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31.12.2020 – Ein Krisenjahr geht zu Ende


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Anfang 2020 verfolgte man die Nachrichten aus dem chinesischen Wuhan noch aus der Distanz. Und auch als es in Deutschland mit einem Fall im Lkr. Starnberg zu einer ersten Infektion gekommen war (Meldung ARD, 28.01.2020), hatte dies noch keine größeren Auswirkungen auf unser Leben. Der Ottobeurer Gemeinderat machte sich Mitte Februar zu einer politischen Bildungsfahrt nach Straßburg auf.

Zum diesem Zeitpunkt führten eher die Schneelage im Schwarzwald bzw. ein angekündigtes Sturmereignis (Sturmtief „Sabine“) zu Bedenken, ob die Fahrt stattfinden kann. In der Raststätte zeigte die Hauptschlagzeile der französischen Tageszeitung Le Figaro am 11.02.2020 an, welches politische Erdbeben sich in Deutschland gerade ereignet hatte: der Verzicht von Annegret Kramp-Karrenbauer auf die Kanzler-Anwartschaft.

Am 31. Dezember versandte das internationale Frühwarnsystem ProMED eine E-Mail („unbekannte Lungenentzündung, China, Huwei“). Es ging um eine unbekannte Lungenentzündung in China. Die Meldung zum neuartigen Coronavirus ging auch nach Berlin ans Robert Koch-Institut. Ab da begann ein Wettlauf gegen die Zeit und gegen das, was zur Pandemie werden sollte.

Am 27.01.2020 wurde in Bayern beim einem 33-jährigen Mitarbeiter des Autozulieferes Webasto in Stockdorf (bei München) der erste positive Test bestätigt. Der Kauferinger hatte sich am 20.02.2020 bei einer chinesischen Mitarbeiterin, die zu einer Fortbildung nach Oberbayern gekommen war, angesteckt; 1200 Mitarbeiter wurden umgehend ins Homeoffice geschickt. Der Erkrankte kam als „Patient Nr. 1 in Deutschland“ in die Münchner Klink Schwabing, 13 weitere Webasto-Mitarbeiter sollten folgen, alle mit glimpflichem Ausgang. (Ein Jahr später sollten 800 Erkrankte das Krnakenhaus in Schwabing durchlaufen haben.)
Dr. Camilla Rothe, Fachärztin für Innere Medizin, Tropenmedizin und Infektiologie, war aufgrund einer Beobachtung alarmiert: Die Chinesin hatte keinerlei Symptome gezeigt: Sie hatte weder Husten noch Schnupfen, war nicht heiser. Nach eigenen Angaben hatte sie sich „gefühlt wie immer“. Erst nach ihrer Rückkehr war sie positiv getestet worden und zeigte Symptome (Fieber und Husten); der Firmenchef Holger Engelmann erfuhr vom Ergebnis der Rückkehrerin per Mail auf seinem Handy am 27.01.2020 „zu Hause gegen 6 Uhr morgens“, wie der „Focus“ näher ausführt.

Unmittelbar nach dem positiven Testergebnis schrieb Dr. Rothe einen Artikel für eine medizinische Fachzeitschrift, der bereits drei Tage später erschien. Im ZDF-Interview („Der Corona-Alarm, den viele nicht hörten“, 27.01.2021) zum Jahrestag des ersten Positivtests fragte Reporterin Patricia Schäfer (Korrespndentin im ZDF-Büro Bayern) nach den Reaktionen: RKI und WHO zogen ihre Beobachtungen in Zweifel. Warum, das konnte Dr. Rothe im Interview nicht eindeutig beantworten, vielleicht sei man „davor zurückgeschreckt“, man wollte außerdem „mehr Beweise“. Aber schon bald seien „mehr Artikel erschienen, die Ähnliches berichtet haben“.
So eine Warnung gehöre zu den Aufgaben eines Tropenmediziners. Frau Rothe sehe sich in der Rolle, „eine Art Wachhund zu sein für die Gesundheit unserer Bevölkerung“.
Für ihre Warnung vor der Infektionsgefahr wurde Camilla Rothe vom amerkanischen „Time Magazine“ zu einer der 100 einflussreichsten Personen des Jahres 2020 erkoren.“

Am 29. Januar, es gab bereits weltweit Verdachtsfälle, kam der Gesundheitsausschuss im Deutschen Bundestag zusammen. Das Thema Coronavirus stand als Tagesordnungspunkt 5b am Ende der Sitzung. Der Chef des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, beklagte dabei die „mangelhafte Informationspolitik Chinas“. Es sei immer noch nicht genau geklärt, wie das Virus übertragen werde. Knapp zwei Wochen später, am 12. Februar, sagte Jens Spahn im Gesundheitsausschuss, die Gefahr einer Pandemie sei „eine zurzeit irreale Vorstellung“. Urlauber saßen auf Kreuzfahrtschiffen fest.
Am 26. Februar klang es in internen Runden dann anders. Früher als bisher bekannt, gibt es in der Bundesregierung nun Überlegungen zu einem Lockdown. Am 27.02.2020 wurde gemeldet, die Zahl der bestätigten Corona-Fälle in Deutschland würde zunehmen. Die Bundesregierung werde sämtliche Informationen und die Koordination in einem Krisenstab bündeln. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: „Wir müssen zeigen, dass wir alles tun.“ Der Krisenstab einigte sich auf erste Maßnahmen: Flugreisende müssen bei ihrer Landung in Deutschland angeben, woher sie genau kommen, wo sie sich nun aufhalten werden und wie sie erreichbar sind. Das gelte nicht mehr nur für Reisende aus China, sondern auch für Italien, Iran, Südkorea oder Japan.
Bahn- und Busunternehmen, vor allem die, die Norditalien ansteuern, sollen entsprechend angewiesen werden. Urlauber, die nun zum Beispiel aus dem Skiurlaub aus Norditalien zurückkommen, sollen etwa mit Flyern formiert werden, wie sie sich in einem Verdachtsfall verhalten sollen.

Am 2. März kommt der Gesundheitsausschuss des Bundestags zu einer Sondersitzung zusammen. Es wird auch über die Absage von Großveranstaltungen diskutiert. Gesundheitsminister Jens Spahn macht klar, die Behörden vor Ort sollten entscheiden – „ohne dass man belehrend aus Berlin kommt“, heißt es im Protokoll. Bis zu einer Empfehlung des Ministers, Großveranstaltungen abzusagen, vergeht fast eine Woche.

