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17.05.1841 – Brandkatastrophe in Stephansried, Sebastian Kneipp verliert seine Ersparnisse


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13 von 14 Häusern brannten am frühen Nachmittag des 17. Mai 1841 ab, ein kleiner Junge und 16 Stück Vieh fielen den Flammen zum Opfer.

Es gehört zu den Merkwürdigkeiten, dass das Ottobeurer Wochenblatt die Feuersbrunst nicht thematisierte. Am 21.05.1841 ist auf Seite 3 hingegen von einem Brand (Wohnhaus und Stallung) des Söldners Augustin Bentenrieder in Gilching die Rede, außerdem vom Brand zweier Bauernhäuser in Graben (Lechfeld) sowie von einem schweren Unwetter über Brüssel bzw. einem Blitzschlag in Namur.

Nur sehr indirekt lässt sich dem Blatt etwas zur Brandkatastrophe in Stephansried entnehmen.
Das Ottobeurer Wochenblatt Nr. 21 vom Donnerstag, den 27.05.1841, enthielt auf S. 1 folgende „Warnung“:
Da die Baupläne für Stephansried noch nicht revidirt sind, so können auch Bestellungen bei Schreiner-, Schlosser-, Zimmer-Meistern etc. mit Erfolg noch nicht gemacht werden. Die Handwerks-Meister werden hierauf aufmerksam gemacht, um sich vor Schaden hüten zu können, dass alles, was den genehmigten Bauplänen zuwider angefertigt wird, ohne Schadenersatz zurückgegeben würde.
Ottobeuren, den 26. May 1841.
Königliches Landgericht als Distrikts-Polizeibehörde.
Egloff, Landrichter

Durch Ottobeuren ging eine Welle der Hilfsbereitschaft, es fand eine Versteigerung eines Vorrats an Dinkel (Veesen bzw. Vesen) statt, deren Erlös den Stephansriedern zugute kam.
Ottobeurer Wochenblatt Nr. 23 vom Freitag, den 11.06.1841, S. 5
Bekanntmachung.
Das Unterstützungs-Comitè verkauft zum Vortheil der Abgebrannten zu Stephansried am Donnerstag den 17ten dieß Nachmittags 1 Uhr im untern Oekonomie-Gebäude den aufliegenden Vorrath von circa 75 – 80 Schaff Veesen an den Meistbiethenden gegen sogleich baare Bezahlung, wozu Kaufsliebhaber freundlichst eingeladen werden.
Ottobeuren, am 11ten Juny 1841.
Der Comitè Ausschuß.

Die dritte – und letzte – Meldung in den Ausgaben von 1841 war die Bekanntgabe des verbrannten Kindes im Rahmen der monatlichen Sterbeanzeigen.
Ottobeurer Wochenblatt Nr. 23 vom Freitag, den 11.06.1841, S. 6
Geburts-, Sterb-, und Trauungs-Anzeigen. In der Pfarrey zu Ottobeuren. Im Monat May.
(…) Gestorben:
– Den 17., Joseph, Kind des Joseph Petrich, Zimmermann in Stephansried, 1½ Jahr alt, unglücklich verbrannt.

In der Memminger Zeitung wurde der Brand in der Ausgabe des nächsten Tages kurz erwähnt – wenn auch nur in einem Satz (s. auch Bild vom Artikel). In Memmingen selbst hatte sich ein schweres Unglück ereignet.
Memminger Zeitung Nr. 59 vom 18.05.1841, S. 3
Allerlei.
Memmingen, den 18. Mai. Gestern Nachmittag brannten bei ziemlich heftigem Westwinde in Stephansried königl. Landgerichts Ottobeuren 13 Häuser nieder.; beinahe zur gleichen Zeit Mittags zwischen 3 und 4 Uhr flog die in der Nähe der hiesigen Stadt gelegene Pulvermühle in die Luft, bei welch trauriger Veranlassung ein Arbeiter, Vater von 8 unversorgten Kindern, so beschädigt wurde, daß er binnen wenigen Stunden sein Leben verlor.

Durch die Sichtung verschiedenster weiterer Quellen (Stadtarchiv Bad Wörishofen, Franz Schalk, Josef Wolf, Reinald Scheule, Karl Schnieringer, Fritz Glas, Antonie Mayer, Alphons vom Rhein, Justus Verus, Dr. Alfred Baumgarten und Wendelin Waibel) ergibt sich ein Gesamtbild der Ereignisse, die ich nachstehend zusammenfasse.
Nicht zu vergessen: Mit Sebastian Kneipp stand bei der Recherche sogar ein damaliger Zeitzeuge zur Verfügung, der vom Unglück selbst schwer betroffen war. Es brannte nicht nur das Haus in dem er geboren wurde nieder, er verlor darüber hinaus die über mehrere Jahre mit seinen Arbeiten am Webstuhl mühsam ersparten 70 Gulden. Kneipp hatte gerade einmal 15 Minuten Zeit, um einen gewissen Teil des Hausrats zu retten und am Ende war die Lebensgefahr so groß geworden, dass er darüber sein Erspartes vergaß.

