Fern in der Klosterkirche statt. Hochw. Herr Prälat Kneipp, welcher die Verblichene während seiner langen Amtsjahre gekannt, hielt die feierliche Leichenrede und dieses Mal des großen Andranges wegen nicht wie üblich, an der Grabesstätte, sondern auf der Kanzel. Redner gibt ein kurzes Lebensbild der Entschlafenen. Von den 72 Lebensjahren, welche sie erreicht, verbrachte sie 52 im Ordensstande und stand seit September 1855 der Klostergemeinde als Priorin vor. Bei ihrem Antritte dieses schweren Amtes fand sie 18 Schwestern und nur wenig Zöglinge. Heute betrauern sie 48 Klosterfrauen und über 100 Zöglinge und Waisen. Allen ihr Anvertrauten war sie liebevolle Muter und Beratherin und den Armen der Gemeinde und den nothbedürftigen Curgästen nicht weniger eine sorgsame Mutter. Manche Dankesthräne wird ihr nachgeweint und wenn sie auch verdiente Anerkennung im Leben genoß, so wollen wir doch hoffen, daß sie den schönsten Lohn ihrer guten Thaten dort oben im Jenseits genieße. Möge sie ruhen im Frieden!

dito: Ottobeurer Wochenblatt Nr. 28 vom 11.07.1895, S. 3:
Wörishofen, 6. Juli. Von hier wird gemeldet, daß Erzherzog Joseph von Oesterreich, der als großer Verehrer der Kneipp'schen Heilmethode jedes Jahr dorthin kommt, für den Bau der elektrischen Lokalbahn Türkheim - Wörishofen allein 70.000 M. zeichnete.

dito: Ottobeurer Wochenblatt Nr. 31 vom 01.08.1895, S. 4:
Große Heiterkeit erregte in Miesbach ein schlichtes Bäuerlein am oberen Marktplatz. Dasselbe hatte am Sonntag des „Guten“ zu viel gethan, worauf er sich (um den weiten Heimweg zu ersparen) in der Nähe des Waitzinger Lagerkellers dem Schlafe des Gerechten hingab. Doch welch' ein Erwachen! Er mußte eben bemerken, daß ihm sein Hut, seine Joppe, sogar seine Schuhe von einem Unbekannten vom Leibe gestohlen waren. Als unfreiwilliger Kneippianer begab er sich ins Haindl-Gasthaus, wo ihn der Hausmeister, darauf aufmerksam machte, daß ihm auch die Uhr gestohlen sei. Tragikomisch war nun seine Äußerung, da er meinte: „Jetzt woaß i ohne Uhr a, wieviel daß 's g'schlag'n hat.“

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 33 vom 16.08.1895, S. 3:
Ottobeuren, 15. August. Wir hatten das Glück, am heutigen Feste hohe Gäste in unserer Mitte zu sehen, welche den Gottesdienst abgehalten haben. H. H. Prälat Kneipp hielt in seiner großen, pietätsvollen Anhänglichkeit an die Heimat in unserer Kirche die Festpredigt und S. Gnaden H. H. Weihbischof Katschthaler von Salzburg das Pontificalamt. Herr Direktor des Georgianums in München Dr. Andreas Schmid hielt die feierliche Vesper und Procession, der als fleißiger Kneippianer alljährlich Wörishofen besucht, sowie sein Bruder, H. H. Universitätsprofessor Ritter Dr. v. Schmid Aloys, welcher gleichfalls in Begleitung des H. H. Prälaten erschienen war mit dem Lazaristenpater Nachtigall. Schon der Nachmittag entführte die hochgeehrten Gäste, denen ein herzliches „auf Wiedersehen“ zugerufen wurde.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 35 vom 29.08.1895, S. 3:
Ottobeuren, 22. Aug. Der in den Blättern gemeldete Besuch aus Wörishofen (200 an der Zahl) war zur ungetheilten Freude wirklich heute eingetroffen. H. H. Prälat Kneipp war mit einigen H. H. Geistlichen bereits den Abend zuvor in Stephansried eingetroffen und in der lieben Heimath übernachtet. Donnerstag früh feierten die hochw. Herrn die hl. Messe, woran H. Prälat eine herzliche Ansprache knüpfte, darauf folgte das Frühstück nach Kneipp-Rezept. Nun ging es Ottobeuren zu, Kirche und Kloster mit ihren Kunstschätzen, das reichhaltige Museum wurden eingehend besichtigt, das Mittagsmahl eingenommen und abends 6 Uhr kehrten die werthen Besucher hochbefriedigt nach Hause. Einige Herrn hatten den Weg von Wörishofen nach Ottobeuren vollständig zu Fuß zurückgelegt. Respekt! Bravo!

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 37 vom 12.09.1895, S. 6:
Wörishofen, 6. Sept. Ganz unerwartet für die hiesigen Kurgäste wurde v. Woche Wörishofen durch den hohen Besuch Sr. bischöflichen Gnaden des Hochwürdigsten Herrn Bischofs von Augsburg beehrt. Der Zweck dieses Besuches war die Installation der Ehrwürdigen Oberin der hiesigen Dominikanerinnen, Schwester Maria Alberta Hörmann, welche der kürzlich verstorbenen ehemaligen Oberin Frau Augustine in ihrem Amte folgte. Der Hochwürdigste Bischof wurde von Hrn. Prälat Kneipp in Türkheim abgeholt und in einem mit Guirlanden gezierten Wagen nach unserem Kurorte geleitet. Durch einen aus Tannenreis und Blumen gewundenen Triumphbogen machte der Kirchenfürst seinen Einzug in den Klosterhof, wo er von bekränzten Bürgersmädchen im Sonntagsstaat empfangen wurde.
Eine große Menge von Kurgästen fand sich ebenfalls ein und und empfing knieend den bischöflichen Segen. Im Kloster selbst folgte feierlicher Empfang mit Gesang und Deklamation von Seite der dortigen Zöglinge.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 39 vom 26.09.1895, S. 3f.:
Eine lustige Malzkaffee.Geschichte, angestiftet von einem Witzbold gelegentlich eines Ausfluges eines Münchener Gesangvereines auf den Schafberg, hat zuerst in der „Neuen Züricher-Zeitung“ Aufnahme, und von da aus den Weg in eine Reihe von Zeitungen gefunden. Darnach hätte Commerzienrat X., Chef der Münchner Malzkaffee-Fabriken, über sein eigenes Fabrikat, das man ihm ohne sein Wissen als Frühstück vorgesetzt, zum Gaudium aller Ausflugstheilnehmer sich in drastischen Ausdrücken ergangen.
Wie uns nun von beteiligter Seite mitgetheilt wird, ist diese Geschichte vollständig erfunden. Der betreffende Commerzienrath trinkt Kathreiner's Kneipp-Malzkaffee, der übrigens eine derartige Kritik nicht ermöglicht hätte, seit Jahr und Tag pur, so daß er zu einem solchen „Reinfall“ an und für sich nicht kommen konnte. Die That des Witzboldes besteht also nur darin, einem Zeitungskorrespondenten die lustige, aber erfundene Geschichte als wahr aufgebunden zu haben.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 42 vom 17.10.1895, S. 4:
Wörishofen, 9. Okt., Neue glänzende Erfolge der Kneippkur. Prinz Heinrich von Bourbon, k. Hoheit, welcher voriges Jahr so leidend hieherkam, daß er sich zur Fortbewegung eines Fahrstuhles bedienen mußte, hat durch die Kneipp'schen Wasseranwendungen seine Gesundheit in dem Grade wiedererlangt, daß er in den letzten Tagen nicht nur größere Strecken mit dem Fahrrad, wie z. B. Nach Augsburg, zurücklegte, sondern letzten Sonntag eine Reise per Veloziped [Fahrrad] nach München unternahm.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 47 vom 21.11.1895, S. 7:
Wörishofen, 14. Nov, (Orden.) Dem Prälaten Sebastian Kneipp wurde vom Patriarchen von Jerusalem das Komthurkreuz des Jerusalemordens verliehen.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 48 vom 28.11.1895, S. 3f.:
Ottobeuren, 26. Nov. – Hoher Besuch. – Daß unser altehrwürdiges Stift und Gotteshaus seine Anziehungskraft, selbst in weitere Fernen, noch immer nicht verloren hat, zeigt der Hohe Besuch der fürstlich-vornehmen Gäste, welche der schöne Wintertag uns heute von Wörishofen her zugeführt hat. Zwei hocherlauchte Sprossen des österreichischen Kaiserhauses, die k. k. Hoheiten, Erzherzog Joseph, General der Kavallerie in Ungarn, und hochdessen Sohn Erzherzog August, Oberlieutenant in Mähren und Schwager Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Leopold von Bayern, beehrten nämlich heute in Begleitung eines Missionspriesters aus Ungarn, das hiesige Stift mit ihrem hohen Besuche, besichtigten sehr eingehend die reichhaltigen Sammlungen des Museums und bekundeten dabei namentlich für die staunenswerte Conchyliensammlung lebhaftes Interests, da die k. k. Hoheiten selbst auch eine ähnliche naturwissenschaftliche Sammlung besitzen, waren sodann sichtlich überrascht von der überwältigenden Größe und Pracht des Gotteshauses und entzückt ob der mächtig hinbrausenden, hinflutenden Tonwellen der vielgerühmten großen Orgel, statteten dann auch dem traulichstillen Heiligthum am Tannwaldsaume, unserer schönen Lourdes-Grotte einen Besuch ab und machten einen Rundgang durch den Markt.
Des anderen Tages begaben sich die Kaiserlichen Hoheiten nach Klosterwald und Stephansried und kehrten von dort zu weiterem Kurgebrauche nach Wörishofen zurück. Das einfache, schlichte, leutselige Wesen, die tiefreligiöse gläubige Gesinnung solcher Herrschaften, die auf den Höhen der Gesellschaft zu wandeln berufen sind, berührt doppelt wohlthuend in unseren Tagen der zunehmenden religiösen Gleichgiltigkeit und des hochfahrenden Stolzes auf vermeintliche oder wirkliche Größe. Vivant sequentes !