Die Probleme mit dem Coronavirus in China erschienen zwar nach wie vor weit weg, hatten sich bis Februar 2020 ihren Weg aber immerhin schon bis auf die Titelseiten der Zeitungen und Magazine gebahnt.
Noch konnte sich niemand vorstellen, welch massive Auswirkungen uns alle – in Ottobeuren, in Deutschland, Europa und der ganzen Welt – treffen würden. Nur wenige Wochen später wurde das Elsass – neben der italienischen Region um Bergamo – zu einem der hauptbetroffenen Gebiete, die Grenzen nach Deutschland waren kaum mehr überwindbar.

In Bayern, so auch im Landkreis Unterallgäu und in Ottobeuren, stand man in der finalen Phase des Kommunalwahlkampfs. Im März war von Beschränkungen bei den maximalen Teilnehmerzahlen die Rede. Die Memminger Zeitung veranstaltete Anfang März in Hawangen eine Podiumsdiskussion mit den vier Kandidaten zur Landratswahl (Alex Eder, Freie Wähler / Michael Helfert, SPD, Daniel Pflügl, Grüne und Rainer Schal, CSU); dabei wurde im Internet erstmals eine Live-Übertragung angeboten, damit nicht mehr als 500 Menschen zusammenkommen. (Letztendlich kamen gut 400.)
Noch am 09.03.2020 konnte die Kreisgruppe des BUND Naturschutz in der vollbesetzten Dampfsäg eine Großveranstaltung mit den vier Kandidaten durchführen (hier explizit zu Fragen des Natur- und Umweltschutzes), doch dann hatte uns das Virus eingeholt: Nachdem sich weltweit bereits 118.000 Menschen in 110 Ländern infiziert hatten, rief die Weltgesundheitsorganisation am 11.03.2020 den Pandemie-Fall aus.
Für die Schüler*innen am Schulzentrum Ottobeuren endete Präsenzunterricht am 13.03.2020.

Am 18. März 2020 wandte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Fernsehansprache an die Deutschen: „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.“

Am selben Tag rief die Bayerische Staatsregierung am 18.03.2020 den Katastrophen-Fall. Für die Kommunalwahlen am 15.03.2020 hatten die Wahllokale zwar noch geöffnet, eine nie dagewesene Zahl von Wählern nutzte jedoch die Möglichkeit der Briefwahl. Bei der – wegen 14 fehlender Stimmen – notwendig gewordenen Stichwahl am 29.03.2020 war erstmals ausschließlich ein Votum per Briefwahl möglich. (Alex Eder erzielte dabei 80,1%, Rainer Schaal 19,9%.)

Am 17. März kam es zu einem Einreisestopp für Reisende aus Drittstaaten. Am 21.03.2020 erklärt die Memminger Zeitung das Wort „triftig“ und berichtet über die „hl. Corona“.
Die Radioprogramme B5aktuell und Bayern2 wurden zusammengelegt. Bei den Beherbergungsbetrieben galt die Devise: Wohl dem, der eine Betriebsschließungsversicherung hatte – die dann auch noch zahlte.

Eine Auswahl an Fotos soll zeigen, wie sich die Pandemie in Ottobeuren auswirkte, kann dabei natürlich nur Schlaglichter bieten. Niemand hätte es sich vorstellen können: Schließungen von Schulen und Kindergärten, der Rathäuser von Ottobeuren, Hawangen und Böhen, des Touristikamts, der Sportstätten (sogar der Golfplatz), die geschlossenen Geschäfte und Fahrschulen, Hotels, Jugendherberge und Restaurants, Chöre und Instrumentalgruppen, die ihre Proben einstellen und Konzerte absagen mussten (darunter das Ottobeurer „Fescht“ und zwei der drei großen „Ottobeurer Konzerte“), Sperrung der Klosteranlage für Besucher, Betretungsbeschränkungen und -verbote in Altenheimen und dem Krankenhaus, Abstandsregelungen im Kneipp-Aktiv-Park, am Friedhof und anderen öffentlichen Plätzen, das Kunerth-Museum musste die laufende Ausstellung („Du bist die Kunst“) vorübergehend schließen, kein „Stille-Nacht“ in der vorverlegten Christmette. Kurzum: ein verrücktes Jahr, das den einen Einschränkungen und Einsamkeit, andere an die Grenzen ihrer Belastbarkeit oder gar in wirtschaftliche Existenznöte brachte. Im Krankenhaus kam es „im Zusammenhang mit Corona“ zu einigen Sterbefällen.

Während des 1. Lockdowns wurde zwar zur Wahrung des Abstands aufgerufen, bis Ende März waren jedoch noch kaum Menschen zu sehen, die einen Mund-/Nasenschutz trugen. Auf einem Aufsteller vor dem Feneberg wurde am 25.03.2020 dazu aufgerufen „möglichst bargeldlos zu bezahlen“.

Ottobeurer*innen zeigten Solidarität („Niemand wird allein gelassen“), schränkten ihre Mobilität radikal ein. Soweit, dass die Nachfrage zu einem Verfall der Ölpreise führten. Der Liter Diesel war zeitweise für unter einen Euro erhältlich (s. Foto Benzinpreis Tankstelle Mayer vom 16.5.2020, Diesel: 1,02 €/Ltr.). Für Natur und Umwelt kam es zu einer gewissen Entlastung: Leere Autobahnen (siehe Foto von der A96 am Kohlbergtunnel), kaum mehr Flugverkehr und eine verminderte Produktion ließen den weltweiten CO2-Ausstoß um ca. sechs Prozent zurückgehen. Statt um die Welt zu jetten, erkundeten die Ottobeurer*innen jetzt die Wanderwege im Nahbereich (vgl. MMZ, 6.5.: „Die Passagierzahlen der Lufthansa sind um 99% eingebrochen“). Im Mai brach der Autoabsatz in der EU um 76 Prozent ein. Der BN-Kreisvorsitzende gab zum Thema Ausflugstipps ein Interview auf Allgäu TV.
Nach der anonymisierten Auswertung von Handydaten durch eine Forschergruppe des RKI wurde festgestellt, dass die Bundesbürger*innen im Dezember 2020 40% weniger unterwegs waren als im Jahresschnitt 2019, wobei ergänzt werden muss, dass die Mobilität während der Feiertage generell um 20% niedriger ausfällt. Damit wurde das Niveau des 1. Lockdowns im Frühjahr erreicht.