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Vor dem Brand am Montag, den 17. Mai 1841, war Stephansried ein einigermaßen kompaktes Runddorf mit knapp 80 Einwohnern. Wie es aussah, hat Karl Schnieringer in seiner (oben verlinkten) Schrift zur Geschichte von Guggenberg dargestellt. Nach dem Dorfbrand wurde eine Neueinteilung des Dorfes vorgenommen, d. h. die Höfe wurden nicht mehr an die alte Stelle gebaut. Verschiedene Höfe wurden in das westliche Tal gesetzt (s. Skizzen). Die Skizze mit dem Stand vor 1841 deckt sich mit dem Ausschnitt aus der Urkatasterkarte von 1818; die Gesamtkarte können Sie hier abrufen.
Sebastian Kneipp wuchs in Haus Nr. 12 mit vier Geschwistern auf: mit den beiden Halbschwestern Magdalena und Maria Schalber, die die Mutter Rosina aus erster Ehe mit dem Stephansrieder Michael Schalber mitgebracht hatte, und Maria Victoria und Theresia Kneipp. Die Familie besaß eine einzige Kuh, und diesen kostbaren Besitz zu hüten, zu dem sich Vieh aus benachbarten Gehöften gesellte, wurde der kleine Sebastian schon in jüngsten Jahren bestimmt.

Von den einfachen Lebensverhältnisse zeugt folgende  Aussage aus dem Buch Baumgartens von 1898:
Es lebt das Volk in dieser Gegend meist ohne Fleisch. Die Milch, die Erdäpfel [Kartoffeln] und die Feldfrüchte, die in Gestalt von Mus zubereitet werden, und mancherlei treffliche Mehlspeisen bilden die Hauptbestandteile der sogenannten Bauernkost, und nur alle heiligen Zeiten wird Fleisch genossen; jedesmal aber nur am heiligen Tage, d. h. Am ersten Weihnachtstage, ersten Ostertage und ersten Pfingsttage, und am „Fest“, d. h. Patrocinium oder Fest des Kirchenpatrons.

An besagtem Montag hatte Sebastian Kneipp seinen 20. Geburtstag. Am frühen Nachmittag war er allein mit seiner Schwester zu Hause und saß im Keller am Webstuhl. Unten am Berg, etwas südwestlich der Kirche (demnach wahrscheinlich Haus Nr. 2), spielte ein fünfjähriger Bub - andere Quellen sprechen von zwei zündelnden Kindern - mit „Schwefelhölzern“ (Streichhölzern). Die Wetterbedingungen begünstigten die Ausbreitung des Feuers: An diesem Frühlingstag herrschte nicht nur eine drückende Hitze, es wehte außerdem ein stürmischer Westwind. Innerhalb von nur einer Stunde standen dreizehn der vierzehn Häuser und Ökonomiegebäude in Flammen. Nur eine Wohnung, die Kirche und das neuerbaute Schulhaus (Nr. 5, im alten Plan noch nicht eingezeichnet) konnten durch die angestrengten Bemühungen der alarmierten Feuerwehren gerettet werden.
41 Feuerrotten aus allen Gemeinden des Landgerichts Ottobeuren kamen „mit 18 Feuerlöschmaschinen“ herbeigeeilt, sogar die Feuerwehr der Nachbarstadt Memmingen war beteiligt. Der Sturmwind und der Mangel an Löschwasser auf dieser Anhöhe vereitelten jedoch jede Löscharbeit. Der eineinhalbjährige Josef Petrich starb in den Flammen, 16 Stück Vieh verbrannten.

Sebastian Kneipp blieb gerade einmal „eine einzige Viertelstunde Zeit“, um ein paar Habseligkeiten zu retten. Lassen wir nun unseren Zeitzeugen selbst von dem dramatischen Ereignis berichten:
An meinem 20. Geburtstag – als ich gerade am Webstuhl werkelte, ertönte mit einem Male der Ruf: „Feurio!“ Mit einem Satz war ich im Freien und musste sehen, wie schon mehrere Häuser lichterloh brannten und wie der Sturm die Funken gegen unser Haus jagte; im Nu war ich auch schon wieder oben im Dachboden, um meine Ersparnisse, mein Geld, zu retten. Ich legte es auf eine Truhe und wollte noch schnell einen Schrank hinunterbefördern. Dieser zwängte sich an der Stiege ein und mir blieb nichts anderes übrig als unten durchzurutschen, wenn ich nicht verbrennen wollte, denn schon brannte das Schindeldach und Steine kollerten durch das glimmende Gebälk. In der Eile vergaß ich auf mein Geld, von dem ich keinen Gulden mehr finden konnte. Seit jenen Schreckenstagen hab ich nie mehr Geld gezählt und nie mehr im Leben habe ich mein Vertrauen auf Geld und Gut gesetzt, wohl aber auf den Herrgott, daß er mir doch noch helfen werde.