Erzherzog Joseph ist bereits im Jahre 1893 durch die Kneippsche Heilmethode von schwerem Ischias-Leiden (eine gichtartige Krankheit, Gelenkrheumatismus) gründlich geheilt worden und besucht seidem aus hoher Verehrung für den gottbegnadeten Meister im Priestergewande alljährlich den Kurort Wörishofen – wie wir wissen, steht Monsignore Kneipp beim Kaiserhause Habsburg hoch in Gnaden – studiert dort mit steigendem Interesse das Kneippsche Heilverfahren und hat demselben in Österreich vermöge seines persönlichen Einflusses offizielle Duldung und Verbreitung verschafft trotz aller entgegenstehender staatlicher Verordnungen.
Um den Kurort Wörishofen durch mannigfache Förderung der Interessen desselben hochverdient, besonders auch durch die mit wahrhaft fürstlicher Munifizenz [Freigiebigkeit] gemachte Zeichnung einer hohen Summe für den Bau der elektrischen Eisenbahn Türkheim-Wörishofen, ist Seine Kaiserliche Hoheit vor kurzem in der Generalversammlung des Central-Kneippvereins Wörishofen öffentlich und feierlich per acclamationem zum Ehrenmitgliede dieses Vereins ernannt und ihm hierüber ein prachtvolles Diplom überreicht worden. Gott schütze das Haus Habsburg!

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1896

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 4 vom 23.01.1896, S. 4:
Wörishofen, 19. Jan. Heute Nachmittag fand dahier in der großen Wandelbahn des Kurhauses unter außerordentlicher Antheilnahme der Einwohnerschaft und der Kurgäste zu Ehren des morgigen Namensfestes des Hochw. Hrn. Prälaten Sebastian Kneipp ein Festakt statt. Musikpiecen der hiesigen Musik-Gesellschaft und poetische Vorträge von Schulkindern und Pfleglingen des Kinderasyls eröffneten die Feier. Die Glückwünsche des Kneippvereins brachte an Stelle des durch Krankheit verhinderten 1. Vorstandes, Hrn. Pfarrers Stückle von Mindelau, Herr Buchhändler Huber von Kempten dar, worauf Herr Prälat Kneipp in längerer Ansprache dankte.
Schließlich brachte noch ein hier zur Kur weilender Ordensgeistlicher die Glückwünsche des Kurpublikums in beredter Weise zum Ausdruck. An diese schöne Feier reihte sich sodann ein Konzert mit Abendunterhaltung im Hotel Gary an, wobei auch Herr Prälat Kneipp auf kurze Zeit erschien. Morgen Vormittag ist Festgottesdienst und Mittags Festdiner im Hotel Luitpold. –  
Die Zahl der Kurgäste dahier beträgt die für die jetzige Jahreszeit gewiß außerordentlich hohe Ziffer von ca. 700. Zur Zeit weilt hier unter anderen hervorragenden Persönlichkeiten als Kurgast der griechisch-schismatische Patriarch von Cäsarea in Cappadocien. Die Vorarbeiten zur Einführung des elektrischen Lichtes sind nunmehr soweit gediehen, daß schon in ca. 8 Tagen unser Kurort in der neuen Beleuchtung erstrahlen wird. Kein einigermaßen hervorragendes Gebäude wird dieselbe entbehren und sind bereits über 1000 Flammen abonnirt.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 5 vom 30.01.1896, S. 5 (auch in Nr. 11; vgl. auch in Nr. 21):
[Dekorative Werbung für „Wörishofer Malzkaffee“ – halb mit Bohnenkaffee vermischt – aus der Memminger Malzkaffeefabrik Forster & Bäuerle, zu haben in der Bäckerei und Spezereihandlung von Franz Sales Epple.]