Das überwiegende Kaiserwetter half der Psyche, da man sich gerne an der frischen Luft aufhalten konnte, während dies in anderen Ländern auf eine Stunde täglich und nur mit Passierschein erlaubt war, oft nur wenige hundert Meter um den eigenen Wohnort.
Auf der anderen Seite war auch bei uns wochenlang das Klopapier ausverkauft, Hefe wurde rationiert; es kam  wegen der Einhaltung der Maskenpflicht zu teils unangenehmen Diskussionen in den Geschäften, in einem Verbrauchermarkt im Gewerbegebiet musste sogar die Polizei anrücken. Bei den Polizeiinspektionen gingen täglich hunderte - teils anonyme - Anrufe ein, um das Fehlverhalten von Mitbürgern anzuprangern.

Der Aufwand für Vereine, Pfarrei, die Gemeinde, die Betriebe für die Erstellung von Hygienekonzepten war enorm, Geschäfte investierten in Plexiglas-Trennwände, Gastwirte überlegten sich Möglichkeiten, „Essen to-go“ anbieten zu können (hier besonders hervorzuheben der Mohren, mit Online-Speisekarte, Online-Bezahlung und Lieferung durch Bull's Shuttle). Eine sehr kreative Lösung fand der Zaunkönig: Es gab zwar keinen normalen Verkauf mehr, dafür die Möglichkeit, gegen eine Spende etwas mitzunehmen, ähnlich den Kürbisständen, die manchmal an Straßen aufgebaut sind. Viele Treffen verlagerten sich auf Online-Plattformen (Zoom, Skype, WhatsApp etc.), auch der Unterricht (schon zwei Tage später, am 18.03.2020, begann der Online-Unterricht über Mebis und andere). Sitzungen des Gemeinderats konnten weiter durchgeführt werden, wurden aus Platzgründen aber teils in das Museum für zeitgenössische Kunst Diether Kunerth verlegt. Im Bild ist die konstituierende Sitzung dokumentiert.

Busse fuhren mehr oder weniger leer durch die Gegend, der Fahrplan wurde eingedünnt. Das Mitfahrangebot der am 30.10.2019 eröffneten Verkehrsplattform Ottobeuren-macht-mobil.de nahm erst im August und September wieder Fahrt auf. Die für April 2020 vorgesehene Einführung des Flexibusses wurde auf Oktober 2020 verschoben.
Anordnungen wurden teils in so schneller Folge getroffen, dass man dabei schon mal den Überblick verlieren konnte, zumal die Bundesländer unterschiedliche Regelungen erließen. Im benachbarten Baden-Württemberg z.B. durften Möbelhäuser im Frühjahr geöffnet bleiben, in Bayern nicht. Wer und was als systemrelevant gilt, war nicht immer eindeutig nachvollziehbar.

Gegenstrategien:
Vereinzelt wurde dazu aufgerufen, aus Solidarität mit den Geschäftsinhabern jetzt Gutscheine zu kaufen, wie z.B. im Friseurladen Teibtner. Mediale Aufmerksamkeit erregte ein gemeinsames Angebot vom „Al Canevon“ (Elena Campagniolo) und dem „Wirtshaus am Markt“ (von Irene Gößl), die ab 1. Mai freitags bis sonntags gemeinsam in einer Küche kochten und dabei deutsche und italienische Gerichte zur Abholung anboten. Titel im Lokalteil der Memminger Zeitung: „Wo bayerisches Hähnchen auf italienische Pasta trifft“.

Das Touristikamt versuchte sein Möglichstes, um noch Veranstaltungen stattfinden lassen zu können, so z.B. am 21.08.2020 ein Auftritt der Ottobeurer Band HEARoes auf dem Marktplatz (Kurier vom 02.09.2020, S. 6: „HEARoes lassen aufhorchen. Eine willkommen normale Sommernacht in Ottobeuren“) oder das dritte große Kirchenkonzert, das – zwar mit nur 250 statt 2500 Zuhörern – aber immerhin stattfinden konnte. am 12. September 2020 gastierten die Bamberger Symphoniker unter Leitung von Jukka-Pekka Saraste mit Bruckners achter Sinfonie in der Basilika Ottobeuren. Bezeichnend die Überschrift der Konzertkritik vom 15.09.2020: „Von der Hoffnung in unsicherer Zeit“.

Ottobeurer Betriebe schickten ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit, manche kamen ohne diese Maßnahme aus.
Einen netten Einfall hatte Maxi Schafroth, der von 10. - 12. Oktober auf einer elternlichen Wiese zwischen der Buschelkapelle und Stephansried eine Art Autokino eingerichtet hatte und von einer Hebebühne aus eine Kabarett-Programm darbot, das per „Piratensender“ auf die Autoradios übertragen wurde. (Vgl. MMZ vom 10.10.2020, S. 29: „Kabarett-Vergnügen mit Kuhdreck an den Reifen“)
In Eldern 22 veranstaltete Roland Ledermann (Fa. „LE Beschallung“) vom 18.-20. September die „Ottobeurer Autokonzerte“.

Eine lesenswerte Ausgabe des evangelischen Gemeindebriefs, der am 31.05.2020 im Briefkasten war, sei hier empfohlen.

Auch das Pontifikalamt mit anschließendem Festakt zum Tag der deutschen Einheit am 3.10.2020 fand statt. Aber viele Vereine hatten das Nachsehen, Veranstaltungen wurden entweder abgesagt oder abgespeckt, wie z.B. die Feiern des Frauenbundes Ottobeuren zum 100-jährigen Bestehen.

Ab 04.05.2020, 0 Uhr, wurden öffentliche Gottesdienste wieder erlaubt, Schulen boten Präsenzunterricht für Abschlussklassen an. Ab dem 06.05.2020 durften Spielplätze wieder geöffnet werden, die Beschränkung auf Läden bis max. 800 m² wurde aufgehoben. Es blieb jedoch bei mindestens 20 Quadratmetern Platz pro Kunde. Museen, Zoos, Bibliotheken, Ausstellungen und weitere Freizeiteinrichtungen folgen am 11. Mai. Auch Fahr- und Musikschulen dürfen dann unter strengen Auflagen wieder betrieben werden. Eine Entscheidung über die Wiedereröffnung von Theatern stand zu diesem Zeitpunkt dagegen noch aus. Kontaktfreier Individualsport mit Abstand, darunter Tennis, Golf oder Reiten, war ab dem 11. Mai zugelassen. Für andere Sportarten sollten Konzepte folgen.