Kneipp bezeichnete sein abgebranntes Geburtshaus (Haus Nr. 12) bei einem Besuch mit Kurgästen in Stephansried am 24.08.1894 liebevoll als „Palast“. Das Eingangsbild zeigt eine idealisierte Darstellung des Kneipp'schen Elternhauses - eine heile Welt - auf einer Werbepostkarte (vermutlich aus dem Jahr 1929, gelaufen 1939; nach einem Gemälde des Malers E. Stürli Görz). In der Ansprache Kneipps sagte er wörtlich:
„Meine Heimat ist der Ort, an den wir heute gekommen sind. Neben der kleinen Linde stand meine Heimat. Mein Vater, ein armer Weber, und meine Mutter, eine arme Webersgattin, hatten mit Not und Elend zu kämpfen genug. (…) Ihr habt heute die Stätte gesehen, wo die alte Hütte gestanden. Ich aber hab' gemeint, es sei der schönste Palast. Warum? Weil ich nichts anderes gewusst!“

Die letzte Hoffnung schien für Kneipp geschwunden, er glaubte, dass er nun endgültig darauf verzichten müsse, Priester zu werden. Noch in seinen letzten Krankheitstagen hat er oft davon gesprochen, dass nie in seinem Leben ihn etwas so erschüttert habe als diese „lebendige Mahnung Gottes“.

Nach dem Dorfbrand wurde eine Neueinteilung des Dorfes vorgenommen (die neue Hausnummerierung wurde allerdings erst 1857 durchgeführt). In weniger als 10 Tagen lagen einer Zeitungsmeldung des Ottobeurer Wochenblatts vom 27.05.1841 zufolge bereits Baupläne für den Wiederaufbau von Stephansried vor. Landrichter Egloffs warnte die Handwerker vor einem Beginn der Arbeiten vor der Genehmigung derselben:
Da die Baupläne für Stephansried noch nicht revidirt sind, so können auch Bestellungen bei Schreiner-, Schlosser-, Zimmer-Meistern etc. mit Erfolg noch nicht gemacht werden. Die Handwerks-Meister werden hierauf aufmerksam gemacht, um sich vor Schaden hüten zu können, dass alles, was den genehmigten Bauplänen zuwider angefertigt wird, ohne Schadenersatz zurückgegeben würde.

Der Wiederaufbau von Stephansried zum kleinen Straßendörflein dauerte lediglich neun Wochen (bis Mitte Juli 1841). Kneipp erinnerte sich: „Es musste dann die neue Heimat aufgebaut werden, und das waren schlimme Wochen: schwere Arbeit vom frühen Morgen bis in die späte Nacht und keine Zeit zu anderen Gedanken.“

Eine Regierungskommission begutachtete den Schaden und sagte staatliche Hilfe für den Wiederaufbau zu. Eine Brandversicherung dürfte es in der Zeit noch nicht gegeben haben. Üblicherweise wurden in umliegenden Gemeinden Sammlungen durchgeführt. In Ottobeuren kündigte ein „Comitè Ausschuss“ am 11.6.1841 für den 17.06.1841 die Versteigerung von 75 - 80 Schaff Veesen (Dinkel) „an den Meistbiethenden gegen sogleich baare Bezahlung“ an.
Dem Comitè gehörten an: Xaver Huith (Gemeindevorsteher Ottobeuren), Franz Anton Mayer (Gemeindevorsteher Guggenberg), Michael Seeberger (Gemeindevorsteher Hawangen) sowie Thomas Steidele und Xander Mayer. „Eine Sammlung für die Abgebrannten brachte 10.627 Gulden.“ (Wobei nicht klar ist, ob diese Sammlung etwas mit der Versteigerung des Dinkels zu tun hat oder zusätzlich durchgeführt wurde! Das Komitee der Getreideversteigerung ist nicht namentlich angeführt.)

Kneipp ging alsbald nach Grönenbach zu Kaplan Matthias Merkle und schlug einen anderen Lebensweg ein, er wurde Priester und schließlich Wasserdoktor.
Ein schönes Foto zeigt Stephansried vor der Aufstellung des Obelisken 1898 (s. Baumgarten-Buch), ein Foto am neu errichteten Obelisken (an der Stelle des abgebrannten Geburtshauses mit Dr. Alfred Baumgarten und Dr. Adolf Scholz), die beiden Luftaufnahmen vom 06.08.1999 stammen aus dem Archiv der Marktgemeinde Ottobeuren.

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Unten finden Sie nun alle Quellentexte in vollständiger Abschrift. Ein Fehler übrigens zieht sich bis heute hin: Der Brand fand an Kneipps 20., nicht an seinem 21. Geburtstag statt. Er dürfte auf Eugen Ortner („Ein Mann kuriert Europa. Der Lebensroman Sebastian Kneipps“, 1938, ab der 12. Auflage: „Sebastian Kneipp. Seine Lebensgeschichte“, 1994) zurückzuführen sein, der als Datum des Brandes fälschlicherweise den 17.05.1842 nennt und damit auf den 21. Geburtsag Kneipps fallen lässt.
Auf mehreren Ansichtskarten ist außerdem die Enthüllung des Stephansrieder Kneippdenkmals falsch mit dem 24.8.1898 angegeben; richtig ist der 3.9.1898. Es handelt sich um eine Verwechslung mit seinem Primiztag, die ebenfalls bis heute immer wieder abgeschrieben wird.