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 17 vom 23.04.1896, S. 6:
Wörishofen, 13. April. Der Grundplan des neuen Bahnhofes wurde am 6. ds. M. ausgesteckt und mit den Bauarbeiten am 7. d. M. begonnen. Man hofft, daß der neue Bahnhof bis zum 15. Mai l. Js. der öffentlichen Benützung übergeben werden kann. — Prälat Kneipp hat sich letzten Mittwoch durch Erkältung einen leichten Rheumatismus zugezogen und war in Folge dessen verhindert, seine allabendlichen Vorträge in der Wandelbahn zu halten. Dr. Baumgarten erklärt, daß die Erkrankung des Vaters Kneipp keine Bedeutung habe, daß jedoch bei dem hohen Alter des Prälaten Vorsicht und Schonung am Platze sei.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 18 vom 30.04.1896, S. 4:
Aus Wörishofen wird der „Augsburger Postzeitung“ geschrieben: Herr Prälat Kneipp war jüngst durch ein kleines Unwohlsein verhindert, Vorträge zu halten. Als er wieder vor seinem ihn mit Hellem Jubel begrüßenden Curpublikum erschien, erzählte er demselben, daß er während der verflossenen Tage so recht über Wörishofen nachgedacht habe und was ihn dabei sehr bekümmere, sei die jetzige ungemein große Bauthätigkeit. Jeder Winkel werde ausgenutzt zum Bauplatz und gar viele Neubauten zur Errichtung von Ladenlokalen. Voll Ernstes mahnt er, die Spekulation aus Wörishofen einzustellen. Sie deute jedenfalls auf ungesunde Spekulation und die Geschäftsleute fänden nimmer ihre Rechnung auf die Dauer. Deshalb mahne und warne er sehr und drücke auch seinen gerechten Unwillen über die Spekulationswut aus.
Es ist in Wörishofen für 4 - 5000 Kurgäste Platz vorhanden und das genügt. Wenn Wörishofen auch ganz sicher seine Zukunft habe, so sei es doch zweifelhaft, ob sich die jetzige Frequenz immer erhalten werde, weil sich die auswärtigen Wasserheilanstalten alljährlich vermehren. Er wünsche nichts sehnlicher, als daß Wörishofen recht einfach bleibe und daß hier die Kurgäste genau nach seiner Vorschrift leben könnten.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 27 vom 02.07.1896, S. 2:
Wörishofen, 29. Juni. (Staatsminister Frhr. v. Feilitzsch) traf gestern hier ein, um die dortigen Kur- und Krankenanstalten zu besichtigen und von den gemeindlichen Verhältnissen Einsicht zu nehmen. Nach einem Besuche des Bürgermeisters in der Gemeindekanzlei und des Prälaten Kneipp wurden in Begleitung des Letzteren und des Bezirksamtmannes von Mindelheim das Kinderasyl, das Kneippianum und das Sebastianeum, sowie die Waisenanstalt in dem Dominikanerinnen-Kloster in Augenschein genommen. Abends kehrte der Minister über Mindelheim, wo ein kurzer Aufenthalt stattfand, nach München zurück.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 33 vom 13.08.1896, S. 3:
Wörishofen. Ihre k. k. H. H. Herzog von Parma mit Gemahlin und 10 Prinzen und Prinzessinnen sind mit Gefolge und Dienerschaft zur Kur dahier angekommen und haben im Bad-Hotel Kreuzer Absteigequartier genommen. Einige Prinzen und Prinzessinnen sind jetzt zum zweiten und dritten Male während des Sommers hier zum Kuraufenthalt und ist es eine Freude, zu sehen, wenn die hohe Gesellschaft barfuß einher geht, ein Zeichen, daß die hohen Herrschaften die Abhärtungsmittel recht zu schätzen wissen.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 34 vom 20.08.1896, S. 3:
Wörishofen, 17. August. Unsere elektrische Lokalbahn Wörishofen - Türkheim ist vorgestern eröffnet und dem allgemeinen Verkehr übergeben worden. Es verkehren täglich je 8 Züge hin und zurück und ist somit allen Anforderungen des Verkehrs Genüge gethan. Dem Eisenbahnkomitee gebührt für seine viele Mühe und Sorge alle Anerkennung und Dank.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 35 vom 27.08.1896, S. 3:
Ottobeuren. Am Sonntag den 23. ds. Mts. traf Hochw. Herr Prälat Kneipp mit ungefähr 200 Kurgästen von Wörishofen hier ein, weshalb der vormittägige Pfarrgottesdienst ausnahmsweise um 9 Uhr stattfand. Die Predigt wurde von Herrn Prälat Kneipp gehalten, in welcher er erwähnte, daß an diesem Sonntage der Vortag seiner Primiz vor 44 Jahren sei und er deshalb diesen Erinnerungstag in der geliebten Heimatgemeinde zubringen wolle. Ein Zeugnis der großen Anhänglichkeit und Verehrung war die zahlreiche Begleitung seiner Kurgäste. Nach Beendigung des Gottesdienstes wurden die Sehenswürdigkeiten der Kirche und des Klosters besichtigt und hierauf das Mittagessen in zwei bekannten Gasthäusern eingenommen. Nach demselben wurde für die verehrten Gäste in der Kirche die große Orgel gespielt, wonach Herr Prälat mit seinen Kurgästen über Stephansried nach Wörishofen zurückkehrte.

dito; Ottobeurer Wochenblatt Nr. 35 vom 27.08.1896, S. 3:
Obergünzburg, 4. Sept. Hochw. Herr Prälat Kneipp wird am Feste Mariä-Namen (13. September) in hiesiger Pfarrkirche die Festpredigt halten.

dito; Wörishofen, 19. Aug. Wie stark der hiesige Kurort von Österreichern besucht ist, geht am besten daraus hervor, daß nicht weniger als 735 Österreicher sich gestern zusammengethan hatten, um in würdiger Feier das Geburtsfest ihres Landesherrn zu begehen

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 42 vom 15.10.1896, S. 4:
Wörishofen, 12. Okt. Gestern fand dahier die feierliche Einweihung der neuerbauten protestantischen Kirche statt. Sie ist am Westende des Eichwalds gelegen, in gothischem Stiele gehalten und macht mit dem 24 Meter hohen Thurme einen sehr freundlichen Eindruck. Die Einweihung nahm Herr Kirchenrath Christa von Kaufbeuren vor, die Festpredigt hielt Hr. Reiseprediger Müller. Die Feier der unter andern auch die Gemeindevertretung Wörishofens anwohnte, nahm einen erhebenden Verlauf. Das Kirchlein gewährt etwa 250 Personen Raum.
An der Einweihungsfeier betheilgten sich 12 Protest. Geistliche im Talare, aus Kaufbeuren, Kempten, Augsburg, Lindau und Neu-Ulm. Auch waren viele Vertreter prot. Landgemeinden erschienen. Das k. Bezirksamt war durch den Hrn. k. Bezirksamtsasiessor von Mindelheim vertreten.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 46 vom 12.11.1896, S. 6:
[Große Werbung für Kathreiner's Malzkaffee; pdf292; weiter pdf 300]

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 47 vom 19.11.1896, S. 10:
Wörishofen, 10. Nov. Se. k. k. H. Erzherzog Joseph von Österreich ist heute dahier zu längerem Kurgebrauch eingetroffen und hat im Kloster Absteigquartier genommen.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 48 vom 26.11.1896, S. 4:
Wörishofen, 20. Nov. (Lokalbahn Türkheim - Wörishofen.) Über die Betriebseinnahmen dieser am 15. August ds. Js. eröffneten ersten elektrischen Eisenbahn Bayerns liegen nunmehr folgende Betriebsresultate vor: Es betrugen die Einnahmen im Personen-Gepäck- und Güterverkehr im August (für 16 Tage) 3854 Mk., im September 5555 Mk., im Oktober 4111 Mk, zusammen 13,520 Mk. Die Einnahmen für Abgabe von Licht und Kraft bezifferten sich seit dem Monat März, in welchem die Gesellschaft mit dieser Sparte begonnen hatte auf 11,489 Mk. Es wurde somit eine Gesammteinahme von 25,009 Mk. erzielt. Befördert wurden in den 2 ½ Monaten der Betriebseröffnung 29,525 Personen u. 2,308,177 Kilogramm Güter.