Ab dem 08.05.2020 galt, dass Treffen von Personen aus zwei Haushalten – sowohl draußen wie drinnen – wieder möglich sind (das müssen nicht Verwandte sein). Sollten in einer Region in einer Woche mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 auftreten, dann war vorgesehen, die Restriktionen punktuell wieder zu verschärfen.
Am 08.05.2020 hieß es auf Bayern 5, vom Deutschen Richterbund seien schon über 1000 Eilanträge von Klägern gemeldet worden, die sich gegen den Maskenzwang, die Verbote zur Abhaltung von öffentlichen Gottesdiensten etc. richteten. Bundesinnenminister Seehofer werde zur Öffnung der Grenzen gedrängt (vgl. Handy-Foto vom 8.5.2020, die Grenzübergänge nach Jungholz und ins Tannheimer Tal / Schattwald waren noch immer gesperrt).

Am 1. Mai konnte weder der Maibaum aufgestellt, noch ein Maibaumfest veranstaltet werden.

Sogar die Ottobeurer Kneipp-Wassertretstellen blieben geschlossen – auch am 10.5.2020 war das in noch so. Ab 18.5. durfte man wieder Außengastronomie anbieten, ab 25.5. konnten die Speiselokale auch innen öffnen. (Essen zum Mitnehmen: Beispiel „Mohren“ mit Muttertagsmenü bzw. Abendessen, dass zw. 19 und 20 Uhr von „Bull's Shuttle“ geliefert wurde; Bestellungen bis 17 Uhr über ein eigenes Online-Kontaktformular; Auf dem gelieferten Essen gedruckter Gruß und ein Päckchen Gummibärchen.)
Seit 9.5. versuchte es auch „Sale e Pepe“ mit „Essen zum Mitnehmen“, während der Ratskeller ein ähnliches Angebot bereits wieder eingestellt hatte.
Ab 11.5. (oder 12.5.?) galt eine Maskenpflicht auch auf Wochenmärkten, so auch in Ottobeuren. Es wurde ein entsprechendes Schild aufgestellt.

Nach der vorsichtigen Wiederöffnung war das Tragen von Masken allgemein üblich geworden. Frisörläden durften wieder öffnen, das Waschen der Haare vor dem Schnitt wurde obligatorisch. Es wurde dafür ein: „Corona-Hygienezuschlag“ fällig (3 Euro-Beleg 28.5.). Lokale mussten die Zahl der Sitzplätze reduzieren, in den Kirchen und Kinos wurden ganze Bankreihen gesperrt.
Instrumentalgruppen durften ihren Probenbetrieb wieder aufnehmen, nicht jedoch die Chöre (vgl. Artikel MMZ vom 30.05.2020: „Ein Virus spaltet die Chorgemeinschaft“). Der Chor The happy Disharmonists sangen „vom gefährlichsten Hobby der Welt“,
 
Ein tschechisches Barockensemble machte es vor und sang mit Masken auf Youtube:
Collegium 1704 - Sepulto Domino (Jan Dismas Zelenka)
oder hier mit Bach: Komm, Jesu komm.
 
Nochmals zu den Schulen:
In Bayern wurde ab 27. April an den Schulen die Abschlussklassen wieder unterrichtet, am 11. Mai folgten die „Vorabschlussklassen“ der weiterführenden Schulen: 11. Klassen an Gymnasien, 9. Realschul-Klassen und 8. Klassen der Mittelschulen. Viertklässler kehrten am 11.5. an die Schulen zurück (jeden Tag für insgesamt drei Unterrichtsstunden). Ab 18.5. galt: In der Grundschule konnten die Erstklässler, in der Mittelschule die Fünftklässler und in der Realschule die Fünft- und Sechstklässler wieder in den Unterricht.
Große Klassen wurden geteilt. Insgesamt wurden die Schüler*innen pro Woche 15 Stunden unterrichtet. In einem Klassenraum sollen sich nicht mehr als 14 bis 15 Kinder aufhalten. Im Schulgebäude galt Maskenpflicht, allerdings nicht im Unterricht selbst.
Schüler aller anderen Jahrgangsstufen kamen nach den Pfingstferien (ab 15. Juni) zurück an die Schulen.

Das ZDF meldete am 14.05.2020, 22:16 Uhr: „Keine Quarantäne-Pflicht mehr für EU- und Schengen-Staaten“ Die Quarantäne-Regelungen für die Einreise nach Deutschland würden abgeschwächt. Wer aus EU- und Schengen-Staaten sowie Großbritannien nach Deutschland einreise oder zurückkehre, müsse sich künftig nicht mehr in eine 14-tägige häusliche Quarantäne begeben.

Meldung ZDF, 15.05.2020, 12:01 Uhr:
140 von bundesweit 450 Jugendherbergen sollten laut einem Sprecher in der kommenden Woche wieder den Betrieb aufnehmen. Die Häuser mussten nach Anweisungen der Bundesländer wegen der Corona-Pandemie im März schließen.
Die Jugendherberge Ottobeuren blieb von März bis Dezember 2020 leider geschlossen.

Ab 16.05.2020, 0 Uhr, waren die Grenzen nach Österreich und in die Schweiz wieder offen, allerdings nur – wie bisher (und über ausgewählte Grenzorte) – zur Arbeit; jetzt aber auch zu Verwandtschaftsbesuchen oder zu Lebenspartnern; nicht jedoch aus Freizeitgründen, zum Einkaufen oder Tanken. Luxemburg war bereits ganz offen. Die Grenzkontrollen zu Frankreich dagegen sollten bis zum 15. Juni fortgesetzt werden - allerdings in gelockerter Form: Es war möglich künftig wieder alle Übergänge zu nutzen. Statt systematischer Kontrollen werde es dort nur noch „Stichprobenkontrollen“ geben, hieß es.
Ab 16.05.2020 begannen – nach über 60 Tagen – wieder Spiele der Fußball-Bundesliga, allerdings als „Geisterspiele“ ohne Publikum und nach vorheriger Quarantäne der Spieler.

Amazon fuhr Rekordgewinne ein, der Einzelhandel hatte das Nachsehen. Am 16.5. meldete heute.de, dass jeder zehnte Einzelhändler von Insolvenz bedroht sei.