Vielleicht gab es eine Sondernummer, die nicht erhalten geblieben ist. Eine Abschrift einer – angeblichen – Ausgabe des Ottobeurer Wochenblatts vom 17. Mai 1841 – lautet wie folgt:
Nachmittags 1 Uhr als bei ordentlich drückender Hitze dieses Frühlingstages der Weiler Stephansried in der Landgemeinde Guggenberg durch Brandunglück heimgesucht wurde, dessen Feuer sich in einer Stunde schon über 13 Häuser und Ökonomiegebäude verbreitete und die alle total abgebrannt sind, trotzdem 18 Feuerlöschmaschinen herbeigeeilt und 41 Feuerrotten aus allen Gemeinden des Landgerichts Ottobeuren am Platze waren. Der Sturmwind und Mangel an Wasser auf dieser Anhöhe vereitelte jede Löscharbeit und es verbrannten im ersten Moment 1 Kind und 16 Stück Vieh. [Handschriftlich ergänzt 1968: „Brandursache durch zündelndes Kind.“]
Nur eine Wohnung, dann die Kirche und das neuerbaute Schulhaus konnte durch die angestrengten Bemühungen des Löschungen, worunter auch die freundliche Nachbarstadt Memmingen war, gerettet werden. Eine Sammlung für die Abgebrannten brachte 10.627 Gulden.
Nach neun Wochen waren 13 Häuser wieder aufgebaut.
Ottobeuren, den 29. Dezember 1841
Das Comitè:   
Xaver Huith        Gemeindevorsteher Ottobeuren
Franz Anton Mayer    Gemeindevorsteher Guggenberg
Michael Seeberger    Gemeindevorsteher Hawangen
Thomas Steidele, Xander Mayer

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Ein weiteres – mit Schreibmaschine getipptes – Dokument aus dem Stadtarchiv Bad Wörishofen zitiert die Chronik von „Franz Schalk von Stephansried“ mit weiteren Einzelheiten:

Der große Dorfbrand vom 17. Mai 1841.
Unten am Berg, etwas südwestlich der Kirche, spielte ein fünfjähriger Bub mit Schwefelhölzern. Bei dem herrschenden Weststurm stand in kurzer Zeit das ganze Dorf in Flammen. 13 Anwesen brannten nieder, somit auch das Elternhaus von Sebastian Kneipp. Das Unglück kam gerade an seinem 20. Geburtstage. [berichtigt: Im Original wird – falsch – Kneipps 21. Geburtstag genannt, was nicht sein kann.]
Der 1898 errichtete Obelisk erinnert heute noch an die Stelle, wo sein Geburtshaus stand. Das neue Anwesen wurde oberhalb des Ortes noch im gleichen Jahre aufgebaut.

Das 2. Brandunglück traf das Kneipp'sche Anwesen im August 1878, früh 8 Uhr bei einem schweren Gewitter durch Blitzschlag. Beichtvater Sebastian Kneipp war auch nach Stephansried gekommen und sah zum zweiten Male sein Elternhaus in Schutt und Asche.
Seiner Schwester – Viktoria Benz – versprach er, zu helfen, wo er nur könne. Leider war ihr Mann –    Theodor Benz – schon alt und krank, er starb bereits im nächsten Jahr – 1879.
Nochmals half die ganze Dorfgemeinschaft beim Wiederaufbau. (…)

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Aus den „biographischen Studien zu Sebastian Kneipp“ von Dr. Alfred Baumgarten (1898), S. 15 und 16:
Am 17. Mai 1841 brannte das Haus ab und mit ihm auch die ersparten 70 fl. unseres armen Sebastian. Die letzte Hoffnung schien so für ihn geschwunden; und noch in seinen letzten Krankheitstagen hat er oft davon gesprochen, dass nie in seinem Leben ihn etwas so erschüttert habe als diese „lebendige Mahnung Gottes“, wie er sagte, man soll sich nicht an Geld hängen und seinem Werte nicht allzu sehr vertrauen. – Er sah sich jetzt am Grabe seiner Hoffnungen, und glaubte, dass er nun endgiltig werde verzichten müssen, Priester zu werden.

Ein Gutes habe das Verbrennen der siebzig Gulden für ihn für sein ganzes Leben gehabt, und das sei dies gewesen, dass er seit der Stunde niemals mehr Geld gezählt und wirklich besonders geachtet habe.