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1897

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 10 vom 11.03.1897, S. 8:
Ottobeuren, 6. März. Eine erschütternde Nachricht hatte unsere Pfarrei in die tiefste Betrübniß gesetzt, nemlich das plötzliche Ableben des Hochw. Herrn Pfarrers P. Godefrid. Wie beliebt er gewesen, konnte man ersehen, daß mit Jammern und Weinen diese Trauerkunde überall ausgenommen wurde; es schien unglaublich, weil der Verlust zu plötzlich, zu unvermuthet getroffen hatte. In den Tagen, da der Leichnam in der Benediktus-Kapelle aufgebahrt lag, kamen alle Pfarrkinder, sehr Viele aus der Nachbarschaft, um die bekannten Gesichtszüge unvergeßlich dem Gedächtniß einzuprägen und zu beten, besonders am 1. Fastenfreitag, an welchem gerade über den Tod gepredigt wurde. Heute war die Leichenfeier. Die Kranzspende war überreich und die Betheiligung ungemein zahlreich.
Herr Regierungsrath von Schelhorn an der Spitze die Ttl. Herrn Beamten, sehr viele Herrn Pfarrer des Kapitels „Ottobeuren“, an ihrer Spitze die H. H. Dekan und Kammerer.
Herr Prälat Kneipp, welcher das Requiem gesungen hat, eine Vertretung von St. Stephan, etc. etc. Die innigste Theilnahme wurde dem Kloster, der greisen Mutter des Verstorbenen, seinen Brüdern und Schwestern entgegengebracht. Fast 20 Jahre hatte Herr P. Godefrid, darunter 7 ½ Jahre als Pfarrer gewirkt dahier und jedes Haus hat ihm Wohlthaten zu danken. Darum unvergeßlichen Dank im Gebet und Andenken, unversiegbare Liebe hat er geerntet. R. J. P.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 15 vom 15.03.1897, S. 7:
(Pfarrer Kneipp.) Im Befinden des Herrn Prälaten Kneipp ist eine Besterung eingetreten; derselbe hofft, in einigen Tagen außer Bett verweilen zu können; die größte Schonung ist aber auch noch jetzt geboten. Stellvertreter in den Sprechstunden ist Herr Prior Bonifaz Reile.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 20 vom 20.05.1897, S. 3:
Wörishofen, 16. Mai. Der Kurverein „Wörishofen" teilt über das Befinden des greisen Herrn Prälaten Kneipp mit: Die bis zum 10. ds. Mts. bestandene entschiedene und nach des Patienten eigenem Ausspruche zu den schönsten Hoffnungen berechtigende Besserung hat in verflossener Woche nicht angehalten, vielmehr trat eine Wendung zum Schlimmern ein, die das Äußerste befürchten ließ. Heute, am Vorabende seines 77. Geburtstagsfestes, war der Zustand wiederum verhältnismäßig recht günstig, so daß Herr Prälat eine Abordnung von Kurgästen und Einwohnern, an deren Spitze der hier zur Kur weilende Fürst Lubesky, zur Beglückwünschung und Überreichung eines Bildes, welches den aus den Spenden der Kurgäste zu errichtenden Kneipp-Brunnen darstellt, mit gutem Humor empfangen konnte? –
Angesichts der häufigen Wechsel im Befinden des großen Menschenfreundes, die zu den widersprechendsten Gerüchten führen müssen, sehen wir es als unsere Pflicht an, die vielen über den ganzen Erdkreis zerstreuten und in allen Gesellschaftsklassen zu suchenden Anhänger des Patienten über den wahren Sachverhalt zu unterrichten und denselben den Ernst der Lage nicht zu verschweigen. Wir schulden es dem Begründer unseres Kurortes, wenn wir zugleich bei dieser Gelegenheit gewissen Zeitungsgerüchten entgegentreten, welche zu verbreiten suchen, daß seit der Erkrankung des Herrn Prälaten, namentlich seit der Wendung zum Schlimmern, ein großer Teil der Kurgäste von hier abgereist sei. Der Wahrheit gemäß ist festzustellen, daß sich eine Stockung im hiesigen Badeleben bisher nicht bemerkbar gemacht, daß vielmehr der Zuzug von Kurfreunden aller Nationen in der letzten Zeit – trotzdem Herr Prälat in verschiedenen Blättern schon tot gesagt wurde – ein sehr lebhafter war und die verschiedenen Hotels und Villen der Jahreszeit nach gut besetzt sind. Daß für eine würdige Vertretung des Herrn Prälaten Kneipp schon längst mit Erfolg gesorgt war, beweisen u. A. die warmen Sympathien, die seine langjährigen Mitarbeiter, die erprobten Bade- und Assistenzärzte Kneipp's, die Herren Dr. med. Baumgarten und Hofarzt Dr. Mahr, seitens des Kurpublikums genießen, ebenso wie Herr Prior Reile, der langjährige, talentvolle Schüler und Sekretär des Prälaten, der schon seit Jahren selbstständig neben dem Letzteren zu dessen Entlastung Sprechstunden abhielt, die sich von Anfang an des lebhaftesten Zuspruchs zu erfreuen hatten. Diese Mitteilung, daß die Kneipp'sche Methode hierselbst wie bisher von berufenen Vertretern in unverfälschter Weise fortgeführt wird, mag vielen Anhängern zur Beruhigung dienen.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 22 vom 03.06.1897, S. 4:
Wörishofen, 1. Juni. (Bulletins über das Befinden des Herrn Prälaten Kneipp.) Dienstag den 1. Juni, Früh 6 Uhr: Das Befinden des Patienten war gestern Nachmittags derart günstig, daß er sich am Fenster den Kurgästen zeigen konnte. Tausendstimmiger Jubel erscholl, und Prälat Kneipp ertheilte darauf den Anwesenden zum erstenmale wieder den priesterlichen Segen. Die nachfolgende Aufregung des Gemütes dauerte nicht gar zu lange und die Nacht war nicht schlechter als gewöhnlich. Puls 88, Respiration 22, Temperatur 36,6. Nachmittags 2 Uhr: Befinden im Ganzen befriedigend. Schwächezustand wenig verändert. Puls 96, Respiration 22, Temperatur 37,1. –
(Aus dem Vortrag vom 31. Mai.) Es hat sich das Gerücht verbreitet, daß man heute den Herrn Prälaten sehen würde, dieses Gerücht ist vollständig – richtig. (Bravo!) Also, wie es ihm geht, wissen Sie; das haben Sie aus den Bulletins ersehen können. Es geht ihm ja andauernd besser. Diese Besserung bezieht sich allerdings nicht gerade auf das Grundleiden, aber doch auf seinen körperlichen Schwächezustand; das ist jedenfalls außerordentlich wichtig. Wenn einmal das eine da ist, wird vielleicht das andere auch noch kommen. Das werden wir abzuwarten haben. –  
Ich bemerke noch wie schon öfters: Wer hübsch bis zum Ende hier bleibt und dann mit mir geht, wird Herrn Prälaten sehen. (Bravo!)
Dr. Baumgarten.

dito; Ottobeurer Wochenblatt Nr. 22 vom 03.06.1897, S. 8:
Rosenheim, 26. Mai. (Der leiten de Bade- und Heilanstaltsarzt des hiesigen Kaiserbades), Dr. med. Friedrich Bernhuber, wurde jüngst an das Krankenlager des Prälaten und Pfarrers Kneipp in Wörishofen berufen. Dr. Bernhuber war früher beim Prälaten Kneipp leitender Arzt.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 23 vom 10.06.1897, S. 2:
Wörishofen, 8. Juni. (Bulletins über das Befinden des Herrn Prälaten Kneipp.) Sonntag den 6. Juni, Früh 6 Uhr: Besserbefinden dauert an; Nacht war ruhig. Appetit gering. Puls 96, Respiration 22, Temperatur 37,3. Montag den 7. Juni, Früh 6 Uhr: Das Befinden des Kranken ist andauernd befriedigend; Kräftezustand nicht verändert. Appetit gut. Puls 92, Respiration 22, Temperatur 37,1.
Nachmittags: Andauernd verhältnißmäßiges Wohlbefinden. Puls 92, Respiration 22. Dienstag den 8. Juni, Früh 6 Uhr: Eine  Änderung in dem Zustande des Kranken ist nicht eingetreten. Puls 92, Respiration 22, Temperatur 36,3. Nachmittags 2 Uhr: Befinden andauernd befriedigend. Puls 92, Respiration 22.
Dr. Baumgarten.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 24 vom 18.06.1897, S. 3 (Gesamtmeldung in Fettschrift):
Wörishofen, 17. Juni. Hochw. Herr Prälat Sebastian Kneipp ist heute morgen 4 Uhr 30 Minuten nach kurzem Todeskampfe sanft verschieden. R. J. P.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 25 vom 25.06.1897, S. 3:
Im Verlage der Jos. Kösel'schen Buchhandlung in Kempten wird in wenigen Tagen unter dem Titel „Vater Kneipp. Sein Leben und Wirken, mit einem Anhang über seine letzten Lebenslage, die Beisetzungsfeierlichkeiten und die Zukunft Wörishofens von Justus Verus“ aus berufener Feder eine ausführliche Biographie des † Prälaten Kneipp erscheinen. Die Biographie wird in 2 Ausgaben publizirt, einer einfachen, billigen Volksausgabe, sowie einer feineren, reich illustrirten Ausgabe. Wir machen die Freunde und Verehrer des edlen Verstorbenen schon jetzt auf diese Biographie aufmerksam und werden nach Erscheinen darauf zurückkommen.