Ab 18.5. durften Biergärten wieder öffnen (nach Voranmeldung und Hinterlassen der Adresse), B5 dazu: B5: Die Lockerung betrafen erst einmal nur Außenbereiche und Biergärten, um 20 Uhr musste aber Schluss sein. (Das Verwaltungsgericht Augsburg kippte diese Regelung, ab 29.5. durften Biergärten deshalb ebenfalls bis 22 Uhr öffnen.) Menschen aus zwei Haushalten konnten an einem Tisch zusammensitzen, ansonsten galt der Mindestabstand von eineinhalb Metern. Außerdem mussten strenge Hygiene-Vorschriften eingehalten werden: Am Tisch ging es ohne Maske, aber auf dem Weg zur Toilette oder beim Betreten des Biergartens (bzw. der Außenbereiche eines Lokals) nur mit. Es gab (zunächst) ausschließlich Einmalspeisekarten und Einmalbesteck, der Platz muss angewiesen werden.
Unter ähnlichen Auflagen öffneten die Speisegaststätten ab 25. Mai auch ihre Innenbereiche – bis maximal 22 Uhr.

Die Bundesregierung organisierte weltweite Rückholflüge, um gestrandete Urlauber zurückzuholen. Am 19. Mai meldete der BR, noch immer würden Hunderte Deutsche im Ausland festsitzen: eine hohe dreistellige Zahl alleine in Marokko, in Südafrika eine mittlere dreistellige Zahl, in Argentinien und Pakistan ebenfalls Hunderte. Das Auswärtige Amt versprach , dass die Botschaften in den Ländern weiter in jedem Einzelfall nach Rückkehrmöglichkeiten suchen würden. Im Zuge einer beispiellosen Rückholaktion hatte die Bundesregierung 240.000 Menschen aus aller Welt nach Hause geholt.

Memminger Kurier, 20.5.20: Memmingen seit Samstag Corona-frei, alle 51 Patienten genesen.

Ab 30.5. waren Stadt- und Naturführungen wieder möglich, Seil- und Bergbahnen, Fluss- und Seenschiffe durften wieder fahren, Busse und Bahnen dürfen wieder Touristen befördern. Hotels und Campingplätze durften wieder öffnen. Ab 2.6. sollten Linderhof, Neuschwanstein und die Residenzen in München und Würzburg wieder öffnen.

Wie bereits vorher erwähnt, wurden vielfach Gerichte bemüht, um die Zulässigkeit der angeordneten Maßnahmen zu überprüfen. Auch auf der Straße formierte sich Widerstand. In Ottobeuren fanden keine Querdenker-Demos statt, am 1. Mai wurde der Kneipp-Büste beim Ämtergebäude ein „kritischer Mundschutz“ verpasst, in einem Geschäft fanden sich immer wieder Tafeln mit Unmutsäußerungen. Wolfgang Schäuble bezog sich in einem Interview zunächst auf Sachsens Ministerpräsident Kretschmer, der sich auf Diskussionen mit Dempnstranten eingelassen hatte:
„Was Ministerpräsident Kretschmer gemacht hat, war natürlich trotzdem toll. Denn viele bei diesen Demonstrationen sind ja nicht Verrückte, sondern sie sind vielleicht anfällig für Verschwörungstheoretiker oder irgendwelche Parolen. Die Wissenschaftler sind sich ja auch nicht einig, das ist alles legitim, und wenn sich dann die Politik dem stellt, und die Politiker, die Verantwortlichen, dann ist das nur gut.“ (Kretschmer hatte sich am Samstag mehr als eine Stunde lang Gegnern der Corona-Maßnahmen in Dresden gestellt.)
Der Bundestagspräsident bezeichnete die Pandemie als „neue Erfahrung für die Menschheit“. Seit dem Zweiten Weltkrieg habe man nichts Vergleichbares erlebt. Aufgabe der Politik sei es am Anfang auch gewesen, Panik zu verhindern. „Das ist gut gelungen“, sagte Schäuble. Der Föderalismus habe gut funktioniert. In der „unmittelbaren Notlage“ hätten alle auf die Kanzlerin geschaut. Nun sei es gut, regional unterschiedliche Regelungen für Lockerungsmaßnahmen zu treffen.

Die LE Beschallung und Medientechnik (Roland Ledermann aus Ottobeuren mit seinen Söhnen Korbinian und Martin) nahm am 22.06.2020 an der bundesweiten Aktion der Beleuchter und Beschallungsunternehmen teil, um auf ihre prekäre Situation aufmerksam zu machen und tauchten dabei Rathaus und Haus des Gastes in rotes Licht.

Nikolaus Küchle aus Sontheim dichtete in der Zeitung vom 30. Mai:
Corona, die geheime Macht. Schleicht durch das Land bei Tag und Nacht.
Sie geht dabei von Haus zu Haus und sucht sich ihre Opfer aus.
Jeder Mensch ist vor ihr gleich, ob er arm ist oder reich.
Ungebremst, kaum aufzuhalten, hat sie es abgesehen auf die Alten. (usw.)

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Auch überregional kam es zu bedeutenden Umwälzungen: Die bayerischen Skigebiete beendeten die Skisaison am 15. März vorzeitig, die Grenzen zu den Nachbarländern wurden größtenteils dicht gemacht (sogar in die beiden österrischen Exklaven Kleinwalsertal und Jungholz waren betroffen), das Oktoberfest abgesagt, die Olympischen Spiele verschoben. Nichts war mehr wie zuvor, insbesondere die Einschränkungen in den zwischenmenschlichen Kontakten prägten und veränderten die Gesellschaft. Selbst Beerdigungen konnten nurmehr im engsten Familienkreis durchgeführt werden.
Unser Wortschatz hat sich erweitert: Herdenimmunität, Lockdown, Inzidenzwert, Systemrelevanz, Reproduktionsfaktor (R-Wert), Hotspot, Mund-/Nasenschutz, Präsenzunterricht, Übersterblichkeit, Covid-19, Zoom-Konferenz; kein Wort jedoch fiel so häufig in den Medien wie „Corona“. (Da wäre uns vermutlich selbst 5000 Mal „Brexit“ lieber gewesen!)

Immerhin: Trotz aller Widrigkeiten liefen etliche Großprojekte weiter und wurden 2020 abgeschlossen, so zB. der Hochwasserschutzdamm in Eldern, die Eröffnung des Adventure-Golfplatzes oder die Baumaßnahmen für die Erweiterung des Krankenhauses Ottobeuren, das jetzt Teil des Klinikverbundes Allgäu ist. Am Marktplatz 9 eröffnete das Memminger »Backhaus Häussler« eine Filiale., während bei der Metzgerei Fischbach der reguläre Ladenverkauf am 19.12.2020 endete. Auch sonst war und ist der Einzelhandel in Bewegung: Der Käseladen von Gabi und Christian Arnold wird - nach fünf Jahren - an die Käserei Wiggensbach übergeben, Spielwaren Kummer ging im Dezember in den Ausverkauf.
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Die Inzidenzwerte stiegen im Herbst immer schneller an, ein zweiter Lockdown wurde unvermeidlich und galt ab 16.12.2020. Verbunden war der Lockdown mit einer Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr.
 