Es musste dann die neue Heimat aufgebaut werden, und das waren schlimme Wochen: schwere Arbeit vom frühen Morgen bis in die späte Nacht und keine Zeit zu anderen Gedanken.
Diese Heimat, die er damals an anderer, höher gelegener Stelle mit erbauen half, sie steht heute noch und wird gehalten vom Hansjörg Epple, einem Sohne seiner Stiefschwester Maria. Zu diesem Hause, das also heute noch in Stephansried steht, hat er selbst den Mörtel gerührt und hat selbst daran gemauert; wie manchen Gedanken an eine aussichtslose Zukunft mag wohl der arme Sebastian mit eingemauert haben!
Nachdem das Haus gerichtet, konnte er immer noch nicht die Wünsche, die in ihm lebten, zurückdrängen; er musste, er konnte nicht anders. Er wollte Priester werden um jeden Preis.

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Waibel, Wendelin: Sebastian Kneipp (1821-1897), S. 395 - 413 in: Schwäbische Forschungsgemeinschaft, Götz Freiherr von Pölnitz (Hrsg.): Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben, Bd. 1, (vormals) Max Hueber Verlag, München, (jetzt) Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn, ISBN 978-3-87437-065-3

Erzählungen Kneipps im Herbst 1894, in einem seiner öffentlichen Vorträge vor Kurgästen in Wörishofen. (Seine „Lebenserinnerungen“ sind in den Kneipp-Blättern Jg. 1891 zu finden.)

S. 398
(…) Ich stand da, so ganz allein, kein Mensch wollte mir helfen, so vergingen 10 Jahre, ich vergoß viele Tränen, weil mir alles mißglückte. Ich taglöhnerte und sparte und sparte. Am Dachboden hatte ich mir unter einem Balken heimlich eine Kasse angelegt, die bereits 70 Gulden enthielt. An meinem 20. Geburtstag – als ich gerade am Webstuhl werkelte, ertönte mit einem Male der Ruf: „Feurio!“ Mit einem Satz war ich im Freien und mußte sehen, wie schon mehrere Häuser lichterloh brannten und wie der Sturm die Funken gegen unser Haus jagte; im Nu war ich auch schon wieder oben im Dachboden, um meine Ersparnisse, mein Geld, zu retten. Ich legte es auf eine Truhe und wollte noch schnell einen Schrank hinunterbefördern. Dieser zwängte sich an der Stiege ein und mir blieb nichts anderes übrig als unten durchzurutschen, wenn ich nicht verbrennen wollte, denn schon brannte das Schindeldach und Steine kollerten durch das glimmende Gebälk. In der Eile vergaß ich auf mein Geld, von dem ich keinen Gulden mehr finden konnte. Seit jenen Schreckenstagen hab ich nie mehr Geld gezählt und nie mehr im Leben habe ich mein Vertrauen auf Geld und Gut gesetzt, wohl aber auf den Herrgott, daß er mir doch noch helfen werde. Und er half. Auf der Flucht aus der Heimat, die mir nicht mehr gefallen konnte, als recht und schlecht ein neues Haus an anderer Stelle errichtet worden war, kam ich nach Grönenbach, einem schmucken Pfarrdorf zwischen Memmingen und Kempten, das gerade von einem jungen Geistlichen, namens Matthias Merkle, später Professor der Moratheologie in Dillingen, verwest wurde. Diesem trug ich klopfenden Herzens mein Anliegen vor und klagte ihm, daß ich schon von bald 30 Pfarrhäusern abgewiesen worden. (…)

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Schnieringer, Karl: Siedlungs- und Hofgeschichte der Gemeinde Guggenberg, im Selbstverlag, Juli 1938, Kapitel Stephansried (bzw. damals auch üblich: Stefansried):

Das ehemalige Pfarrdorf „Stevinisried“, jetzt Stefansried genannt, liegt östlich von Hawangen, 676 m. ü. M. [Josef Wolf: 703] Das Dorf hat eine dem hl. Stefanus [Stephanus] geweihte Kirche, die einst mit einem Friedhof umgeben war und eine eigene Schule. Anno 1500 standen nur noch 7 Bauernhöfe, mit den Sölden und Weberhäusern 13. Kurz vor dem Dorfbrande im Jahre 1841, der durch 2 Buben verursacht worden sei [wurde], standen folgende Höfe:

        Hausnummer: 1 = beim Mangenbauer,
                2 = beim Bäuerle,
                3 = die Klausenmartesöld, [Klausenmartlsöld]
                4 = die Adelwarthsöld,
                5 = beim Stefan (Leerhaus),
                6 = die Maurersöld,
                7 = das Bauernmichelhofgut,
                8 = die Schustersölde,
                9 = das Kohlpeterbauerngütle,
                10 = das Jörgenbauerngut, [Jörgelbauerngut]
                11 = das Hafnerbauerngütle,
                12 = die Schneiderwebersölde, [= Sebastian Kneipps Geburtshaus]
                13 = die Webersölde,
                und  14 = die Zimmermannssölde.

Nach dem Dorfbrande wurde eine Neueinteilung des Dorfes vorgenommen, d. h. die Höfe wurden nicht mehr an die alte Stelle gebaut. Früher war Stefansried [Stephansried] mehr ein Runddorf, heute ist es ein kleines Straßendörflein. Verschiedene Höfe wurden in das westliche Tal gesetzt (vergl. Skizzen). Die neue Hausnummerierung wurde erst 1857 durchgeführt.