dito; Wörishofen, 21. Juni. Trotz trüben Wetters sind heute Tausende von Menschen zur Beerdigung des hochw. Herrn Pfarrers Kneipp hier eingetroffen. Alle Geschäfte sind geschlossen, an allen Häusern wurden Trauer-Decorationen angebracht. Unzählige Kränze, die von österreichischen Erzherzogen, Aristokraten, Kneippvereinen und sonstigen Verehrern des Verstorbenen gespendet worden waren, bedeckten den Sarg. Um 9 Uhr bewegte sich der Leichenzug vom Friedhof durch das Dorf und wieder zurück. Die Ordnung war folgende:
An der Spitze ging die Schuljugend, dann folgten die Vereine, die Barmherzigen Brüder, die Capuciner, an diese schloß sich die Musik und der Kirchenchor an. Dem als Officiator fungirenden Decan Hold von Mattsies folgten 65 Geistliche, an ihrer Spitze im Auftrage des Hochwürdigsten Herrn Bischofs Dr. Petrus v. Hötzl und als Vertreter des Domcapitels Herr Generalvicar Dr. Henle mit Herrn Domvicar Deller; dann kam die in einen einfachen Sarg gebettete Leiche. Hinter dem Sarge schritten Schulmädchen mit dem Orden des Verstorbenen, dann die Verwandten, zahlreiche Beamte und Herrschaften, Mitglieder von Kneippvereinen, sämmtliche Curgäste und Pfarrkinder von Wörishofen.
Als Grabstätte diente eine gemauerte Gruft am Friedhofskreuz. Dort war ein erhöhtes Podium mit Trauerschmuck errichtet. Der Officiator hielt eine ergreifende Leichenrede. Nach dem Gebete der Versammelten widmete Hr. Stadtpfarrer Schuster von Mindelheim Namens des Central-Kneipp-Vereins dem Geschiedenen einen tiefempfundenen Nachruf. Von Vertretern vieler auswärtiger Kneippvereine wurden Ansprachen gehalten und Kränze niedergelegt. Der Regen war in hohem Grade störend. Den Schluß der Beerdigungsfeierlichkeiten bildete der Trauergottesdienst in der überfüllten Pfarrkirche.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 26 vom 01.07.1897, S. 2:
Wörishofen, 27. Juni. I. K. K. Hoheiten Erzherzog LeopoId Salvator von Österreich mit Gemahlin Erzherzogin Bianca und hochderen Kinder sind zum Kurgebrauch hier angekommen. Die hohen Herrschaften haben in der neuen Villa Mayser nächst des Eichwaldes Wohnung genommen.
Augsburg, 25. Juni. (Kneipp's „Meine Wasserkur.“) Es dürfte weitere Kreise interessiren, zu erfahren, wem die Anregung zur Herausgabe des ersten, bahnbrechenden Kneippbuches „Meine Wasserkur“ zu verdanken ist. Es war der verstorbene Erzabt Dr. Maurus Wolter aus dem Benediktinerkloster Beuron, der dem Heimgegangenen Vater Kneipp erklärte, es wäre unverantwortlich, wenn seine reiche Erfahrung und sein reiches praktisches Wissen mit ihm zu Grabe ginge. Pfarrer Kneipp erwiderte, daß er unmöglich zum Schreiben komme. Darauf machte der Abt den Vorschlag, er wolle ihm einen Pater schicken, der, was jeder ihm diktire, schreibe. So geschah es auch. Der gegenwärtige Abt von Seckau und Generalsuperior von St. Ottilien P. Ildefons blieb mehrere Wochen in Wörishofen und brachte das Material, wie es Kneipp diktirte, zu Papier, sonderte und redigirte – so entstand das Buch „Meine Wasserkur“.
Mögen auch noch folgende Notizen von den letzten Tagen Vater Kneipp's ein Plätzchen finden. Als wenige Tage vor dem Tode der Verleger die neueste Auflage der „Wasserkur“ dem Heimgegangenen überbrachte, äußerte er: „Ich werde nun bald sterben, aber meine Bücher werden mich überleben.“ So gefaßt und ergeben äußerte sich der Verblichene wenige Tage vor dem Sterben auch dem Schreiber dieser Zeilen gegenüber: Auf die Frage: wie geht's Dir? lautete die Antwort: Mir geht's gut, wenn ich gut sterbe. Ich fürchte mich nicht vor dem Tode, ich freue mich, und sodann empfahl er mir das „schöne“ Plätzchen anzusehen, das auf dem neuen Gottesacker für ihn bereitet sei. Zum anwesenden Arzte sprach er auch in meiner Gegenwart: Sie würden mich arg beleidigen, wenn Sie mir's nicht sagten, wenn das Ende kommt. Wissen Sie, setzte er lächelnd hinzu, „Lügen ist eine Sünd'!“ Seine letzte Ansprache an den St. Josefsverein, die der Sterbenskranke hielt, lautete: „Ich habe immer gewünscht, daß ein kath. Verein hier entstehe. Nun habt ihr einen; ihr habt auch eine Fahne; haltet an der Fahne fest; dann wird wie an Kaiser Constantin, sich auch an euch erfüllen: „In diesem Zeichen wirst Du siegen.“ Dies war das letzte öffentlich gesprochene Wort des unvergeßlichen, edlen Mannes.
(Neue Augsbg. Ztg.)

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 28 vom 15.07.1897, S. 2f.:
Wörishofen, 9. Juli. (Kneipps Nachfolger.) Der zum Nachfolger Kneipp's in der Kurleitung bestimmte Prior Frater Bonifaz Reile, geb. am 26. Okt. 1862 zu Wasserzell bei Eichstätt, war ursprünglich Sattler und trat nach einer schweren Krankheit (Miserere) in den Orden der Barmherzigen Brüder, und zwar begann er 1882 in Abensberg das Noviziat.
Nach der Profeßablegung wurde er als Krankenpfleger ausgebildet und erhielt die Oberleitung der Spitäler in Straubing und Neuburg a. Donau. Durch eifriges Selbststudium und die Praxis erwarb sich der junge Ordensbruder außerordentliche Kenntnisse in der Heilwissenschaft, so daß die betreffenden Ärzte ihm die besten Zeugnisse ausstellten. Im Jahre 1890 wurde Fr. Bonifaz, obwohl erst 27 Jahre alt, Prior des Hauptklosters und Noviziathauses in Neuburg. Als solchen entsandte ihn das Kloster Neuburg aus Wunsch des P. Generals und des P. Provinzials der bayerischen Ordensprovinz zur Erlernung der Wasserkur nach Wörishofen, und nachdem der hochselige Prälat die von ihm gestifteten Häuser an den Orden der Barmherzigen Brüder schenkungsweise übergeben, wurde er daselbst im Jahre 1893 und dann auch 1896 als Prior gewählt. Eine Reihe sehr glücklicher Kuren rechtfertigen das Vertrauen des Heimgegangenen Meisters zu diesem seinem liebsten Schüler.