Lichtblick: Die Entwicklung eines Impfstoffes hatte Fortschritte gemacht, der am 21.12.2020 EU-weit zugelassen wurde. Für Sonntag, den 27.12.2020 war für alle Mitgliedsstaaten der Impfstart vorgesehen, am 26.12.2020 preschte man in einem Seniorenzentrum in Halberstadt (Sachsen-Anhalt) voraus: Die 101-Jährige Edith Kwoizalla und nach ihr etwa 40 weitere Bewohner wurden gegen das Coronavirus geimpft.

Die Knappheit des Impfstoffs und die unterschiedlich stark ausgeprägte Betroffenheit der Altersgruppen untereinander führten unweigerlich zur Fragestellung, wer zuerst geimpft werden sollte. Wie viele Menschen sterben, hängt maßgeblich davon ab, wie sich das Virus in Risikogruppen, etwa ältere Menschen – und dabei vor allem Menschen ab 85 Jahre – verbreitet.
Die Bundesregierung hat folgende Impfstrategie beschlossen:

Zur ersten Gruppe zählten:
– alle Personen über 80 Jahre
– Bewohner*innen und Personal von Senioren- und Altenpflegeheimen sowie ambulante Pflegedienste
– Personal in medizinischen Einrichtungen mit besonders hohem Ansteckungsrisiko oder Kontakt zu gefährdeten Gruppen

Zweite Gruppe:
– alle 70- bis 79-Jährigen
– Demente, Personen mit geistiger Behinderung, Trisomie 21 oder nach Organtransplantation
– enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen oder Schwangeren
– Personal in medizinischen Einrichtungen mit hohem Ansteckungsrisiko
– Beschäftigte zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit mit hohem Ansteckungsrisiko (z.B. Polizei und Ordnungskräfte)
– Teilbereiche des öffentlichen Gesundheitswesens

Dritte Gruppe:
– alle 60- bis 69-Jährigen
– Personen mit Vorerkrankungen mit moderat erhöhtem Risiko
– Personal in Schlüsselpositionen der Landes-, und Bundesregierung (z.B. Bundeswehr oder Feuerwehr)
– Berufsgruppen der kritischen Infrastruktur (z.B. Apotheken und Transportwesen)
– Beschäftigte im Einzelhandel
– Lehrer*innen und Erzieher*innen
– Personal in medizinischen Einrichtungen mit niedrigem Ansteckungsrisiko
– Personen mit prekären und Arbeits- oder Lebensbedingungen (z.B. Bewohner*innen von Obdachlosen- oder Asylbewerberunterkünften)
(Quelle: Bundesministerium für Gesundheit)

Kurz vor Weihnachten gab es unter Bundespolitikern die Forderung, den Impfstoff von BioNTech / Pfizer in Lizenz auch von anderen Firmen herstellen zu lassen. Am 28.12.2020 sagte Gesundheitsminister Spahn im ZDF-Interview dazu: „Eine Produktion für einem Impfstoff ist hoch anspruchsvoll und hoch komplex. Die kann man nicht mal eben per Lizenz bei einem anderen Unternehmen machen, es würde jedenfalls nicht schneller gehen als dass wir gemeinsam mit BioNTech – etwa in Marburg – zusätzliche Produktionsstätten finden.“

Es wurde außerdem diskutiert, inwieweit für Geimpfte andere Regeln gelten können. Hans-Jürgen Papier, ehemaliger Präsident des Bundesverfassungsgerichts, wird am 30.12.2020 auf heute.de wie folgt zitiert: „Sobald gesichert ist, dass von Geimpften keine Ansteckungsgefahr mehr ausgeht, gibt es verfassungsrechtlich keine Legitimation mehr, die Betroffenen in ihren Grundrechten weiter zu beschränken.“ Zum jetztigen Stand sagte Ulrich Battis, Verfassungsrechtler an der Humboldt-Universität in Berlin, er gehe davon aus, dass zunächst dieselben Regeln weitergelten. „Für konkrete Maßnahmen in diesem Bereich ist es noch zu früh. Noch ist die Lage unübersichtlich.“
Laut Robert-Koch-Institut, 29.12.2020, 08:00 Uhr, waren in Deutschland 41.962, in Bayern 5.219 Menschen geimpft (39,8 Impfungen pro 100.000 Einwohner). Am 31.12.2020, 8.30 Uhr, wurden bundesweit 131.626 Impfungen gemeldet (bzw. 158,3 Impfungen pro 100.000 Einwohner), Bayern 28.206 bzw. 214,9 / 100.000 Einw.). Aktualisierung 01.01.2021: Weltweit gesehen war nach einer ZDF-Meldung bis zum Neujahrstag in Israel am schnellsten: Weniger als zwei Wochen nach dem Impfstart am 20.12. wurde bereits der millionste Menschen geimpft, was bei 9,3 Millionen Einwohnern 9.180 Impfungen/100.000 Einwohner entspricht (letzteres Zahlenpaar Stand 31.12.2020); darunter mehr als 40% bei den über 60-Jährigen. Regierungschef Benjamin Natanjahu sagte, Ziel sei es, 5,5 Millionen Geimpfte zu erreichen, um die Pandemie zu stoppen.
Ähnliche Quoten sollen auch in Deutschland erreicht werden: „Langfristig sollen alle die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen. Das Ziel: Genug Menschen in der Bevölkerung gegen Covid-19 zu impfen, um Herdenimmunität zu erreichen. 60 bis 70 Prozent müssten geimpft werden. Die Idee der Herdenimmunität: Je mehr Menschen geimpft sind, desto weniger erkranken an Corona, da jede Infektionskette schnell wieder abbricht. Durch Herdenimmunität werden auch Personen geschützt, die sich noch nicht haben impfen lassen oder das auch gar nicht können.“
Zitat 30.12.2020; Link ZDF