Hinweis: In eckigen Klammern wurden Verbesserungen dargestellt, die Josef Wolf - der bereits verstorbene Archivar des Stammkneippvereins Bad Wörishofen - bei Schnieringer vorgenommen hat. Ansonsten gleicht Wolfs Schrift über die Geschichte von Stephansried der von Schnieringer weitgehend. Allerdings ist Wolfs Artikel, der vermutlich Anfang der 1970er Jahre erschienen ist, etliche Fotos, darunter ein Foto mit Radfahrern am Obeliksen am Tag der Enthüllung des Obelisken am 3.9.1898.
 
Wolf, Josef: Die Ortsgeschichte von Stephansried (nach Karl Schnieringer, von Josef Wolf „zusammengestellt“. Einzelartikel in einer bislang nicht bekannten Zeitschrift.

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Scheule, Reinald: Sebastian Kneipp und seine Heimat, Nr. 16 der Reihe „Blick in die Heimat“ (für den Heimatdienst Ottobeuren),in: Ottobeuren Life, April 2011

Scheule zitiert aus Kneipps „Selbstbiographie“:
„An meinem 20. Geburtstag [Zahl wurde berichtigt], wie ich an meinem Webstuhl arbeitete, kommt tief unten am Berg Feuer aus, und wenn der Ort vierzehn Häuser zählte, standen in einer Stunde dreizehn in Flammen. Ich war allein mit einer Schwester zu Hause, entfernte wohl aus dem Hause, was mir möglich war, hatte aber nur eine einzige Viertelstunde Zeit dazu. Wie das Feuer das ganze Haus verzehrte, so wurde auch meine ganze Einrichtung ein Opfer desselben; ebenso die 70 Gulden.“

Am Jahrestag seiner Primiztag – am 24.08.1894 – hielt Kneipp vor Kurgästen in Stephansried eine Ansprache. Daraus ein Zitat:
„Meine Heimat ist der Ort, an den wir heute gekommen sind. Neben der kleinen Linde stand meine Heimat. Mein Vater, ein armer Weber, und meine Mutter, eine arme Webersgattin, hatten mit Not und Elend zu kämpfen genug. (…) Ihr habt heute die Stätte gesehen, wo die alte Hütte gestanden. Ich aber hab' gemeint, es sei der schönste Palast. Warum? Weil ich nichts anderes gewusst!“

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Mayer, Antonie: Die Kneipp-Familie, Starke Verlag, Limburg an der Lahn, 2009, 600 S., ISBN 978-3-7980-0582-2, 34,50 Euro

Die Oberkammlacherin beschäftigte sich intensiv mit den Lebensdaten der Kneipp-Verwandtschaft; hier einige der für die Zeit um den Brand 1841 relevanten Angaben. In der "Kurzbiographie Sebastian Kneipps" geht Antonie Mayer auf S. 10 leider nur sehr kurz auf den Brand ein. Auch sie hat das Jahr falsch abgeschrieben.

17.5.1842 [1841!]
Feuersbrunst in Stephansried; von 14 Häusern brennen 13 nieder, darunter auch das Elternhaus. Sebastian Kneipp verliert durch den Brand seine mühsam ersparten 70 Gulden und seine sonstige Habe.

Mit ihrem Buch verhilft sie uns jedoch zu einem veritefteren Einblick in die Familie Kneipp. Die Eltern von Sebastian Kneipp – Franz Xaver und Rosina – sind mit einem Kenotaphen an der Sebastianskapelle in Ottobeuren verewigt.

Franz Xaver Kneipp war Webermeister und Landwirt und wurde am 17.10.1798 in Unterkammlach (Haus Nr. 71, abgebrannt um 1930, jetzt: Untere Hauptstraße 27) geboren (Eltern: Magnus und Viktoria Kneipp), er starb am 04.09.1854 an der Cholera. Xaver Kneipp war zeitweise Ortsvorsteher von Stephansried.
Rosina Obser wurde am 06.03.1783 in Benningen geboren (Eltern: Andreas Obser und Anna Maria, geb. Dreyer, verwitwerte Schalber), sie starb am 23.05.1839 (im Alter von 56 Jahren und zwei Monaten) und wurde am 25.05.1839 von Pater Kolumbanus auf dem Ottobeurer Friedhof begraben.
Fanz Xaver und Rosina heirateten am 27.10.1818 in Ottobeuren, sie wurden von Pater Theodor Clarer getraut. Sie wohnten und lebten in Stephansried in Haus Nr. 12.

Der Weber Michael Schalber (*21.09.1783 in Stephansried, Vater Matthäus Schalber, Mutter Maria Anna, geb. Rauch) wohnte mit seiner Frau Rosina vor dem „Ehepaar Kneipp“ in Haus Nr. 12 in Stephansried, er verstarb am 16.03.1818.