Dito, S. 6:
Wörishofen, 9. Juli. Bei dem Vortrage am 25. Juni frug ein Kurgast bei Dr. Baumgarten an: Was ist die Ursache des krebsartigen Leidens des Herrn Prälaten? Die Antwort lautete: Herr Prälat genoß eine zu derbe Kost, machte zu wenig Bewegung und hat zu wenig getrunken. Das Leiden hatte er schon lange und daß er dabei 76 Jahre alt wurde, zeugt von der kolossalen Widerstandsfähigkeit seines Körpers. Bei demselben Vorträge wurde auch die Frage gestellt, warum bei der Krankheit des Prälaten kein operativer Eingriff geschehen sei. Darauf antwortete Dr. Baumgarten: Eine Operation hätte bei dem Schwächezustand des Kranken den sofortigen Tod herbeigeführt. Es war dies auch die Ansicht aller Ärzte, die an dem Krankenbette weilten und deren waren es viele.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 30 vom 29.07.1897, S. 2:
Reinleinene Trikothemden und Unterbeinkleider nach System Pfarrer Kneipp im Preise zu 1 Mk. 80 Pf. empfiehlt Josef Eichele.

Dito, S. 3:
Ottobeuren. Wie aus dem Annoncentheile ersichtlich ist, beabsichtigt Herr Premierlieutenant a. D. Theodor Westmark [einen] Vortrag über: „15 Monate unter den Menschenfressern am oberen Kongo und die Stanley-Affaire“ zu halten. Über Premierlieutenant Westmark urtheilt die Presse wie folgt: Die „Germania“ schreibt: Der Afrikareisende Theodor Westmark hielt vor einer sehr zahlreichen Versammlung einen Vortrag über die Reisen durch Zentral-Afrika. Der sehr interessante Vortrag schloß mit einem warmen Appell an alle, daß jeder in seiner Art nach Kräften mitarbeiten möge an dem edlen Werke den Afrikanern europäische Kultur und christliche Sitten zu verschaffen. — Die „Kreuzztg.“: 15 Monate unter Menschenfressern am oberen Kongo! Unter dieser Überschrift hielt der Afrikareisende einen Vortrag, zu dem sich das Publikum so zahlreich eingefunden hatte, daß der Raum schließlich überfüllt war. Herr Westmark ist eine jugendfrische, männliche Erscheinung und weiß seinen Vortrag durch Ausdruck und Eifer zu beleben. Der Redner ließ es sich angelegen sein, das Publikum zu einer Förderung der Civilisation im Innern Afrikas anzuregen, mit allen Mitteln, die der europäischen Kultur zu Gebote ständen.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 32 vom 12.08.1897, S. 3:
Wörishofen, 7. Aug. Aus Mitgliedern des Central-Kneippvereins, Kurgästen und Bürgern Wörishofens hat sich dahier ein Komitee gebildet, das die Errichtung eines würdigen Kneipp-Denkmals anstrebt. Bereits hat eine Reihe von angesehenen Herrschaften und Persönlichkeiten die Ehrenmitgliedschaft dem Comitee zugesagt. Allen Freunden und Anhängern Kneipp's ist hiebei Gelegenheit geboten zur Ausführung dieses schönen Gedankens ein Scherflein beizutragen, das zu richten wäre an das Kneippdenkmal-Comitee Wörishofen.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 34 vom 06.08.1897, S. 3:
Wörishofen, 21. August. Die Prinzessin von Wales, Gemahlin des Thronfolgers von England, ist in Begleitung des Herzogs Paul zu Mecklenburg mit großer Suite heute Nachmittag mit Extrazug von München zum Kurgebrauche hier eingetroffen und im Hotel Viktoria abgestiegen.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 38 vom 23.09.1897, S. 6:
Von Pfarrer Kneipp macht folgendes Histörchen die Runde durch die Presse: Ein den höheren Ständen angehörender sehr reicher Herr hatte seine Kur in Wörishofen beendet. Weil er von seinem Leiden befreit worden war, gedachte er dem Prälaten auch ein großes Geldgeschenk zu hinterlassen. Beim Abschiedsbesuch fragte er nach der Rechnung, dabei greift er mit voller Hand in die mit Gold und Silber gespickte Börse und überreicht dem Herrn Prälaten eine erkleckliche Summe. Noch ehe dieser sein „Vergelt's Gott" zum Danke ausgesprochen hatte, war der Herr bereits vor der Thür.
Kurz hinter dem Herrn folgte eine arme Frau, die den Vorgang mit dem reichen Herrn beobachtet hatte. Ach, dachte sie, wie willst du den guten Vater Kneipp belohnen und doch auch du gehst mit gutem Erfolge fort. Sie geriet darob in große Verlegenheit. Auch sie frag nach ihrer Schuldigkeit; aber der Prälat hatte bereits ihre Verlegenheit bemerkt. „Mütterchen," sagte er, „geben's den Geldbeutel mal her!“ Das Mütterchen überreichte zitternd ihre ganze Baarschaft. Im selben Augenblicke greift Prälat Kneipp zum vorher erhaltenen Geld und läßt im Nu das sämmtliche Geld in's Portemonnaie gleiten. „So Mütterchen, 's ischt gut, gehens ruhig nach Haus und machen's gut!“ So sprach Vater Kneipp, machte das Portemonnaie zu und drückte es dem unter Dankesthränen scheidenden Mütterchen in die Hand. – Eines Tages kam ein Student nach beendigter Kur, um zu fragen, was er schuldig sei. „Nix," lautet die Antwort, „bin froh, daß Sie mich nicht angepumpt haben!“


Ottobeurer Wochenblatt Nr. 41 vom 14.10.1897, S. 8:
Wörishofen, 10. Okt. Die Einweihung des Kneippbrunnens wurde am 8. Oktober unter großer Beteiligung von nah und fern durch den Direktor des Georgianums Hochw. Herrn Dr. [Andreas] Schmid unter Assistenz des hochw. Herrn Pfarrers Stückle nach mehreren Ansprachen und Gesangsvorträgen vollzogen und der Brunnen sodann enthüllt. Derselbe zeigt einen hübschen Aufbau und trägt ein Medaillon mit dem Bildnisse des verstorbenen Prälaten. Eine unzählbare Menge umwogte noch bis zu später Abendstunde das Denkmal.