Im Unterallgäu (hier: in Bad Wörishofen, ehemals „Möbel Mundo“) und in der Stadt Memmingen wurde jeweils ein Impfzentrum eingerichtet. In Betrieb werden beide Impfzentren im Januar 2021 gehen, sobald weitere Impfstoff-Lieferungen zur Verfügung stehen. In einer Pressemittteilung hieß es:
Landkreis Unterallgäu und die Stadt Memmingen
Für die Bewohner des Landkreises Unterallgäu stehen zwei Impfzentren zur Verfügung: Eines befindet sich in Bad Wörishofen in einem ehemaligen Möbelhaus im Gewerbegebiet. Die Gründe für die Auswahl des Gebäudes sind laut Landkreis seine Größe und die vorhandenen Parkplätze. Außerdem sei das Gebäude bereits vom Staat angemietet und darin eine Erstaufnahme für Flüchtlinge eingerichtet worden. Diese steht aber seit längerem leer.
Damit Bürger aus dem westlichen Landkreis nicht bis nach Bad Wörishofen fahren müssen, arbeitet der Landkreis mit der Stadt Memmingen zusammen. So sollen sich diese auch im Memminger Impfzentrum in der ehemaligen Realschule gegen das Coronavirus impfen lassen können. Betreiber des Impfzentrums ist der Malteser Hilfsdienst Memmingen. Er stellt 60 Vollzeitstellen verteilt auf 140 Mitarbeiter, die sich um Logistik, Verwaltung und die Fahrdienste kümmern. Dazu kommen noch jeweils zwei Ärzte sowie zwei medizinisch-technische Fachangestellte, die die Patienten versorgen.
Im Erdgeschoss der ehemaligen Schule sind zwei Impfstrecken mit jeweils einem Wartebereich eingerichtet, es gibt auch einen Raum für Arztgespräche, einen Impfraum sowie einen Ruheraum. Im Wartebereich wird laut Stadt ein Film zur Aufklärung über die Impfung gezeigt, der Ruheraum diene dazu, dass sich die Patienten nach der Impfung 30 Minuten unter Beobachtung ausruhen können, das sehe der Hersteller Biontec so vor. Das Impfzentrum soll sieben Tage die Woche jeweils zwischen 8 und 22 Uhr geöffnet sein.
Für Menschen, die nicht zum Impfzentrum kommen können, wird es mobile Teams geben, die zum Impfen nach Hause kommen.

In Ottobeuren und in Bayern hat man schon lange Erfahrungen im Impfen, wie ein Schutzpocken-Impfschein vom 03.06. 1809 für die in Bayern eingeführte Pockenschutzimpfung (August 1807) zeigt.

Zurück zur aktuellen Pandemie:
Nach den kurzfristigen Lockerung während der Weihnachtsfeiertage wurde außerdem über die Zulässigkeit von Silvester-Feuerwerken diskutiert. In diesem Jahr durften – als Teil der Corona-Maßnahmen – in Deutschland keine Böller und kein Feuerwerk verkauft werden, bestätigt vom Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg. Hintergrund: An keinem Tag im Jahr verletzen sich so viele Menschen wie an Silvester. Die durch die Corona-Patienten stark belasteten Krankenhäuser sollten nicht auch noch durch Verletzte zusätzlich in Anspruch genommen werden. Strittig war, ob man Feuerwerk auf dem eigenen Grundstück abbrennen darf, Verwaltungsgericht in Augsburg bestätigte die Zulässigkeit, der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat am 29.12.2020 die erstinstanzliche Entscheidung des Augsburger Verwaltungsgerichts zum Feuerwerksverbot auf privaten Flächen in Augsburg nach eigenen Angaben bestätigt.
In der Urteilsbegründung hieß es: Das Verwaltungsgericht habe zu Recht darauf hingewiesen, dass aufgrund der geltenden Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen keine darüber hinausgehenden Kontakte und Ansammlungen zu befürchten seien, die durch das Feuerwerksverbot unterbunden werden könnten. Es handele sich bei dem über die Regelungen der 11. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung hinausgehenden Feuerwerksverbot nicht um eine infektionsschutzrechtlich notwendige und damit verhältnismäßige Maßnahme im Sinne des Infektionsschutzgesetzes. 

Die Ortsgruppe Ottobeuren des BUND Naturschutz hatte in der Dezember-Ausgabe des „Ottobeuren Life“ ganz unabhängig von Corona zum Verzicht auf die Silvester-Knallerei aufgerufen.
 
Eine Alternative zum Feuerwerk im Allgäu: Nach einem Facebook-Aufruf sollen um Mitternacht Kuhglocken geläutet werden.    
Viele Liftbetreiber sperrten im Dezember die Parkplätze ihrer ohnehin geschlossenen Skilifte, es zeigten sich dennoch Szenen wie an normalen Skiwochenenden.

Die Situation am Jahresende: Zum ersten Mal in diesem Jahr hat die Zahl der gemeldeten Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus die Marke von 1.000 überschritten und damit einen Höchststand erreicht. Binnen einen Tages übermittelten die deutschen Gesundheitsämter dem RKI 1.129 neue Todesfälle, wie aus den RKI-Zahlen vom Morgen des 30.12.2020 hervorgeht. Außerdem wurden 22.459 Neuinfektionen gemeldet. Insofern ist unwahrscheinlich, dass die nach dem 10.01.2021 vorgesehen Lockerungen – insbesondere die Rückkehr der Schüler*innen an die Schulen – zugelassen werden können. Der Lockdown könnte sogar noch verschärft werden.
Auf BR24 hieß es zum Jahresende als Lichtblick immerhin: Großbritannien – das schon beim Biontech/Pfizer-Vakzin mit der Zulassung vorgeprescht war – habe lt. Britischem Gesundheitsministerium den Corona-Impfstoff von Astrazeneca und der Universität Oxford zugelassen.