Am 30.06.1840 heiratete Xaver Kneipp erneut: die Bauerstochter Maria Anna Herz (*17.12.1806, Stephansried Haus Nr. 1, Eltern: Willibald und Victoria Herz, geb. Henger); Maria Anna Kneipp starb am 09.07.1876 in Hawangen.

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Glas, Fritz: Pfarrer Kneipp war Heilpraktiker, im Selbstverlag, Bad Wörishofen, 1952, 80 S.

Fitz Glas (*28.01.1903 in Hambach bei Neustadt-Haardt) – weiland Pater Palatinus Glas – geht in seiner, dem ihm sehr verbundenen Prior (Max) Bonifaz Reile (*26.10.1862 in Wasserzell bei Eichstätt, †12.01.1951) – „dem Neunzigjährigen“ – gewidmeten Schrift, zwar nicht auf den Brand ein, aber er beschreibt die Lebensverhältnisse der Kneipps in Stephansried. Im ersten Kapitel („Eine kurze Lebensgeschichte Sebastian Kneipps“) heißt es auf den Seiten 11 und 12:

Der Vater hatte die Mutter [von Sebastian Anton Kneipp], die verwitwete Rosina Schalber [*06.03.1783 in Benningen, †23.05.1839 in Stephansried], erst drei Jahre zuvor geehelicht [am 27.10.1818], sie hatte ihm zwei Kinder aus der vorigen Ehe mitgebracht und inzwischen die kleine Viktoria geboren. Vier Kinder sollten sich nun in der erschreckend engen und ärmlichen Hütte des Hauswebers drängen, sechs Menschen erwarteten von seiner kargen, schlecht bezahlten und von vielen Zufällen abhängigen Arbeit ihr Brot. Die Mutter muß eine harte Frau gewesen sein, sie war nicht unwesentlich älter als der Vater und sie führte daheim ein strenges Regiment; jede höhere Weihe des Lebens war ihr fremd. Der Vater war größer und geistiger angelegt, unter günstigeren Lebensumständen hätte er von sich aus vermocht, seinen Kindern den Aufstieg in eine von nackter Not befreiten Welt zu ermöglichen. Aber wie die Not den Vater täglich vierzehn bis sechzehn Stunden lang an den Webstuhl band, so mußte er auch seine Kinder schon frühzeitig dazu anhalten. „Mit elf Jahren“, so erzählte Kneipp in seinen Erinnerungen, „mußte ich in den Keller, um die Weberei einzuüben, und mit zwölf Jahren mußte ich täglich fünf Ellen Leinwand weben, wozu ich von morgens früh bis abends brauchte ... Ich war nicht mit Freude und Lust am Webstuhl, sondern wie der Hund an der Kette; ich habe aber im Gehorsam gegen meine Eltern täglich meine fünf, später sieben bis acht Ellen Tuch gearbeitet.“ Im Sommerhalbjahr scheint es der Knabe etwas leichter gehabt zu haben. Die Familie besaß eine einzige Kuh, und diesen kostbaren Besitz zu hüten, zu dem sich Vieh aus benachbarten Gehöften gesellte, wurde der kleine Sebastian schon in jüngsten Jahren bestimmt. In der relativen Freiheit des Hütebuben, auf den dörflichen Weiden, unter dem großen und stillen Himmel, mag Kneipp zuerst zu sich gekommen sein, mag ihm zuerst das Bild eines höheren und größeren Lebens erschienen sein. (...)
Sebastian besuchte die einklassige Dorfschule unter dem Lehrer und Pantinenmacher Zettler, aber wie das in solch ärmlichen Verhältnissen geht, wird er trotz fleißigster Aufgeschlossenheit oft genug abgehalten worden sein, den Unterricht zu besuchen. (...)

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Verus, Justus: Vater Kneipp, sein Leben und sein Wirken. Mit einem Anhange über seine letzten Lebenstage, die Beisetzungsfeierlichkeiten und die Zukunft Wörishofens, größere Ausgabe mit zahlreichen Illustrationen, Verlag Josef Kösel, Kempten, Juli 1897, 168 S., Format 18,5 x 12,5 cm
(Die „Volksausgabe“ umfasste nur 75 Seiten)

Justus Verus, ein Pseudonym für Bonifaz Reile, der sich mit dem Buch als Nachfolger Kneipps – und damit gegen Dr. Alfred Baumgarten – positioniert, geht im ersten Kapitel („Kneipp's Leben bis zum Erscheinen seines Buches 'Meine Wasserkur'“) auf den Seiten 19 - 26 die Lebensverhältnisse sehr anschaulich und geht auch auf den Brand ein. Das Buch ist unmittelbar nach dem Tode Kneipps (am 17.06.1897) erschienen und enthält sehr schöne Ansichten und Fotos! Noch im selben Jahr kam es zu einer zweiten Auflage.

(Abschrift steht noch aus!)

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Rhein, Alphons vom: Das Buch vom Pfarrer Kneipp. Sein Leben und Wirken als Seelsorger und Arzt. Mit einer Schilderung der Wörishofener Verhältnisse und einem Verzeichnisse einiger interessanter Heilerfolge, Verlag Josef Kösel, Kempten, zweite Auflage, Juni 1891, 78 S.