Ottobeurer Wochenblatt Nr. 42 vom 21.10.1897, S. 4:
Wörishofen, 16. Okt. (Vom „Vater Kneipp“) Es dürfte manchen Leser interessiren, zu erfahren, daß Pfarrer Kneipp auf seine Kosten folgende Wohlthätigkeitsanstalten für arme Kranke erbaut hat: 1. Das alte Kurhaus, das 103,000 M. kostete; 2. das neue Kurhaus, wozu er 75,000 M. beisteuerte; 3. das Kinderasyl, das auf 284,000 M. zu stehen kam; 4. das Kneippianum mit 100,000 M. die Mädchenschule mit 60,000 M. Herstellungskosten. Das alte und neue Kurhaus und das Kinderasyl schenkte er dem Orden der Barmherzigen Brüder, das Kneippianum den armen Franziskanerinnen von Mallersdorf. Ferner schenkte er noch vor seinem Tode der Armenkasse Wörishofen 10,000 M.; dem Seminar Dillingen zu Freiplätzen etwa 30,000 M.; außerdem machte er noch mehrere Stiftungen in Beträgen unter 10,000 M. Diese Geschenke betragen etwa 662,000 M.
Die zur Fundirung des alten Kurhauses und des Kinderasyls an den Orden der Barmherigen Brüder abgetretene Licenzgebühr für den Kneipp-Malzkaffee hat bisher rund 220,000 M. ertragen. Die erschienenen Kneippbücher haben Kneipp den Betrag von 280,000 M. eingebracht. Die Ausübung der Praxis hat H. Pfarrer Kneipp von 1887 - 1897 im Jahre durchschnittlich 16,200 Mark eingetragen. Ehre und Achtung vor Kneipp, der sein Geld in so christlicher Weise verwendet hat.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 49 vom 09.12.1897, S. 3:
Literarisches. Unter den von dem Prälaten Kneipp herausgegebenen Werken nahm der nach ihm benannte Kneippkalender eine hervorragende Stelle ein, und deshalb trug Kneipp schon bei Lebzeiten dafür Sorge, daß mit seinem Tode dieser Kalender nicht zu erscheinen aufhöre, sondern in seinem Geiste und Sinn fortgesetzt werde. Auf seinen Wunsch übernahm sein langjähriger Sekretär, der jetzige Leiter der von Kneipp in Wörishofen in's Leben gerufenen Anstalten, Herr Prior Fr. Bonifaz Reile, diese Aufgabe, und der uns vorliegende soeben erschienene 8. Jahrgang des Kneippkalenders (Kempten, Jos. Kösel'sche Buchhandlung. Preis 50 Pf.) läßt erkennen, mit wie sicherem Blicke Kneipp die eminente Befähigung seines Nachfolgers für die Popularisirung seiner Heilmethode herausgefunden hat.
Der neue Jahrgang des Kneippkalenders enthält aus der Feder seines jetzigen Herausgebers eine Reihe vorzüglicher Abhandlungen über naturgemäße Behandlung und Heilung vielverbreiteter Krankheiten, speziell Infektions- und Kinderkrankheiten, wie Diphteritis, Rachitis, Scrophulose, Beschreibung mehrerer Heilpflanzen u. s. w. und steht daher an Originalität und Vielseitigkeit des Inhaltes nicht im Geringsten hinter seinen Vorgängern zurück. Daß der dießjährige Kneipp-Kalender auch in einem eigenen Abschnitte das Leben und Wirken seines unvergeßlichen Begründers schildert, ist nur selbstverständlich. Diese kurze aber trotzdem das Thema ziemlich erschöpfend behandelnde Biographie ist mit zahlreichen interessanten Original-Illustrationen geschmückt. Das Titelbild zeigt uns den Herrn Prior Fr. Bonifaz Reile in der Sprechstunde. Es ist daher wohl kaum zu bezweifeln, daß die bisherigen Freunde und Abnehmer des Kneipp-Kalenders dem liebgewonnenen Helfer und Berather in kranken und gesunden Tagen nicht nur treu bleiben, sondern demselben auch neue Anhänger zuführen u. so dazu beitragen werden, daß die wohlerprobten Lehren und Vorschriften des Meisters in immer weiteren Kreisen des Volkes sich einwurzeln.

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1898

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 4 vom 27.01.1898, S. 3f.:
Wörishofen, 23. Jan. (Sebastianstag.) Zu einer großartigen Huldigung für den verstorbenen Prälaten gestaltete sich Donnerstag den 20. ds. der erste Namenstag seit seinem Tode. Eine unabsehbare Menge hatte sich in der Pfarrkirche eingefunden, wo der Stamm-Kneipp-Verein „Wörishofen“ ein feierliches Requiem abhalten ließ. Nach demselben begaben sich die Geistlichkeit, der Kneipp-Verein, zahlreiche Einwohner und Kurgäste nach dem Kirchhof, wo am Grabe des hochsel. Prälaten Sebastian Kneipp von Herrn Pfarrer Stückle-Mindelau Gebete verrichtet wurden. – Um 1 Uhr hielt der Ausschuß des Stamm-Kneipp-Vereins zu Ehren seines großen Toten eine Sitzung im Kurhause ab. – Nachmittags 5 Uhr fand im Kneippianum eine von den Kindern des Asyls veranstaltete wohlgelungene Festlichkeit statt, bei der Hochw. Herr Dr. Peters aus Rom die Festrede hielt.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 6 vom 10.02.1898, S. 3:
Wörishofen, 7. Febr. Einem Nekrolog, den der eben erschienene Schematismus der Diöcese Augsburg pro 1898 dem verstorbene Prälaten Kneipp widmet, entnehmen wir, daß der Geschiedene aus den Erträgnissen seiner Bücher, des Malzkaffee's u.s.w. im Ganzen 796,000 M. zur Gründung des Sebastianeums, des Kinderasyls und des Kneippianeums in Wörishofen und zu anderen guten Zwecken verwendete; rechnet man dazu, was er aus freier Hand verschenkte, so mag die Summe 850,000 M. betragen.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 12 vom 24.03.1898, S. 3f.:
Wörishofen, 20. März. Das Grab des Herrn Prälaten Kneipp wird voraussichtlich noch vor Ostern mit einem Sarkophag aus schwarzem schwedischen Granit geschmückt werden. Derselbe sollte schon zum Herbst (am Allerheiligentage) Aufstellung finden; leider bekam aber der zuerst in Angriff genommene Steinblock während der Arbeit einen so mächtigen Riß, daß er unmöglich dem ihm zugedachten Zwecke weiter dienen konnte. Auch hat der Stammkneippverein in seiner letzten Sitzung dafür Sorge getragen, daß die würdige Erhaltung des Grabes „Vater Kneipp's“ einem hiesigen Gärtner übertragen wird.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 18 vom 05.05.1898, S. 3:
Wörishofen, 1. Mai. Auf dem Grabe des hochseligen Prälaten Kneipp wurde in der letzt verflossenen Woche ein prächtiger Sarkophag aufgestellt. Derselbe ist von schwedischem Syenit, bedeckt mit einer weißen Marmortafel, in welcher das Reliefporträt des Verstorbenen eingelassen ist. Unterhalb desselben ist folgende Inschrift ausgehauen: „Monsignore Sebastian Kneipp päpstlicher Kämmerer Pfarrer und Beichtvater geboren zu Stephansried den 17. Mai 1821 gestorben zu Wörishofen den 17. Juni 1897.“ Unter dieser befindet sich in erhabener Arbeit die Friedenstaube mit dem Ölzweige. Am Sockel sind zu  allen Seiten Relief's eingelassen, ebenfalls aus weißem Marmor. Vorne Insignien des Priesterstandes oberhalb das altgriechische Christus-Monogramm, zu beiden Seiten die symbolischen Darstellungen der Klugheit, Mäßigkeit, Gerechtigkeit und Stärke und in Mitte dieser ein größeres Stück einerseits die Darstellung der Hirschen an der Wasserquelle, anderseits die Tauben am Springbrunnen.