In Deutschland gab es mit Stand 30.12.2020 1.692.109 bestätigte Infektionsfälle. Insgesamt starben hierzulande 32.420 Menschen „im Zusammenhang mit Corona“. Im Schnitt kommen derzeit täglich 19.790 Neuinfektionen dazu.
Weltweit gibt es 81.996.540 nachgewiesene Ansteckungsfälle in 191 Ländern. 1.789.905 Menschen sind demnach an den Folgen des Coronavirus gestorben.
Im Unterallgäu mit den beiden Kliniken Mindelheim und Ottobeuren standen am 29.12.2020 14 Intensivbetten zur Verfügung, die mit 12 Patienten – darunter vier mit Covid-19 – und damit zu 86% belegt waren.
Zur Situation in den Krankenhäusern erläuterte man auf heute.de am 30.12.2020: „Eine hundertprozentige Auslastung in einer Region bedeutet nicht zwangsläufig, dass dort schwere Covid-19-Fälle nicht mehr beatmet werden können und Patienten weite Wege in Kauf nehmen müssen.
Einige Kliniken können kurzfristig neue Intensivbetten zur Verfügung stellen und so ihre Kapazitäten notfalls ausbauen. Gleichzeitig ist nicht jedes als verfügbar gemeldete Intensivbett auch tatsächlich einsatzbereit. Denn es fehlt an Personal.“

Die Aussichten auf eine schnelle Besserung bzw. schnelle Lockerungen sind nicht besonders gut. Um „endlich wieder die Kontrolle zu gewinnen“, plädierte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach für einen Grenzwert bei der 7-Tage-Inzidenz von unter 25. Lauterbach am 30.12.2020: „Es kommen drei schwere Monate.“ Abgesehen von der Frage, wie lange die Wirkung der Impfung anhält, sorgen Mutationen für Unruhe; vor Weihnachten wurde sogar kurzzeitig der Flug-, Bahn- und Fährverkehr von und nach Großbritannien eingestellt, nachdem sich dort – vor allem in und um London – eine Mutation ausbreitete, mit der ein bis zu 70% höheres Ansteckungsrisiko einhergehen soll.

Die Meinungsforscherin Renate Köcher gab im Interview vom 31.12.2020 auf die Frage nach der Stimmung: „Die Stimmung ist nicht gut. Die Menschen sind zunehmend erschöpft und genervt. Vor allen Dingen haben sie das Gefühl, dass sie ihre Zukunft nicht kalkulieren können. Sie wissen nicht, was nächste Woche gilt, sie wissen nicht, wann die Krise zu Ende ist.“ Und spart dabei auch nicht mit Kritik an der Politik:
„Die digitale Ausstattung der Schulen lässt zu wünschen übrig, genauso wie die Ausstattung von Ämtern und Behörden. Und der Staat reagiert nicht so schnell, wie ein Unternehmen das tun würde. Mir fehlt jedes Verständnis dafür, dass man im Oktober Hilfen für Firmen ankündigt, die vom Lockdown betroffen sind, und erst Ende November die Antragsformulare zur Verfügung stellt, die zudem nur vom Steuerberater ausgefüllt werden können. Viele Betriebe haben noch keine Hilfe bekommen. Gleichzeitig fehlen ihnen aber vielfach die Reserven, die Kosten laufen weiter, insbesondere müssen sie oft hohe Mieten zahlen.“

Das Schlusswort hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel, die in ihrer 15. und „voraussichtlich letzten Neujahrsansprache“ am 31.12.2020 schwerpunktmäßig auf die Pandemie einging (u.a. mit einem Dank für den unermüdlichen Einsatz von Ärztinnen, Ärzten sowie Pflegekräften in Krankenhäusern und Pflegeheimen) und am Ende mit folgenden persönlichen Worten schloss: „Nie zuvor in meiner Kanzlerschaft habe ich ein so sorgenvolles Jahr erlebt. Ich denke, ich übertreibe nicht, wenn ich sage: Nie in den letzten 15 Jahren haben wir alle das alte Jahr als so schwer empfunden - und nie haben wir trotz aller Sorgen und mancher Skepsis mit so viel Hoffnung dem neuen Jahr entgegengesehen.“

Aktualisierung: 11.01.2021: Seit 11.01.2021 ist es möglich, sich für eine Impfung in den Impfzentren – wie in Bad Wörishofen oder in Memmingen – anzumelden bzw. zu registrieren. Die Internetadresse lautet: http://impfzentren.bayern

Am 16.01.2021 hieß es im Memminger Kurier zum geplanten Start der beiden Impfzentren Memmingen und Bad Wörishofen auf S. 3: „Geplant ist, dass die beiden Impfzentren am Mittwoch, 20. Januar, den Betrieb aufnehmen – vorausgesetzt, es steht genügend Impfstoff zur Verfügung.“ (Letzteres war dann nicht der Fall, der 20.01.2021 konnte nicht gehalten werden. In einer PM des Landratsamtes vom 20.01.2021 wurde der 22.01.2021 als Starttermin für die beiden Impfzentren genannt, nachdem „eine außerplanmäßige Lieferung an Impfstoff angekündigt worden“ sei.)

Die Bildunterschrift des Artikels „Für Impfung registrieren“ lautete: „Als erster Bewohner des Lebenszentrums Ottobeuren wurde am Montag [11.01.2021] um 9.37 Uhr Herbert Wagner, Jahrgang 1942, von Dr. Haas geimpft.“ Landrat Eder berichtete am 18.01.2021 in einer Mail an die Grünen-Fraktion des Landkreises, dass durch mobile Impfteams in Memmingen und dem Unterallgäu bislang 4.000 Menschen geimpft worden seien.

Nachdem es ab dem 14.01.2021 im Unterallgäu zur Anwendung der „15-km-Regel“ kam, hat das Landratsamt eine Karte veröffentlicht, die die maximalen Entfernungen pro Ort aufzeigen. Am 20.01.2021 wurden mit Stand desselben Tages für Ottobeuren folgende Zahlen veröffentlicht:
Einwohner: 8.416
Anzahl bestätigter Fälle: 233
Fallzahl aktuell positiv getesteter pro 1000 Einwohner: 3,56

Die 233 genannten Personen setzen sich wie folgt zusammen:
192 genesen, 11 verstorben, 30 aktuell positiv.
(Hinweis: Die Verstorbenen werden dem Aufenthaltsort zum Zeitpunkt des Versterbens zugeordnet, insofern weisen Orte wie Mindelheim (20 Verstorbene) oder Bad Wörishofen (10 Verstorbene) und eben Ottobeuren hohe Zahlen auf, da hier die Krankenhäuser bzw. Altenheime stehen, während es in vielen anderen Gemeinden keinerlei Sterbefälle zu verzeichnen gibt, auch wenn die Verstorbenen vor der Erkrankung ursprünglich dort beheimatet waren.

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Mit diesem 700. Eintrag schließt das virtuelle Museum Ottobeuren seine Pforten für 2020. Wie heißt es doch jetzt oft in Weihnachts- und Neujahrsgrüßen:
Bleiben Sie gesund!

Fotos, Recherche, Zusammenstellung: Helmut Scharpf, 31.12.2020