(Die erste Auflage vom April 1891 war mit 5.000 Exemplaren in kürzester Zeit vergriffen.)

Vom Rhein geht nicht auf den Brand ein, er beschreibt im ersten Kapitel („Kneipp's Jugend“) auf den Seiten fünf und sieben die Lebensverhältnisse:

Die Verhältnisse seiner Eltern ließen diesen Wunsch [Priester zu werden] als unerreichbares Ziel erscheinen, und so blieb dem Knaben nihts Anderes übrig, als das Gewerbe des Vaters zu erlernen, mit dem Unterschiede freilich, daß er im Sommer bei den Bauern Feld- und andere Arbeit verrichtete und nur im Winter das Weberschifflein führte. „Zwei Jahre hindurch“, so erzählte mir der Herr Pfarrer, „habe ich auch gegandlangert, d.h. Mörtel getragen“. Man sieht, dem hochverehrten Manne ist die Jugend nicht leicht geworden; aber dennoch erinnert er sich ihrer mit größter Freude und erzählt mit einer Befriedigung aus jenen Tagen, die erkennen läßt, daß er sich seiner niedern Herkunft nicht nur nicht schämt, sondern stolz darauf ist. Und in der That, er darf stolz sein! Er ist ein self made man un des Wortes bester und vollkommenster Bedeutung. Die unendlichen Mühen und Schwierigkeiten, welche sich seinem Vorhaben entgegenstellten, hat er siegreich überwunden; er ist nicht nur Priester, sondern auch ein gottbegnadeter Arzt, ein Helfer von Tausenden geworden.

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Nicht einbezogen wurden Aussagen bei
Ortner Eugen: Ein Mann kuriert Europa. Der Lebensroman Sebastian Kneipps,Michael Beckstein Verlag, München, 3. Aufl. 1948, 352 S.

und

Witter, Eckard: Sebastian Kneipp - die jungen Jahre 1821-1843, Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, 2016, 142 S. ISBN 978-3-95966-040-2

da nicht klar ist, wieviel Fiktion enthalten ist. Bei beiden wird das Kleinvieh genannt, das Sebastian Kneipp mit seiner Schwester in Sicherheit brachte. Bei Ortner heißt es: „Der schwerblütige Bauer Rothärmel überlebte die Katastrophe nicht. Er starb noch in der gleichen Nacht an Schlagfluß.“ (Schlagfluss = Schlaganfall) Witter bezeichnet den Bauer Rothermel als Sebastians Paten, der in der Nacht nach dem Brand starb.
Die Schreibweise des Namens differiert, von einem verstorbenen Stephansrieder namens Rothärmel / Rothermel findet sich in den Sterbeanzeigen des Ottobeurer Wochenblatts weder ein Hinweis, noch eine Todesanzeige. Auch nicht im selben Zeitraum von 1842, da beide Autoren das Branddatum und den Geburtstag Kneipps (Witter spricht vom 21. Geburtag, mit dem Kneipp seine „Großjährigkeit“ erlangt hätte) falsch angeben.
Im Taufbuch stehen im Eintrag zu Sebastian Kneipps Taufe die beiden Taufpaten (handschriftlich): „Michael Rothermel, Bauer, und Magdalena Mayrin, dessen Eheweib, von Stephansried“
Der erste gedruckte Hinweis auf Sebastian Kneipp findet sich im Ottobeurer Wochenblatt vom 07.06.1821.

Glaubwürdig erscheint bei beiden die Aussage, eine Regierungskommission hätte den Brandschaden besehen und den Bauern staatliche Hilfe versprochen. Auch das Nachtwächterhorn bzw. Kuhhorn oder Signalhorn, mit dem Alarm geblasen wurde, ist stimmig.

Dass – laut Eckhard Witter – die Kneipps im Jahr zuvor am „Hang zum Rauschebach hin“ im vorigen Jahr ein Stück Land eingezäunt hätten, das zu einem Obstgarten mit Bienenhaus werden sollte, wohin Theresa und Sebastian das Kleinvieh getrieben haben sollen, wo Xaver Kneipp mit seinem Sohn einen Heuschuppen am Waldrand als Unterkunft für die Nacht hergerichtet hätten, das alles scheint nicht belegbar. Auch dass „die von der Regieungskommission zugesagte Hilfe rasch und ohne große Formalitäten ausgezahlt“ worden wäre oder dass Soldaten aus der Stadt zu Aufräumarbeiten befohlen worden sein sollen.
Ein Kontakt mit Herrn Witter (*1943 in Oberneubrunn, heute Ortsteil von Schönbrunn bei Hildburghausen, bis 2003 Fachlehrer für Deutsch und Geschichte, forscht seit 2010 untensiv zur Kinder- und Jugendzeit Sebastian Kneipps) steht noch aus!

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Recherche und Zusammenstellung: Helmut Scharpf, 06/2020