Beilage zum Ottobeurer Wochenblatt Nr. 23, Freitag, den 10. Juni 1898:
Wörishofen, 6. Juni. Anläßlich des heute dahier stattgefundenen Kapiteljahrtages wurde auch gleichzeitig der Sterbetag unseres unvergeßlichen Hochw. Hrn. Prälaten Kneipp gefeiert. Vorm. 9 Uhr war Gottesdienst in der Pfarrkirche mit levitiertem Requiem mit zwei hl. Nebenmessen und Libera. Alsdann folgte Grabbesuch, Grabgebet seitens der hochw. Geistlichkeit und Trauerhymne vorgetragen vom Männergesangverein.
— Eine Ehrung anderer Art wurde dem unvergeßlichen Vater Kneipp durch die heute an die Besteller ausgefolgte Prachtausgabe der Kneipp'schen Biographie von Dr. Baumgarten zu Teil. Das ganze Leben Seb. Kneipp's von der Kindheit bis zum Grabe, wird uns da in Wort und Bild in unübertroffener Weise vorgeführt. Alles an diesem Prachtwerke, vor allem auch der geschmackvolle Einband, ist gediegen und solid, fürwahr ein Kneipp'sches Ehrendenkmal von hervorragender Bedeutung.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 32 vom 11.08.1898, S. 6:
Die Josef Kösel'sche Buchhandlung in Kempten veranstaltet soeben eine Lieferungs-Ausgabe von Seb. Kneipp's gesammelten Schriften, auf welche wir hiemit unsere Leser aufmerksam machen wollen. Hunderttausende von Kranken aus allen Ländern haben aus den Kneipp'schen Büchern schon Rath und Trost, Belehrung und Vertrauen geschöpft. Seine Schriften über die Wasser-Kur und deren Anwendung für Gesunde und Kranke feine hundert- und tausendfach erprobten und bewährten Vorschriften und Rathschläge für eine vernünftige, naturgemäße Lebensweise bilden Volks- und Familien-Bücher in des Wortes bester und edelster Bedeutung, und wir stehen daher nicht an, dem Unternehmen der Verlagshandlung, durch Veranstaltung dieser Lieferungs-Ausgabe die Anschaffung von Kneipp's gesammelten Schriften in den weitesten Volksschichten zu ermöglichen und zu erleichtern, den besten Erfolg zu wünschen. Sebast. Kneipp's gesammelte Schriften erscheinen in 44 Lieferungen à 50 Pf. oder in 4 Bänden zum Preise von M. 22. - brosch., M. 25.80 in Original.Leinwandband gebunden. Die 4 Bände umfassen folgende Schriften: Erster Band: Volks-Gesundheitslehre, enthaltend a) Meine Wasser-Kur b) So sollt ihr leben, c) Pflanzen Atlas zu Kneipp's Schriften, Holzschnitt-Ausgabe (12 Lieferungen — M. 6.— brosch., und M. 7.— gebd.) Zweiter Band: Mein Testament für Gesunde und Kranke und Codizill zu Meinem Testamente (11 Lieferungen — M. 5.50 brosch. M. 6.50 gebd.). Dritter Band: Öffentliche Vorträge gehalten vor seinen Kurgästen in Wörishofen, drei Theile in einem Bande (15 Lieferungen = M. 7.50 drosch., M. 8.50 gebd.). Vierter Band: Allerhand Nützliches für Wasser-Kur und Lebensweise. Gesammelte Aufsätze aus den sieben ersten Jahrgängen des „Illustrirten Wörishofener Kneipp-Kalenders“ (16 Lieferungen — SR. 3.— brosch., M. 3.80 gebd.)
Jede Woche gelangt eine Lieferung zur Ausgabe, doch können aus Wunsch gleich sämmtliche 44 Lieferungen oder alle 4 Bände broschirt oder gebunden gegen ratenweise Abschlagszahlungen schon auf einmal bezogen werden. Die Besitzer der „Volks-Gesundheitslehre“ oder sonstiger einzelner Werke Kneipp's können ohne Preis-Erhöhung die ihnen aus vorstehender Sammelausgabe noch fehlenden Werke apart nachbeziehen, wie überhaupt die Einzeln - Ausgaben der Kneipp'schen Bücher nach wie vor für sich zu den bisherigen Preisen erhältlich sind. Bestellungen auf Seb. Kneipp's gesammelte Schriften werden von allen Buchhandlungen entgegengenommen.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 35 vom 01.09.1898, S. 1:
Bekanntmachung. Am Samstag, den 3. September findet in Stephansried die feierliche Enthüllung des Kneipp-Denkmals statt. Um 8 Uhr ist dort Gottesdienst.

Dito, S. 4:
Wörishofen, 28. Aug. Am 3. September wird die feierliche Enthüllung des Kneipp-Denkmals in Stephansried stattfinden, an welchem Akte sich zahlreiche Curgäste und auswärtige Verehrer des verstorbenen Prälaten Kneipp betheiligen werden. Jenen, welche nicht gewillt sind dem Mittagsmahle in Ottobeuren beizuwohnen, ist Gelegenheit gegeben mittels Extrazug bereits 12 Uhr Mittags wieder in Wörishofen zu sein.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 36 vom 09.09.1898, S. 3:
Stephansried 3. September. Das kleine Dörflein Stephansried ist weit und breit bekannt geworden als Geburtsort des weltberühmten Pfarrers von Wörishofen, Sebastian Kneipp. Sein Geburtshaus steht nicht mehr, es wurde ein Opfer der Flammen. An demselben Platze, wo es gestanden, haben die Verehrer Kneipps nun ein prächtiges Denkmal setzen lassen. Es ist ein Obelisk aus Granit, der mit dem mächtigen Sockel etwa 8 Meter hoch sein mag. Die Vorderansicht trägt das gut getroffene Relief der Büste Kneipps und die Inschrift: „Monsignore Sebastian Kneipp“, die Rückseite eine Gießkanne mit Kräuterbüschel und die Inschrift: „Ihr Gewässer alle lobet den Herrn“. Die beiden anderen Seiten haben die Inschriften: „Hier stand das Geburtshaus Sebastian Kneipps 1821 - 1897“; „Errichtet von seinen Verehrern.“
Heute fand die feierliche Enthüllung des Denkmals statt. Auf den verschiedenartigsten Vehikeln und teils zu Fuß hatten sich die Freunde der Kneippsache und große Scharen aus Wörishofen in Stephansried eingefunden. Um ½ 10 Uhr zelebrierte der Pfarrer von Ottobeuren, Pater Wilhelm, eine hl. Messe und richtete einige herzliche Worte an die Anwesenden, erinnernd, wie Kneipp durch die Restaurierung dieses Kirchleins sich selbst ein Denkmal gesetzt und wie er stets bei seinen Kranken auch des Höhern, des Heiles der Seele, gedacht habe. Von der Kirche stieg man den Hügel hinan und sammelte sich am Denkmale. Nach dem Lied: „Das ist der Tag des Herrn“, hielt Gymnasialrektor Koch aus Budweis die Gedächtnisrede auf Kneipp, in welcher er ein herrliches Lebens- und Charakterbild Kneipps entwarf. Ja, so war Kneipp, wie ihn der Festredner in beredten Worten zu schildern verstand. Er schloß mit dem Wunsche: „Möge der Tag kommen, wo Du als hell glänzender Stern auf dem Gebiete der Medizin allgemein anerkannt wirst. Das walte Gott.“
Zwei Gedichte, von Kindern vorgetragen, sprachen dem Verewigten den Dank der Kinder aus für seine Liebe zur Kinderwelt und für das Heim, das er den kranken Kindern gestiftet. Sodann wurden viele Kränze und Bouquete am Denkmal niedergelegt. Dr. Baumgarten aus Wörishofen gab noch den Gefühlen der Verehrer Kneipps Ausdruck, legte vor dem Bilde Kneipps namens der Kneippärzte das Gelöbnis ab, stets im Sinne Keipps zu wirken und mahnte zur Einigkeit. In seinem Schlußwort übergab Gymnasialrektor Koch das Denkmal der Ortsgemeinde, die in ihrem Vater Kneipp stets ein Vorbild haben und durch Fleiß, Einfachheit und Gottesfurcht ihm nachstreben möge. Der Chor: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“ schloß die Feier.